Kreuzverschlag – richtig vorbeugen und behandeln

Das Wetter ist schön und du machst einen langen Ausritt mit deinem Pferd. Doch schon zu Beginn der ersten Galoppstrecke macht sich dein Pferd plötzlich sehr steif und beginnt ungewöhnlich stark zu schwitzen. Es möchte sich kaum noch bewegen und drückt den Rücken nach unten. Für einen einfachen Muskelkater erscheinen dir diese Anzeichen jedoch zu stark, außerdem hast du doch die letzten Tage gar nichts mit deinem Pferd gemacht. Vermeide jede weitere Bewegung deines Pferdes und verständige in einem solchen Fall immer umgehend deine/n Tierärzt:in. Die beschriebenen Symptome sind sehr schmerzhaft und können erste Anzeichen eines Kreuzverschlages sein.

INHALT
Entstehung und Ursache Symptome und Diagnose Therapie Prognose Prophylaxe
Entstehung und Ursache

Es handelt sich beim Kreuzverschlag um eine Stoffwechselstörung. In längeren Ruhephasen mit kohlenhydratreicher Fütterung wird in der Muskultur des Pferdes eine Energiereserve gebildet, das Glykogen. Beginnst du dein Pferd jetzt wieder zu bewegen, wird das Glykogen durch die Muskelarbeit mit Hilfe von Sauerstoff abgebaut. Liegt zu viel Glykogen vor, kann nicht genügend Sauerstoff zum Abbau bereitgestellt werden und Abbauprodukte wie Laktat (=Milchsäure) reichern sich im Muskel an. Diese Anreicherung wird bei kühlen Außentemperaturen durch die entstehende Mangeldurchblutung noch verstärkt, da weniger Laktat abtransportiert werden kann. Die Muskulatur übersäuert und verkrampft. Im weiteren Verlauf kann es zur Zerstörung der Muskelzellen und Austritt des Muskeleiweißes Myoglobin kommen.

Da diese Muskelerkrankung gehäuft auftritt, nachdem Pferde ein oder mehrere Tage bei gleichbleibender Futterration nicht gearbeitet wurden, ist sie auch unter dem Namen „Feiertagskrankheit“ oder „Monday Morning Disease“ bekannt. Allerdings können auch regelmäßig gearbeitete Pferde erkranken. Eine besondere Gefährdung besteht für Jungpferde schwerer Rassen. Zu Zeiten schwer arbeitender Kutsch- und Arbeitspferde war diese Krankheit sehr gefürchtet. Heute tritt sie nur noch vereinzelt, meist bei leichtfuttrigen Pferden mit gutem Ernährungszustand, auf.

Symptome und Diagnose

Erste Symptome treten bei typischen Verlaufsformen in der ersten viertel Stunde nach Aufnahme der Bewegung auf. Das Pferd beginnt zu zittern, zu schwitzen und zeigt einen steifen Gang oder bewegt sich gar nicht mehr. Der Rücken wird durchgedrückt, die Vorderbeine werden nach vorne, die Hinterbeine weit nach hinten herausgestellt. Diese "Sägebockstellung" ist charakteristisch für den Kreuzverschlag. Wird die Bewegung nicht sofort unterbunden, kann es zum Einknicken in der Hinterhand und zum Sturz des Pferdes kommen. Bei Herzmuskelbeteiligung können eine erhöhte Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Rücken-, Kruppen- und Oberschenkelmuskulatur ist stark verhärtet und schmerzhaft. Ein weiteres sehr auffälliges Symptom ist die bräunliche Verfärbung des Urins, die durch den Abbau des Myoglobins entsteht.

Die Erkrankung ist äußerst schmerzhaft für das Pferd und bedarf unmittelbarer tierärztlicher Behandlung.

Neben der Beurteilung der typischen Symptome stellt die Blutuntersuchung die beste Möglichkeit für deine/n Tierärzt:in dar, die Diagnose zu bestätigen.

Schema Pferd Muskulatur Rücken, Kruppe, Oberschenkel
1 Großer Rückenmuskel | 2 Lumbodorsale Faszie | 3 Oberschenkelfaszienspanner | 4 Oberflächlicher Kruppenmuskel | 5 Halbsehniger Muskel | 6 Zweiköpfiger Oberschenkelmuskel | 7 Oberschenkelfaszie
Therapie

Die wichtigste Sofortmaßnahme ist die unmittelbare Unterbindung jeglicher Bewegung des betroffenen Pferdes, um eine Verschlechterung des Zustandes zu verhindern. Die Muskulatur kann durch Eindecken und Einmassieren von Einreibungen zur verbesserten Durchblutung angeregt werden. So werden die Sauerstoffzufuhr und der Abtransport schädlicher Stoffe unterstützt.

Durch die tierärztliche Behandlung wird versucht eine weitere Muskelschädigung zu verhindern. Dazu werden Stoffwechsel und Nierenfunktion durch Flüssigkeitszufuhr mittels Infusion stabilisiert. Schmerzlindernde und krampflösende Mittel können ebenfalls zum Einsatz kommen. Das genaue Vorgehen entscheidet dein/e Tierärzt:in im Einzelfall. Erst wenn dein Pferd sich wieder in völliger Ruhe befindet, kann es vorsichtig in den Stall geführt oder transportiert werden.

Prognose

Inwieweit es zur kompletten Ausheilung kommt, hängt stark vom Grad und Ausmaß der Erkrankung und insbesondere davon ab, ob die Bewegung des Pferdes beim Auftreten der ersten Symptome sofort abgebrochen wurde. In leichten Fällen und bei sofortiger Behandlung kann schon nach zwölf bis 24 Stunden mit einer kompletten Symptomfreiheit ohne Folgeschäden gerechnet werden. Selbst wenn das Pferd liegt, nach Behandlung am zweiten oder dritten Tag jedoch allein oder mit Hilfe aufzustehen vermag, besteht eine gute Heilungschance. Ist es zu größeren Muskelschäden gekommen, kann sich die Heilungsphase deutlich in die Länge ziehen. Dabei sind auch unvollständige Heilungen mit Spätfolgen in Form von Muskelatrophien (=Muskelschwund) und Dauerlahmheit möglich. Betroffene Pferde neigen dazu, erneut zu erkranken.

Im äußerst schweren Fall, wenn auch nach drei Tagen keine Aufstehversuche unternommen werden, sind die Aussichten auf eine Heilung sehr ungünstig, da bereits ein zu großer Teil der Muskulatur irreparabel geschädigt wurde.

Prophylaxe

Die Häufigkeit der Erkrankung ist durch verbesserte Haltung- und Trainingsbedingungen schon deutlich zurück gegangen. Nichtsdestotrotz sind bestimmte Faktoren bekannt, die die Entstehung eines Kreuzverschlages begünstigen. Was kannst du als Pferdebesitzer:in also tun, um diese Faktoren abzustellen?

Grundlage einer guten Vorsorge ist die bedarfsgerechte Fütterung mit ausreichend Raufutter, die bei täglich wechselnder Belastung dieser immer angepasst werden sollte. Sorge dafür, dass dein Pferd täglich gleichmäßig bewegt wird. Sollte dies doch mal nicht funktionieren, reduziere die Kraftfutterration. Verlange deinem Pferd keinen Marathon ab, wenn es vorher eine längere Trainingspause hatte. Achte immer auf eine ausreichende Aufwärmphase. Steigere die Arbeit nur langsam, damit du mit deinem Partner Pferd den nächsten Ausritt unbeschwert genießen kannst!