Anämie – warum ist mein Hund so schlapp?

Wie der Name schon sagt, fehlt Ihrem Hund bei einer Anämie Blut, genauer genommen sind die Anzahl der Erythrozyten (=rote Blutkörperchen) und das Hämoglobin (= der Blutfarbstoff) verringert. Die Anämie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das viele verschiedene Krankheitsprozesse begleiten kann.

INHALT
Ursachen, Entstehung und Einteilung Symptome Diagnose Behandlung Prognose
Ursachen, Entstehung und Einteilung

Das in den roten Blutkörperchen vorhandene Eiweiß Hämoglobin dient dem Transport von Sauerstoff im Körper. Ist die Hämoglobin-Konzentration im Blut erniedrigt, sinkt die Sauerstoff-Transportfähigkeit des Blutes und der Organismus reagiert mit einer Beschleunigung der Herzfrequenz, um nach wie vor genügend Sauerstoff in die Organe zu transportieren.

Im gesunden Organismus herrscht ein Gleichgewicht zwischen Neubildung, Verbrauch und Abbau der roten Blutkörperchen. Eine Störung dieses Gleichgewichts führt zu einer Anämie.

Bezogen auf die Art der Entstehung lassen sich daher verschiedene Formen einer Anämie unterscheiden:

  1. Anämie durch Blutverlust = Blutungsanämie (beispielsweise durch Verletzungen, blutende Tumore, Gefäßwandschädigung oder Gerinnungsstörung)
  2. Anämie durch Störung der Blutbildung (beispielsweise bei Knochenmarksinsuffizienz, Eisenmangel, Schilddrüsenunterfunktion, Tumoren, chronischen Krankheiten oder Autoimmunerkrankungen)
  3. Anämie durch übermäßigen Abbau der roten Blutkörperchen = Hämolytische Anämie (beispielsweise durch Blutparasiten, Chemikalien, Giftstoffe, Tumore oder Autoimmunerkrankungen)
  4. Multifaktoriell bedingte Anämie (Kombination mehrerer Ursachen)

In Bezug auf die Reparationsfähigkeit des Körpers unterscheidet man regenerative von nicht-regenerativen Anämien. Von einer regenerativen Anämie spricht man, wenn Blutverluste, ein erhöhter Erythrozyten-Abbau oder eine Erythrozyten-Zerstörung durch eine gesteigerte Produktion im Knochenmark wieder ausgeglichen werden können. Ist das Knochenmark selbst geschädigt und dadurch nicht mehr in der Lage, genügend neue Erythrozyten zu bilden und auszuschütten, handelt es sich um eine nicht-regenerative Anämie. Auch Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen oder ein Eisenmangel können dazu führen, dass nicht mehr genügend rote Blutkörperchen gebildet werden können.

Symptome

Die klassischen Symptome einer Blutarmut sind blasse Schleimhäute, Kurzatmigkeit, Schwäche, erhöhter Puls und schnelle Ermüdbarkeit. Oft sind die eigentlichen Symptome jedoch mit denen der Grunderkrankung vermischt, so dass die Zuordnung nicht immer einfach ist. Je plötzlicher und schneller sich eine Anämie entwickelt, desto deutlicher sind die Symptome. Ein langsam abfallender Hämoglobin-Spiegel wird vom Organismus bis zu einer Untergrenze toleriert, wobei es bei Unterschreiten dieser Grenze auch zu einem abrupten Kollaps kommen kann.

An den Symptomen der Grunderkrankung können Rückschlüsse auf die Art der Anämie gezogen werden. So sind beispielsweise Haut- oder Schleimhautblutungen ein Anzeichen für Gerinnungsstörungen und der Nachweis von Blut oder Parasiten im Kot ein erster Hinweis auf eine okkulte (= verborgene) Blutung. Entsteht die Anämie durch vermehrten Blutabbau kommt es durch das frei werden des Blutfarbstoffes zu einer Gelbverfärbung der Schleimhäute (Gelbsucht = Ikterus).

Maul eines Hundes
Blasse Schleimhäute sind typische Anzeichen einer Anämie
Diagnose

Während seiner allgemeinen Untersuchung wird dein Tierarzt erste Anhaltspunkte einer Anämie wie Mattigkeit, Gelbsucht oder Schleimhautblutungen erkennen können. Je nach Grunderkrankung werden unterschiedliche weiterführende Untersuchungen notwendig.

Die Untersuchung des Blutes gehört bei vielen Krankheitsbildern bereits zum Standard und liefert dem Tierarzt oft wertvolle Informationen über den Gesundheitszustand des Tieres und kann Hinweise auf eine bestimmte Krankheit enthalten. Routinemäßig wird bereits in einem kleinen Blutbild der Hämatokrit bestimmt, welches den Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtvolumen des Blutes darstellt. Ist er erniedrigt, liegt eine Anämie vor. Der genaue Typ der Anämie lässt sich allerdings nur mit weiteren Laboruntersuchungen bestimmen.

Behandlung

Grundsätzlich ist das Ziel der gesamten Behandlung die Beeinflussung der zu Grunde liegenden Erkrankung. Liegt jedoch eine schwerwiegende Anämie vor, gilt es diese zuerst symptomatisch zu behandeln, um den Hund zu stabilisieren. In lebensbedrohlichen Fällen muss dem betroffenen Hund eine Bluttransfusion verabreicht werden. Gleichzeitig sind die Folgen der Anämie wie etwa der Sauerstoffmangel durch Sauerstoffgaben zu lindern. Die weitere Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung und deren Ursache. Die Blutwerte des Patienten sollten über einen längeren Zeitraum engmaschig kontrolliert werden.

Prognose

Anämien können durch eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen ausgelöst werden. Eine umfassende Prophylaxe ist daher kaum möglich. Du als Tierbesitzer kannst deinen Hund jedoch mit einem ausreichenden Impfschutz vor Infektionskrankheiten wie Staupe oder Parvovirose schützen, die Anämien verursachen können. Auch eine entsprechende Parasitenprophylaxe kann beispielsweise vor durch Zecken übertragenen Blutparasiten schützen.