Das trockene Auge - was sind die Folgen?

Die Keratokonjunktivitis sicca wird auch als trockenes Auge bezeichnet und beschreibt eine Horn- und Bindehautentzündung, die durch zu geringe oder ganz fehlende Tränenflüssigkeit entsteht und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann.

INHALT
Anatomie, Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Anatomie, Ursache und Entstehung

Beim Hund sind zwei verschiedene Drüsen für die Produktion des Tränenfilms zuständig, wovon die eine nicht sichtbar im oberen Bereich der Augenhöhle liegt. Eine zweite Drüse findet sich im dritten Augenlid des Hundes, der sogenannten Nickhaut. Die Tränenflüssigkeit setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die durch den Lidschlag zu einem gleichmäßigen Tränenfilm über dem Auge verteilt werden. Die verschiedenen Bestandteile der Tränenflüssigkeit schützen das Auge, befreien es von Schmutz, Staub und Infektionserregern und ernähren die Hornhaut.

Die Keratokonjunktivitis sicca wird durch eine mangelhafte oder fehlende Produktion von Tränenflüssigkeit hervorgerufen, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Bei Verletzungen oder Schädigungen einer dieser beiden Drüsen durch Infektionskrankheiten, Giftstoffe, Medikamente oder Vitaminmangel wird die Produktion der Tränenflüssigkeit gestört, so dass das Auge nicht mehr ausreichend gespült und gereinigt werden kann. Insbesondere kleine Hunderassen wie etwa Yorkshire Terrier, Beagle, Zwergschnauzer, Pekinese, Lhasa Apso oder Cocker Spaniel sind genetisch prädisponiert, an einer KCS zu erkranken. Beim West Highland White Terrier wurde eine familiäre Häufung wissenschaftlich nachgewiesen. In vielen Fällen führen Fehlfunktionen des körpereigenen Immunsystems zu einer kontinuierlichen Zerstörung der Tränendrüsen und lösen so eine KCS aus. Man spricht von einer Autoimmunerkrankung, da sich das Abwehrsystem gegen körpereigene Zellen richtet.

Symptome

Häufig sind beide Augen betroffen, wobei die Erkrankung gelegentlich auch nur einseitig vorkommen kann. Durch die fehlende Tränenflüssigkeit trocknet das Auge aus. Die betroffenen Tiere zeigen zu Beginn daher meist nur ein vermehrtes Blinzeln. Im weiteren Verlauf kommt es zu geröteten und entzündlich verdickten Bindehäuten mit gräulich-zähem Augenausfluss. Im Gegensatz zu einer normalen Bindehautentzündung ist die KCS für den Hund äußerst schmerzhaft, weswegen die Augenlider oft zusammengekniffen werden.

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es durch den fehlenden Schutz des Auges vor Schleim, Schmutz und Bakterien zu einer schmerzhaften Entzündung der Hornhaut, die dadurch stumpf und uneben wird. Durch das Einwachsen von Blutgefäßen und die daraus folgenden Ablagerungen von Pigmenten und Entzündungszellen schreitet die Trübung der Hornhaut weiter fort, bis es schließlich zur Erblindung kommt. Das Auge ist insgesamt geschwollen, es bildet sich dick-schleimiger bis eitriger Ausfluss und die Tiere leiden unter Juckreiz. Wird das Auge nicht rechtzeitig behandelt, können sich Hornhautgeschwüre entwickeln, die im schlimmsten Fall zu einem Durchbruch der vorderen Augenkammer führen.

Durch den Tränen-Nasen-Kanal kann Tränenflüssigkeit über die Nase abfließen, weswegen bei einer KCS häufig auch das gleichseitige Nasenloch betroffener Tiere trocken und verkrustet erscheint.

Hund mit trockenen Augen
Auch der Cavalier King Charles Spaniel zählt zu den häufig betroffenen Rassen einer KCS
Diagnose

Nach einer eingehenden klinischen Untersuchung und der Erfassung des Vorberichtes kann der behandelnde Tierarzt meist schon eine Verdachtsdiagnose stellen. Um die Erkrankung jedoch von anderen entzündlichen Veränderungen am Auge abzugrenzen, ist eine spezielle Untersuchung des Auges notwendig. Der behandelnde Tierarzt kann unter anderem mit Hilfe des einfachen und für das Tier absolut schmerzfreien Schirmer-Tränen-Tests die Menge der Tränenflüssigkeit bestimmen. Wichtig hierbei ist, dass das Auge zuvor nicht mit anderen Medikamenten behandelt wurde. Zur Durchführung des Tests wird ein spezieller Teststreifen in das untere Augenlid gelegt und nach einer Minute die Benetzung mit Tränenflüssigkeit auf einer Skala abgelesen. Die Menge der Tränenflüssigkeit gibt zuverlässig an, ob es sich um ein „trockenes Auge“ handelt oder nicht.

Behandlung

Die Therapie der KCS muss lebenslang und konsequent durchgeführt werden, da die Erkrankung selbst nicht heilbar ist.

In erster Instanz werden die Symptome der akuten Entzündung behandelt. Hierfür wird der Tierarzt je nach Ausmaß der Veränderungen und bakterieller Beteiligung entzündungshemmende und antibiotische Augensalben oder -tropfen einsetzen. Nach Abheilung der Entzündung wird diese Therapie wieder abgesetzt.

Zur medikamentöse Dauertherapie gehören künstliche Tränenflüssigkeit, die das Auge säubert und feucht hält, sowie Präparate, die die körpereigene Tränenproduktion anregen und das überreagierende Immunsystem bremsen. Der fortschreitenden Zerstörung der Tränendrüsen kann so entgegengewirkt werden.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die operative Verlegung des Ausführungsganges der Ohrspeicheldrüse in die Bindehaut des erkrankten Auges. Diese Operationsmethode ist nicht einfach und daher Spezialisten vorbehalten. Sie wird unter dem Augenmikroskop durchgeführt und insbesondere bei schnell fortschreitenden Erkrankungen, die auf eine medikamentöse Therapie nicht ansprechend eingesetzt. Nachteil der Operation ist, dass der Speichel zu viel Kalzium enthält, welches zu Reizungen der Hornhaut führt. Außerdem kommt es zu ständigem Tränenfluss, wenn der Hund auf sein Fressen wartet.

Prognose

Da die Erkrankung nicht heilbar ist, sind die Heilungsaussichten ungünstig. Mit einer entsprechenden konsequenten Dauertherapie kann der Erkrankungsverlauf jedoch verzögert und dem Tier noch ein lebenswertes Leben ermöglicht werden.

Prophylaxe

Aufgrund der genetischen und autoimmun bedingten Ursachen der KCS kann dieser Erkrankung kaum vorgebeugt werden.

Durch Schaffung optimaler Umgebungsbedingungen kann jedoch dafür gesorgt werden, dass sich bestehende Erkrankungen nicht unnötig verschlimmern. Dazu gehört ein nicht zu trockenes Raumklima und die Vermeidung von Heizungsluft, Wind, Sonne und Staub.