Du wirst in den Stall gerufen, weil sich dein Pferd kaum noch bewegen mag. Es steht in der Box oder auf der Weide und versucht durch extreme Lastaufnahme der Hinterhand und Vorstellen der Vorderbeine die Vorderhufe zu entlasten. Diese charakteristische Stellung ist vielen Pferdebesitzern bekannt und viel Zweifel an der Diagnose gibt es nicht. Dein Pferd leidet an einer akuten Hufrehe. Diese gehört zu den schmerzhaftesten Erkrankungen des Pferdes und fordert neben der Kolik die meisten Todesfälle unter den Pferden. Hufrehe ist immer als Notfall einzustufen und die Behandlung durch einen Tierarzt ist unabdingbar.
Was passiert bei einer Hufrehe? Schon der Name deutet an, dass diese Erkrankung schwierig zu erforschen war und immer noch ist, denn "Rehe" kommt aus dem Altdeutschen und steht für "steife Glieder". Diese Steifheit wird durch eine sehr schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut hervorgerufen. Die Huflederhaut ist das Verbindungsglied zwischen dem knöchernen Hufbein und der Hornkapsel und nennt sich auch Hufbeinträger. Dieser Träger muss extremen Belastungen Stand halten und besteht daher aus sich ineinander verzahnenden Lamellen. Wie eine Art Reißverschluss hält er beide Seiten zusammen. In der Frühphase der Hufrehe kommt es hier zu einer Durchblutungsstörung wodurch die einzelnen Lamellen nicht mehr ausreichend versorgt werden, sich entzünden und voneinander lösen. Bedingt durch vermehrte Wassereinlagerungen (=Ödeme) schwillt die Huflederhaut an. Begrenzt durch die starre Hornkapsel auf der einen und das knöcherne Hufbein auf der anderen Seite kann sich diese Schwellung im Huf nicht ausbreiten, weswegen es zu starken Schmerzen kommt. Im weiteren Verlauf kann es durch die Zerstörung des Aufhängeapparats zum Absinken und durch den Zug der tiefen Beugesehne in Folge auch zum Drehen des Hufbeins kommen. In sehr schweren Fällen bricht die Hufbeinspitze durch die Hufsohle durch. Das komplette Ablösen der Hufkapsel, auch als Ausschuhen bezeichnet, wird als das Endstadium der Hufrehe angesehen.
Erste für den Besitzer erkennbare Symptome sind meist der klamme, steife Gang des betroffenen Tieres, ein Wende- oder Drehschmerz, ein warmer Huf oder eine leichte Schwellung des Kronrandes. Bezeichnend ist sehr oft die Entlastungshaltung, die erkrankte Pferde einnehmen. In seltenen Fällen sind alle vier Hufe betroffen, äußerst selten nur die Hinterhufe. Sind, wie in den meisten Fällen, nur die Vorderhufe betroffen, wird das Pferd die Hinterbeine möglichst weit unter den Körper stellen, um das Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern und die Vorderbeine zu entlasten. Diese werden dabei soweit es geht nach vorne gestellt. In der Bewegung versucht das Pferd mit dem hinteren Teil des Hufes zuerst aufzufußen. Diese sogenannte Trachtenfußung ist auch ein typisches Symptom für Hufrehe.
Solltest du eines oder mehrere dieser Symptome bei deinem Pferd feststellen, ruf bitte immer umgehend den Tierarzt. Je schneller die Behandlung eingeleitet werden kann, desto besser kann man das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen. Durch die eingehende klinische Untersuchung des Tierarztes werden weitere typische Befunde erhoben, wie etwa eine diffuse Druckempfindlichkeit der Hufsohle und eine vermehrte Pulsation der Zehenarterie, die am hinteren Rand des Fesselkopfes zu fühlen ist. Um den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen, ist es unverzichtbar eine Röntgenuntersuchung durchzuführen. Sie gibt Aufschluss über eine eventuelle Absenkung oder Rotation (=Drehung) des Hufbeins und wichtige Hinweise für die weitere Behandlung und Bearbeitung des Hufes.
Die chronische Rehe geht aus der akuten Rehe hervor und ist, wenn nicht im akuten Stadium bereits erkannt, weitaus schwieriger zu diagnostizieren, da sie oft nur an einem veränderten Gangbild des Pferdes zu erkennen ist. Röntgenologisch ist das chronische Stadium ab dem Zeitpunkt festzumachen, an dem Lageveränderungen des Hufbeins in der Hufkapsel zu erkennen sind. Ein weiteres Merkmal der chronischen Hufrehe kann der eventuell auftretende "Rehehuf" sein. Dieser ist gekennzeichnet durch eine verbreiterte weiße Linie, eine vorgewölbte Sohle, erhöhte Trachten sowie die konkave Verformung der Hufwand. Man spricht auch von einem Umformungs- oder Knollhuf.
Bis heute sind die Ursachen der Hufrehe nicht in allen Einzelheiten geklärt. Bekannt sind allerdings verschiedene Risikofaktoren, nach denen mehrere Arten von Rehe unterschieden werden können. Durch Überbelastung einer oder mehrerer Gliedmaßen kann eine Belastungsrehe entstehen. Dies kann beispielsweise durch Mehrbelastung einer Gliedmaße nach einer starken Lahmheit der Fall sein. Die Fütterungsrehe hingegen wird durch die Aufnahme von zu hohen Mengen an Kohlenhydraten verursacht. Dieser Kohlenhydratüberschuss führt zu einer Veränderung der Bakterienflora im Darm wodurch vermehrt Toxine (=Giftstoffe) freigesetzt werden und in die Blutbahn gelangen, was zu einer Minderdurchblutung im Huf führt. Auch junges Gras, Klee oder eiweißreiches Heu können, vornehmlich bei sehr übergewichtigen Pferden oder Ponys, Auslöser für eine Rehe sein. Durch eine Nachgeburtsverhaltung oder eine Gebärmutterinfektion nach dem Abfohlen kann es ebenfalls zur Freisetzung von Toxinen kommen welche eine sogenannte Geburtsrehe auslösen können.
Auch Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) oder das Equine Cushing Syndrom (ECS) können Auslöser für eine Hufrehe sein. Bei beiden Erkrankungen besteht eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Hierbei kommt es zu einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels, da dieser nicht mehr richtig verwertet werden kann. Dieses Übermaß an Zucker ist "Gift" für die Zellen, die Blutgefäße im Huf ziehen sich zusammen und es entsteht die oben beschriebene, schmerzhafte Flüssigkeitsansammlung.
Ebenfalls diskutiert wird, dass eine längere oder hochdosierte Gabe von Glukokortikoiden (=Cortison) ebenfalls eine Rehe auslösen kann. Die Gabe von Glukokortikoiden muss daher im Fall einer Hufrehe immer genau mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden.
Wie kann ich meinem Pferd nun in erster Instanz den Schmerz lindern? Falls bekannt müssen natürlich als erstes die Auslöser für den Reheschub abgestellt werden. Das bedeutet im Fall einer Fütterungsrehe ein absolutes Kraftfutterverbot für dieses Pferd, im Falle der Geburtsrehe muss sichergestellt sein, dass die Nachgeburt komplett abgegangen ist.
Die erste Maßnahme sollte das Kühlen der Hufe sein. Hierfür eignen sich Eispacks, Kühlgamaschen oder das Umwickeln der Hufe mit Eisbeuteln. Dicke Polsterverbände (Tipp: Einmalwindeln verwenden) geben der Sohle einen ersten Schutz bevor der Tierarzt bei dir ist. Das Pferd sollte jetzt in einer dick eingestreuten Box ruhen und auf keinen Fall auf hartem Boden bewegt werden.
Ziel der Hufrehe Behandlung ist in erster Linie die Schmerzlinderung und die Entlastung des erkrankten Hufes. Je nach Alter des Hufbeschlages muss dieser als erstes entweder komplett entfernt (bei neuem Beschlag) oder belassen (Beschlag älter als 4 Wochen) werden, dies sollte der Tierarzt gemeinsam mit dem Hufschmied im Einzelfall entscheiden. Bei einem nicht ganz neuen Beschlag werden teilweise auch nur die Zehennägel entfernt.
Huf- oder Gipsverbände, moderne Hufkeile, Hufschuhe oder ein orthopädischer Hufbeschlag können das Fortschreiten der Erkrankung verhindern, indem sie den Zug der tiefen Beugesehne minimieren. Dafür wird der hintere, nicht betroffene Teil des Hufes erhöht, um den vorderen Teil zu entlasten, man spricht von einer "Zehenschwebe". Um den entzündlichen Vorgängen im Huf entgegenzuwirken, werden vom Tierarzt entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Da diese auch den Schmerz lindern, muss auf strengste Boxenruhe geachtet werden, damit das Pferd die erkrankten Hufe nicht zu stark belastet. Auch Mittel zur Blutverdünnung oder ein Aderlass mit gleichzeitiger Infusion können in einigen akuten Fällen sinnvoll sein. Besprich das genaue Vorgehen im Einzelfall bitte mit deinem Tierarzt.
Mindestens genauso wichtig wie die schnelle und korrekte Behandlung ist ein genau strukturiertes Bewegungsprogramm, wenn die akute Phase der Erkrankung überstanden ist. Dein Tierarzt wird anhand der erhobenen Befunde und dem Schweregrad der Erkrankung einen individuellen Bewegungsplan für dein Pferd erstellen.
Die Boxenruhe in der Akutphase und das äußerst vorsichtige Bewegungsprogramm ist unbedingt einzuhalten, da der Halteapparat des Hufes sehr lange braucht, um sich vollständig zu regenerieren. Auch wenn vom Besitzer keine Lahmheit mehr gesehen wird, kann es durch minimale Überbelastung zu einem erneuten Reheschub kommen, wenn zu früh mit zu viel Bewegung begonnen wird.
Des Weiteren ist im Verlauf der Erkrankung auf ein adäquates Fütterungsmanagement zu achten, auch wenn es sich augenscheinlich nicht um eine Fütterungsrehe handelt. Frisches Gras und hohe Mengen an Kohlenhydraten sind zu vermeiden. Die Fütterung sollte sich auf rohfaserreiches und kohlenhydratarmes Futter beschränken.
Gib deinem Pferd genug Zeit sich zu erholen, denn nur so bekommst du die Chance, dass es wieder normal geritten werden kann. Hufrehe ist eine sehr ernst zu nehmende Krankheit, die als potentiell lebensgefährlich einzustufen ist, jedoch mit modernen Behandlungsmethoden und dem richtigen Haltungs- und Fütterungsplan gut in den Griff zu bekommen ist.
Da nach wie vor noch nicht alle Ursachen einer Hufrehe erforscht sind, ist auch ein umfassender Schutz vor Hufrehe kaum möglich.
Was du als Pferdehalter aber tun kannst, um zumindest bekannte auslösende Faktoren zu vermeiden, ist Folgendes:
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Der Versuch einer Katze durch ein gekipptes Fenster nach draußen zu gelangen, kann schwere gesundheitliche Schäden zur Folge haben. Meist schaffen die Katzen es noch mit dem Kopf und Oberkörper hindurch zu schlüpfen und bleiben dann jedoch mit dem Becken im schrägen Spalt stecken. Befreiungsversuche verschlimmern die Situation nur noch, so dass die Katze immer weiter nach unten in den Spalt rutscht und sich einklemmt. Die Folgen sind zum Teil schwere äußere und innere Verletzungen, die zusammengefasst als Kippfenster-Syndrom bezeichnet werden und nicht selten auch zum Tod der Katze führen können.
Mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl der Katzen, die an der schleichend verlaufenden chronischen Nierenerkrankung (=CNE) leiden. 30 - 40 % aller über 10jährigen Katzen sind davon betroffen. Häufig bleibt sie lange unbemerkt. Die allmähliche Abnahme der Funktion der Nieren schreitet aber immer weiter voran. CNE ist eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen und leider unheilbar.
Tumore an den Eierstöcken der Stute zählen zu den häufigsten Zubildungen des Geschlechtsapparats der Stute. Sie können unabhängig von Rasse und Alter auftreten und sind oft Grund für Verhaltensauffälligkeiten oder Störungen im Sexualzyklus der Stute. Je nach betroffener Zellart können unterschiedliche Tumorarten vorkommen, sie sind in der Regel jedoch gutartig.
Landschildkröten sind faszinierende Tiere, die auch viele Kinder sehr gern mögen. Doch bevor eine Schildkröte einzieht, sollte klar sein, dass weit mehr dazu gehört, als sie niedlich oder interessant zu finden.
Nicht selten kommt es bei Hunden als auch Katzen zur Pankreatitis (=Entzündung der Bauchspeicheldrüse), die sehr schmerzhaft ist und schnell lebensbedrohlich werden kann.
Die Ellenbogengelenkdysplasie beschreibt einen Krankheitskomplex erblich bedingter Entwicklungsstörungen des Ellenbogengelenks. Sie tritt vor allem während der Wachstumsphase schnellwüchsiger, großer Hunderassen auf und führt zu unterschiedlich stark ausgeprägten Lahmheiten.
Können die Nieren des Hundes ihre lebenswichtigen Aufgaben nur noch eingeschränkt wahrnehmen, spricht man von einer Niereninsuffizienz. Die Erkrankung wird häufig nicht sofort erkannt, da sie sich gerade zu Beginn nur mit sehr unspezifischen Symptomen äußert. Betroffen sind vor allem Hunde ab einem Alter von fünf Jahren, wobei bestimmte Rassen eine erbliche Veranlagung für Nierenerkrankungen aufweisen.
Rotaviren sind die häufigsten Erreger von Durchfall-Erkrankungen bei Fohlen. Sie sind unter Pferden weit verbreitet und hoch ansteckend. Symptome verursachen sie jedoch nur bei jungen Fohlen.
Was für ein wunderbares Gefühl. Endlich ein eigenes Pferd! Alles hat gepasst, vom Probereiten über die Ankaufsuntersuchung bis hin zur Kaufabwicklung. Dein Pferd kann in seine neue Box ziehen. Für Neulinge unter den Pferdebesitzern ist dies eine sehr spannende Zeit, die sicher auch einige Fragen aufwirft zu Haltungsbedingungen, Gesunderhaltung, Training und vielem mehr. Allem voran sollte zum Einzug des neuen Pferdes eine Grundausrüstung für das Tier angeschafft sein, mit der gearbeitet und geritten werden kann. Schnell wirst du feststellen, dass neben Sattel und Trense noch einiges mehr benötigt wird.
Die als Morbus Cushing bezeichnete Erkrankung der Nebennieren wurde 1910 erstmals vom Namensgeber Harvey Williams Cushing beim Menschen beschrieben. Es kommt dabei zu einer vermehrten Stimulation der Nebennierenrinde, was eine übermäßige Cortisol-Produktion (=Hyperadrenokortizismus) zur Folge hat. Die dadurch entstehenden Krankheitsanzeichen werden als Cushing-Syndrom bezeichnet. Im Gegensatz zu dem Morbus Addison (=Nebennierenrindeninsuffizienz) ist Morbus Cushing nicht lebensbedrohlich. Betroffen sind meist ältere, kleine Hunde und die Rassen Boxer, Pudel und Dackel.
Diese Viruserkrankung, die wegen ihrer hohen Ansteckungsgefahr auch Hundeseuche genannt wird, ist eine weltweit verbreitete, akut verlaufende Infektionskrankheit. Welpen im Alter zwischen zwei und 16 Wochen, ungeimpfte und alte Hunde sind besonders gefährdet. Unbehandelt endet die Erkrankung meistens tödlich. Mit Hilfe moderner Impfstoffe ist jedoch eine gute Prophylaxe möglich.
Zahnstein und Plaque sind ebenso wie beim Menschen auch bei unseren Vierbeinern weit verbreitet. Diese gelblichen, rauen Beläge treten insbesondere an Eck- und Schneidezähnen auf und können zu schweren Zahnfleischentzündungen führen. Dabei sind vor allem ältere Hunde, kleine Hunderassen und Hunde mit Zahnfehlstellungen gefährdet, da die Selbstreinigung des Gebisses gestört ist.