Kokzidiose - erste Anzeichen richtig erkennen

Die durch Parasiten verursachte Kokzidiose ist eine beim Kaninchen häufig vorkommende Erkrankung. Es werden die Leber- und die Darmkokzidiose unterschieden. Besonders gefährdet sind junge, gestresste oder geschwächte Tiere.

INHALT
Ursache und Übertragung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Übertragung

Der Erreger der Kokzidiose ist ein einzelliger Parasit, der in einer nicht krankmachenden, geringen Anzahl auch beim gesunden Tier vorhanden ist und ausgeschieden wird. Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es jedoch erst, wenn sich die Einzeller aufgrund eines noch mangelhaft ausgebildeten oder geschwächten Immunsystems oder durch Fütterungsfehler übermäßig vermehren können. Die Leber- oder Gallengangskokzidiose wird durch eine bestimmte Kokzidienart hervorgerufen, während die Darmkokzidiose häufig eine Mischinfektion aus vielen verschiedenen Arten von Kokzidien darstellt. Je nach Pathogenität (= krankheitsauslösender Potenz) der einzelnen Arten kommt es zu einer mehr oder weniger starken Ausprägung der Erkrankung.

Die Übertragung des Erregers erfolgt meist bereits während der Aufzucht der Jungtiere über das Muttertier, durch den engen Kontakt zu anderen Kaninchen oder auch durch Kot kontaminiertes Futter oder Wasser. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr in Betrieben mit hohem Tierbesatz und schlechter Hygiene.

Symptome

Je nachdem ob die Leber oder der Darm betroffen sind, treten unterschiedliche Symptome auf. Im Allgemeinen sind die ersten Anzeichen beider Erkrankungsformen meist eine mangelnde Gewichtszunahme bei jungen oder ein Gewichtsverlust bei älteren Kaninchen. Bei der Darmkokzidiose kommt es durch den Befall mit Kokzidien zu großflächigen Entzündungen der Darmschleimhaut. Die akute Form ist gekennzeichnet durch Verdauungsstörungen mit wässrigem bis blutigem Durchfall, Gasbildung, Apathie und Appetitlosigkeit. Durch den starken Durchfall kann es sehr schnell zu hochgradigen Flüssigkeitsverlusten kommen, die nicht selten lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können. Bei Jungtieren kann die Sterblichkeitsrate bis zu 100% betragen.

Die Leberkokzidiose betrifft meistens ältere Kaninchen und kann bei nur geringgradigem Befall symptomlos verlaufen. Bei stärkerem Befall kommt es zu schweren Entzündungen der Gallengänge und des Lebergewebes. Durch auf der Leberoberfläche entstehende Abszesse kommt es zu einer Schwellung der Leber. Die Tiere magern ab, haben stumpfes Fell und zeigen ein hochgradig gestörtes Allgemeinbefinden, jedoch nur selten auch Durchfälle. Weiterhin kann es zu Bauchwassersucht, Gelbsucht, Verstopfung und Aufgasung kommen.

Sollten bei deinem Kaninchen eines oder mehrere der oben aufgeführten Symptome auftreten oder bereits aufgetreten sein, such bitte zeitnah einen Tierarzt auf, da die Erkrankung insbesondere bei Jungtieren schnell lebensbedrohlich werden kann! Bitte beachte außerdem, dass sich auch Hunde und Katzen mit Kokzidien infizieren können. Durch Aufnahme von Kaninchenkot kann es auch bei ihnen zu wiederkehrendem Durchfall kommen. Sollten in einem Kaninchen Haushalt also auch Hunde oder Katze leben, sollten diese ebenso auf Kokzidien getestet und falls notwendig behandelt werden.

Diagnose

Der behandelnde Tierarzt wird nach deinem Vorbericht und einer eingehenden klinischen Untersuchung bereits eine Verdachtsdiagnose stellen können. Allerdings treten besonders die Symptome der Darmkokzidiose auch in ähnlicher Weise bei vielen anderen Krankheiten auf.

Um die Diagnose abzusichern sollte der Tierarzt immer auch eine mikroskopische Kotuntersuchung durchführen. Da die Parasiten nicht kontinuierlich ausgeschieden werden, empfiehlt es sich eine Sammelkotprobe von mehreren Tagen beim Tierarzt zur Untersuchung abzugeben.

Kokzidien Oozyste
Kokzidien Oozyste in einer Kotprobe
Behandlung

Die Infektion kann erfolgreich mit Kokzidien abtötenden Präparaten bekämpft werden. Begleitend zur medikamentösen Therapie sind allerdings strenge Reinigungs- und Hygienemaßnahmen im Stall oder Gehege der Tiere durchzuführen und beizubehalten, um zu verhindern, dass sich die Kaninchen beispielsweise durch Fressen des eigenen Kots wieder infizieren. Die sehr widerstandsfähigen Oozysten (= Entwicklungsstadien der Kokzidien) werden durch kochendes Wasser sicher abgetötet.

Um extreme Flüssigkeitsverluste wieder auszugleichen kann der Tierarzt bei Tieren mit anhaltendem Durchfall Elektrolyt-Infusionen und Präparate verabreichen, die die Darmflora stabilisieren. Im Fall gelegentlicher bakterieller Sekundärinfektionen werden diese mit antibiotischen Medikamenten behandelt.

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig vom Alter des Tieres und dem Zeitpunkt der Diagnose. Bei sehr jungen Tieren sind die Heilungsaussichten sehr schlecht, die Todesrate liegt bei fast 100%. Ausgewachsene Tiere, deren Infektion zeitnah und korrekt behandelt wird, haben eine deutlich bessere Prognose.

Prophylaxe

Aufgrund des weit verbreiteten Vorkommens des Erregers lassen sich Infektionen mit Kokzidien nicht komplett verhindern. Mit Hilfe einfacher Haltungs- und Hygienemaßnahmen lässt sich das Risiko der Erkrankung jedoch deutlich einschränken. Insbesondere in größeren Beständen, wie etwa Tierhandlungen oder Tierheimen sollten Futterraufen und Käfige täglich gereinigt und desinfiziert werden. Heu und Grünfutter sollten ausschließlich aus Futterraufen gefüttert werden, damit sie nicht mit der Einstreu in Kontakt kommen.