Cushing-Syndrom beim Hund – eine Hormonstörung mit vielfältigem Gesicht

Die als Morbus Cushing bezeichnete Erkrankung der Nebennieren wurde 1910 erstmals vom Namensgeber Harvey Williams Cushing beim Menschen beschrieben. Es kommt dabei zu einer vermehrten Stimulation der Nebennierenrinde, was eine übermäßige Cortisol-Produktion (=Hyperadrenokortizismus) zur Folge hat. Die dadurch entstehenden Krankheitsanzeichen werden als Cushing-Syndrom bezeichnet. Im Gegensatz zu dem Morbus Addison (=Nebennierenrindeninsuffizienz) ist Morbus Cushing nicht lebensbedrohlich. Betroffen sind meist ältere, kleine Hunde und die Rassen Boxer, Pudel und Dackel.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Entstehung

In den meisten Fällen (80-85%) liegt die Ursache in einem kleinen gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse (=sekundäres oder PDH-Cushing-Syndrom). Dadurch kommt es zur übermäßigen Ausschüttung des Hormons ACTH, welches eine vermehrte Cortisolproduktion in der Nebenniere veranlasst. Infolgedessen vergrößern sich die Nebennieren und produzieren permanent zu viel Cortisol.

Seltener (15-20%) kommt es zu einem Tumor in einer der beiden Nebennieren, welcher selbstständig Cortisol produziert und ausschüttet (=primäres oder AT-Cushing-Syndrom).

Darüber hinaus kann ein Cushing-Syndrom bei einer zu hohen Medikamentendosierung von Kortikosteroiden, wie beispielsweise im Rahmen einer Allergiebehandlung, auftreten (=iatrogenes Cushing-Syndrom).

Schematische Darstellung der Nieren und Nebennieren.
1a Linke Niere | 1b Rechte Niere | 2 Nebennieren | 3 Harnleiter
Symptome

Die ersten Anzeichen eines Morbus Cushings sind meist das vermehrte Trinken zusammen mit häufigerem Wasserlassen, der auftretende Hängebauch und die Fellveränderungen. Da Cortisol Einfluss auf viele Stoffwechselprozesse hat, treten mitunter vielfältige Symptome auf.

Folgende Symptome können auftreten:      

  • Starker Durst
  • Vermehrtes Wasserlassen und Inkontinenz
  • Rückgang der Muskulatur, dadurch Probleme beim Treppensteigen oder bei langen Spaziergängen
  • Starkes Hecheln, auch in Ruhe
  • Vermehrter Appetit
  • Fetteinlagerung im Bauchraum: starker Hängebauch (=Stammfettsucht)
  • Fellprobleme: Stumpfes und dünnes Fell, Haarausfall
  • Hautprobleme: Dünne, schuppige und faltige Haut, oft ist diese auch dunkel verfärbt
  • Infektanfälligkeit: eitrige Hautentzündungen (=Pyodermie, siehe entsprechender Artikel), Haarbalgmilben (=Demodikose, siehe entsprechender Artikel) oder Harnwegsinfektionen
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Teilnahmslosigkeit
  • Diabetes mellitus (siehe entsprechender Artikel)

Diagnose

Solltest du bei deinem Hund eines oder mehrere der oben beschriebenen Symptome feststellen, kontaktiere bitte deine Tierarztpraxis. Da die Symptome bei älteren Hunden auch andere Ursachen haben können, ist die Diagnosestellung nicht immer einfach. Bei Verdacht auf einen Morbus Cushing wird zuerst ein umfangreiches Blutbild von deinem Hund angefertigt. Zudem wird im Allgemeinen auch eine Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle und eine Urinuntersuchung durchgeführt. Da der Cortisolspiegel im Blut allerdings über den Tag stark schwankt, müssen spezielle Urin- und Bluttests zur Bestätigung der Diagnose durchgeführt werden – meistens auch mehrere in Kombination.

Der Urin-Cortisol-Kreatinin-Quotient (UCCR) ist eine Art Suchtest: Wenn er auffällig ist, ist das Vorliegen eines Morbus Cushings wahrscheinlich und es folgen weitere Tests.  Der Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest (LDDS) hilft bei der Unterscheidung zwischen dem PDH- oder dem AT-Cushing-Syndrom. Außerdem wird der ACTH-Stimulationstest durchgeführt, um den Erfolg einer möglichen Therapie zu kontrollieren. Deine Tierarztpraxis wird mit dir das genaue Vorgehen besprechen, wenn der Verdacht besteht, dass dein Hund an Morbus Cushing erkrankt ist.

Behandlung

Bevor der Morbus Cushing selbst behandelt wird, sollten die Begleiterkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder ein Diabetes mellitus therapiert werden.

Je nach Ursache des Cushing-Syndroms unterscheidet sich dann die eigentliche Therapie. Bei einem medikamentell bedingten Überschuss an Cortisol (=iatrogenes Cushing-Syndrom) muss die Dosis des Medikaments neu eingestellt werden.

Bei einem Hirnanhangsdrüsentumor kann man mithilfe eines Medikaments mit dem Wirkstoff Trilostan die Cortisol-Produktion in der Nebenniere hemmen. Zu Beginn der Therapie muss hierbei engmaschig die Einstellung mittels ACTH-Stimulationstest überprüft werden, da die nötige Dosis individuell stark schwankt. Auch wenn der Hund dann gut eingestellt ist, müssen lebenslang regelmäßig Kontrollen der Dosis erfolgen. Außerdem bieten hochspezialisierte Tierarztpraxen die Entfernung der Hirnanhangsdrüse an. Dies ist jedoch ein sehr anspruchsvoller chirurgischer Eingriff. Nach der Operation müssen unter Umständen körpereigene Hormone künstlich ersetzt werden, da die Hirnanhangsdrüse einen starken Einfluss auf den Hormonhaushalt des gesamten Körpers hat. Des Weiteren ist es auch möglich, Tumore der Hirnanhangsdrüse zu bestrahlen.

Bei einem Tumor der Nebenniere (=AT-Cushing-Syndrom) ist eine operative Entfernung der Nebenniere (=Adrenalektomie) möglich. Dieser Eingriff ist ebenfalls chirurgisch anspruchsvoll und sollte von einer spezialisierten Tierarztpraxis durchgeführt werden. Außerdem muss zuvor abgeklärt werden, ob der Tumor gut zu entfernen ist und ob es schon zu einer Streuung (=Metastasierung) gekommen ist. Dazu werden CT- oder MRT-Untersuchungen durchgeführt.

Das genaue Vorgehen im Fall deines Hundes bespricht deine Tierarztpraxis mit dir.

Prognose

Wird ein Cushing-Syndrom frühzeitig diagnostiziert und behandelt, ist die Prognose gut, auch wenn nicht immer eine Heilung möglich ist. Nach Einleitung der geeigneten Therapie sollten die Hunde engmaschig kontrolliert werden, um den Hormonhaushalt zu überprüfen und gegebenenfalls die Dosis von Medikamenten anzupassen. Eine gefürchtete Komplikation der Behandlung ist der Morbus Addison (siehe entsprechender Artikel), welcher durch einen Mangel an Cortisol hervorgerufen wird. Bei an Morbus Cushing erkrankten Hunden sollten lebenslang alle drei bis sechs Monate Kontrolluntersuchen durchgeführt werden, da Rezidive (=erneutes Auftreten der Erkrankung) und Perioden einer Überdosierung an Medikamenten häufig auftreten.

Prophylaxe

Der regelmäßige Check-up bei deiner Tierarztpraxis, in Kombination mit Blut- und Harnkontrollen, bietet die Möglichkeit den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes gut einzuschätzen. So kann auch ein Morbus Cushing frühzeitig erkannt werden. Bei älteren Hunden, insbesondere von betroffenen Rassen, kann auch ein Ultraschall des Bauchraumes im Rahmen der Vorsorge empfehlenswert sein.