Wie erkenne ich eine Vergiftung bei meinem Pferd

Die Gefahr kann überall lauern, ob am Wegesrand, in Wäldern oder gar auf der eigenen Weide. Giftpflanzen zu fressen kann für ein Pferd tödlich enden. Doch Pflanzen sind nicht die einzige Gefahrenquelle, wenn es um Vergiftungen geht.

INHALT
Erkennen, wenn etwas nicht stimmt Erstmaßnahmen bei einer Vergiftung Wie wird eine Vergiftung behandelt Vorsorge ist besser als Nachsorge
Erkennen, wenn etwas nicht stimmt

Es ist wichtig, schnell zu erkennen, wenn sich dein Pferd vergiftet hat. Diese Symptome können auf eine Vergiftung hinweisen:

  • Vermehrtes Speicheln
  • Erweiterte Pupillen
  • Schleimhautveränderungen (gräulich oder pinke Verfärbung)
  • Unruhe, leichte Erregbarkeit
  • Verhaltensveränderung (sehr schreckhaft oder apathisch)
  • Schwitzen
  • Krämpfe
  • Zittern
  • Schiefe Halshaltung
  • Kreislaufversagen / Schock
  • Lähmungen
  • Durchfall
  • Kolik
  • Gefärbter Harn
  • Blut im Kot
  • Atemprobleme
  • Veränderte Körpertemperatur
  • Ödeme / Schwellungen

Kontaktiere bei einer akuten Vergiftung unbedingt deine/n Tierärzt:in. Informiere ihn/sie darüber, was dein Pferd genau gefressen hat. Vielleicht kannst du ihm/ihr die Pflanze oder den Giftstoff sogar zeigen.

Folgende Symptome können auf eine chronische Vergiftung (=niedrige Dosis über einen längeren Zeitraum) hinweisen:

  • Abmagerung
  • Hufrehe
  • Verhaltensveränderung
  • Hautveränderung
  • Haarausfall
  • Blasse Schleimhäute

Erstmaßnahmen bei einer Vergiftung

Bei einer akuten Vergiftung muss schnell gehandelt werden. Du solltest dein Pferd stabil halten. Dies bedeutet vor allem: keinen körperlichen Stress und keine Anstrengung mehr. Bist du gerade unterwegs auf einem Ausritt, solltest du unbedingt versuchen, dein Pferd mit dem Pferdeanhänger abholen zu lassen.

Auch sonst ist Ruhe erst einmal das Beste. Das Pferd darf viel trinken, aber nichts mehr fressen, bis dein/e Tierärzt:in, der/die sofort gerufen werden muss, sich ein Bild machen konnte. Eventuell kannst du nach telefonischer Absprache mit deinem/deiner Tierärzt:in Aktivkohle füttern. Im besten Fall befindet diese sich in deiner Notfall-Stallapotheke.

Versuche, den Kreislauf deines Pferdes stabil zu halten, gegebenenfalls mit kühlen Wickeln um die Beine, einem kalten Lappen im Genick oder um die Brust. Zittert und friert dein Pferd, hülle es auch im Sommer ruhig gut mit Decken ein. Wenn es nicht trinken will, versuche es mit Traubenzucker im Wasser, um es zur Wasseraufnahme zu animieren.

Bei hochgiftigen Stoffen darfst du das Maul deines Pferdes ausspülen und seine Nüstern säubern. Ein Weidepferd, das in der prallen Sonne steht, sollte in den Schatten gebracht werden. Sorge dafür, dass dein Pferd geschützt ist und Ruhe hat.

Zeigt es stark juckende Hautirritationen, kühle diese bis zum Eintreffen deines Tierarztes / deiner Tierärztin. Damit dein/e Tierärzt:in die Ursache der Vergiftung schnell bestimmen und die entsprechende Behandlung starten kann, sei auf folgende Fragen vorbereitet,:

  • Wann traten die Vergiftungserscheinungen auf?
  • Wann wurde das Gift gefressen und, falls bekannt, was?
  • Wie viel wurde gefressen?
  • Alter, Größe, Geschlecht des Pferdes
  • Sind Medikamente oder eine Wurmkur verabreicht worden?
  • Wurden neue Futtermittel gegeben?
  • Hat das Pferd aktuell den Stall oder die Weide gewechselt?
  • Hat das Pferd Zierpflanzen gefressen?
  • Ist es in Kontakt mit Spritzmitteln oder Pestiziden gekommen?
  • Wurde im Stall umgebaut und kam das Pferd womöglich mit Baumaterialien in Kontakt?
  • Durch welche Leitungen fließt das Trinkwasser im Stall (Bleirohre)?
  • Konnte das Pferd Kernobst fressen (beispielsweise Pflaumen, Aprikosen)?
  • Konnte das Pferd Samen oder Blätter eines giftigen Baumes fressen?

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Wie wird eine Vergiftung behandelt

Grundsätzlich gilt es, den Giftstoff aus dem Körper zu bekommen, den Kreislauf des Pferdes stabil zu halten und zu verhindern, dass es zu Organproblemen oder gar Organversagen kommt.

Schmerzmittel, Kreislaufmittel, Infusionen zum Entwässern, Leberschutz, Unterstützung für die Atemwege, möglicherweise Beruhigungsmittel – all das kann zum Einsatz kommen, damit das Pferd stabilisiert und das Schlimmste abgewendet wird.

Du solltest dein Pferd im akuten Fall unter strenger Beobachtung halten. Es wird dich brauchen, auch emotional, denn bei einer Vergiftung kann es zu Kontrollverlusten kommen, die ihm große Angst machen können. Sei stark und begleite dein Pferd in dieser Krise.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Damit es gar nicht erst zu einer Vergiftung kommen kann, solltest du entsprechend vorsorgen. Bringe alles Giftige außer Reichweite deines Pferdes. Equipment und Stall sollten auf Vergiftungsquellen hin untersucht und entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Pferde ergriffen werden.

Als Pferdehalter:in ist es wichtig, giftige Pflanzen zu kennen und auch zu erkennen. Dies sind beispielsweise: Adlerfarn, Bingelkraut, Bilsenkraut, Buchsbaum, Efeu, Eibe, Ginster, Goldregen, Herbstzeitlose, Jakobskreuzkraut, Liguster, Robinie, Sumpfdotterblume, Sumpfschachtelhalm und Tollkirsche. Suche Auslauf und Weidefläche nach Giftpflanzen ab und entferne diese. Prüfe auch das Heu regelmäßig auf Giftpflanzen wie Herbstzeitlose oder Jakobskreuzkraut. Wenn du dich in der Pflanzenwelt nicht gut auskennst, nutze am besten eine App zur Pflanzenbestimmung, wie beispielsweise Flora Incognita (https://floraincognita.de) und entsprechende Bücher oder Internetseiten über Giftpflanzen. Bei einem Ausritt solltest du dein Pferd kein unbekanntes Kraut fressen lassen.