Schlundverstopfung – immer ein Notfall

Bleiben Futterbestandteile oder Fremdkörper in der Speiseröhre des Pferdes stecken, verkrampft sich die umliegende Muskulatur und es entsteht eine Schlundverstopfung. Aufgrund der Gefahr einer Lungenentzündung durch Einatmen von Futterresten ist eine Schlundverstopfung immer ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofortige tierärztliche Behandlung erfordert.

INHALT
Ursachen Symptome Behandlung Prophylaxe
Ursachen

Vor allem Pferde, die sehr gierig sind und ihr Futter stark schlingen, sind betroffen. Reste von hektisch verspeistem Futter, klein geschnittene Möhrenstücke oder nicht vorgequollene Rübenschnitzel können im Schlund stecken bleiben. Die Speiseröhre des Pferdes ist ein langer muskulöser Schlauch, der über Muskelkontraktionen den Speisebrei vom Kehlkopf zum Magen transportiert. Bleibt hier ein zu hastig hinuntergeschlungenes Stück Futter stecken, arbeitet die Muskulatur noch stärker, um diesen Brocken weiterzubewegen. Dabei kommt es zu einer starken Verkrampfung der Muskulatur, wodurch ein Verschluss der Speiseröhre entsteht. Drückt dieser Futterbrocken auf die Luftröhre, hustet das Pferd zusätzlich.

Symptome

Erste Symptome einer Schlundverstopfung sind Kopfschlagen, starkes Speicheln und Husten. Das Pferd streckt den Hals nach unten und aus Maul und Nüstern treten zum Teil große Mengen von mit Futteresten vermischtem, schaumigem Speichel aus. Bei längerem Bestehen der Schlundverstopfung kommen Kreislaufprobleme, eine erhöhte Atemfrequenz und verstärktes Schwitzen hinzu. Es besteht die Gefahr, dass Futterreste mit dem Speichel in die Atemwege gelangen und dadurch eine lebensgefährliche Aspirationspneumonie (=Lungenentzündung durch Einatmen von Futterresten) verursachen.

Typische Warnsignale einer Schlundverstopfung sind zusammengefasst die folgenden:

  • Austreten von mit Futteresten vermischtem Speichel aus Maul und/oder Nüstern
  • Verkrampfte, getreckte Kopf-Hals-Haltung
  • Kopfschlagen, Scharren mit den Hufen
  • Würgegeräusche, Husten
  • Futterverweigerung
  • Unruhe, Nervosität, Panik
  • Erhöhte Atemfrequenz
  • Schwitzen

Schlundverstopfung Pferd Sunny
Behandlung

Bei Verdacht auf Schlundverstopfung muss immer umgehend ein/e Tierärzt:in gerufen werden, der/die diese korrekt behandeln kann. Bis zum Eintreffen des/der Tierärzt:in kann dein Pferd vorsichtig im Schritt bewegt werden, wenn es dies zulässt.

Nach eingehender tierärztlicher Untersuchung und Diagnosestellung kann neben der medikamentösen Therapie eine Untersuchung mittels Nasenschlundsonde zur Überprüfung der Durchgängigkeit der Speiseröhre notwendig sein. Vor Einführen der Sonde werden krampflösende und schmerzstillende Medikamente verabreicht, um eine erste Entspannung der Muskulatur zu erzielen. Eine leichte Sedierung trägt ebenfalls zur Beruhigung des Pferdes bei und erleichtert dem/der Tierärzt:in das Einführen der Nasenschlundsonde, über die eine Spülung der Speiseröhre möglich ist. Der/die Tierärzt:in versucht damit, den feststeckenden Nahrungsbrei aufzulösen und weiter in den Magen zu transportieren. Gelingt dies nicht, muss dein Pferd sofort in eine Klinik gebracht werden. Dort kann die Schlundverstopfung im Notfall operativ beseitigt und dein Pferd im Nachhinein intensiv versorgt werden.

Schieben einer Nasenschlundsonde bei Pferd
Mit Hilfe einer Nasenschlundsonde wird die Speiseröhre gespült
Prophylaxe

Wenn du weißt, dass dein Pferd sein Futter stark schlingt, dosiere es noch bewusster und achte auf folgende Hinweise, um das Risiko einer Schlundverstopfung zu minimieren:

  • Ausschließlich speziell für Pferde entwickeltes Futter und Leckerlis verwenden
  • Raufutter immer vor Kraftfutter füttern
  • Nur gut eingeweichte Rübenschnitzel füttern
  • Weiden mit Schildern versehen, um unkontrollierte Fütterung zu verhindern
  • Für Ruhe bei der Fütterung sorgen, Futterneid vermeiden
  • Möhren, Äpfel und anderes Obst oder Gemüse NICHT in Stücke schneiden, sondern im Ganzen verfüttern

Solltest du den Verdacht haben, dass dein Pferd aus medizinischen Gründen ein ungewöhnliches Fressverhalten zeigt, sprich bitte unbedingt mit deinem/deiner Tierärzt:in und lass dein Pferd von ihm/ihr untersuchen.