Mykoplasmose der Ratte - wie äußert sich diese Erkrankung?

Die Mykoplasmose ist die häufigste Atemwegserkrankung der Ratte. Diese auch als Murine respiratory mycoplasmosis (MRM) bezeichnete Erkrankung wird durch ein bei Heimtierratten sehr verbreitetes Bakterium hervorgerufen und verläuft chronisch fortschreitend.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Entstehung

Der Erreger der Mykoplasmose ist ein sehr kleines Bakterium mit dem Namen Mycoplasma pulmonis. Ein Großteil unserer Heimtierratten tragen diesen Erreger ins sich, ohne dass es zu Krankheitsausbrüchen kommt. Die Übertragung des Erregers erfolgt meist schon im Mutterleib während der Tragezeit, aber auch über direkten Kontakt, über Tröpfcheninfektion oder auch eine unspezifische Infektion des Menschen ist eine Ansteckung möglich.

Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es jedoch meist erst sehr viel später. Auslösende Faktoren hierfür können ungeeignete Haltungsbedingungen, andere Grunderkrankungen, Fütterungsfehler, oder Stress sein. Alle diese Faktoren führen zu einer Schwächung des natürlichen Abwehrsystems, so dass sich die Mykoplasmen übermäßig vermehren können.

Außerhalb des Organismus ist der Erreger eher instabil und bleibt besonders bei Trockenheit nur sehr kurze Zeit ansteckungsfähig.

Symptome

Die Erreger siedeln sich im Organismus vor allem im Bereich des Nasenrachenraumes und im Mittelohr an, wo sie durch Stoffwechselabbauprodukte zu Zellwandschädigungen der Schleimhäute führen. Die anfänglichen Symptome sind daher vorerst auf die oberen Atemwege beschränkt und eher unspezifisch. Die betroffenen Ratten schniefen und niesen auffällig viel und zeigen wässrigen Nasenausfluss.

Bei Fortschreiten der Erkrankung werden auch die unteren Atemwege befallen, was zu rasselnden Atemgeräuschen, Atemnot und einer deutlichen Störung des Allgemeinbefindens führt. Der natürliche Putztrieb der Tiere ist eingeschränkt, das Fell beginnt stumpf und struppig auszusehen und im inneren Augenwinkel kann sich das orange-rötliche Sekret der Harderschen Drüse (= zusätzliche Drüse in der Nickhaut der Ratte) ansammeln und verkleben. Die Tiere beginnen weniger zu fressen und magern ab.

Bei Besiedlung des Ohres kann eine Mittelohrentzündung auftreten, die Kopfschiefhaltung und Koordinationsstörungen zur Folge hat. Auch eine genitale Form der Mykoplasmose kann vorkommen. Die Infektion der weiblichen Geschlechtsorgane führt zu schweren Entzündungen sowie nachfolgenden Aborten.

Abgemagerte Ratte
Bei Ratten mit schlechtem Allgemeinzustand sollte an eine Mykoplasmose gedacht werden
Diagnose

Eine Mykoplasmose bei der Ratte zweifelsfrei nachzuweisen ist für den Tierarzt nicht immer einfach, da sich der Erreger nur schwer im Labor anzüchten lässt und außerdem auch bei den meisten gesunden Tieren im Nasenrachenraum vorkommt. Eine sichere Nachweismethode existiert daher nicht. Der behandelnde Tierarzt muss die Diagnose daher vorrangig anhand seiner eingehenden klinischen Untersuchung und eines ausführlichen Vorberichts des Besitzers stellen. Bei bestehender Lungenproblematik kann die Diagnose mit Hilfe von Röntgenaufnahmen abgesichert werden. Bei einer Mykoplasmose sind häufig nur einzelne Lungenlappen verdichtet.

Behandlung

Da der Erreger nicht genau nachgewiesen werden kann, muss der Tierarzt die Therapie mit einem empfohlenen Antibiotikum beginnen. Schlägt das Medikament nicht an, muss auf einen anderen Wirkstoff gewechselt werden. Doch selbst bei einem Behandlungserfolg werden durch das Antibiotikum nicht alle Mykoplasmen beseitigt und das Tier bleibt weiterhin Träger. Weiterhin können das Immunsystem anregende Medikamente, die Inhalation und spezielle Vitaminpräparate zum Einsatz kommen, die den Heilungsprozess unterstützen.

WICHTIG: Bitte verabreiche nicht selbstständig Vitaminpräparate, da diese in falscher Dosierung bei deiner Ratte mehr Schaden als Nutzen anrichten können!

Begleitend zur antibiotischen Behandlung muss immer auch die Haltung und Fütterung des Tieres optimiert werden. Auslösende Faktoren aus diesem Bereich müssen abgestellt werden, da es sonst leicht zu Rückfällen kommen kann.

Prognose

Die Prognose hängt vom Zeitpunkt der Diagnose und vom Ausmaß der Erkrankung ab. Bei bereits stark geschädigten Bronchien und Beteiligung der Lunge mit hochgradiger Atemnot, besteht eine schlechte Prognose. Auch bei leichten Erkrankungsformen kann nur eine vorsichtige Prognose gestellt werden. Trotz erfolgreicher Behandlung bleiben die Tiere Träger des Erregers und können Rückfälle erleiden.

Prophylaxe

Durch das weit verbreitete Vorkommen des Erregers kann das Vorkommen der Erkrankung nicht vollständig verhindert werden. Mit Hilfe einfacher Maßnahmen kann das Risiko zu erkranken jedoch deutlich minimiert werden. Zu diesen Maßnahmen gehören eine optimierte und artgerechte Haltung und Fütterung, Sauberkeit und Hygiene und die Vermeidung von Stress. Die Haltung von vielen Tieren auf engem Raum, Transporte und Temperaturschwankungen sollten daher so gut wie möglich vermieden werden.