Ohrfistel – wenn der Zahn sich ins Ohr verirrt

Eine Ohrfistel, beim Pferd auch als Ohrzyste oder Ohrgrundfistel bezeichnet, beschreibt eine ein- oder beidseitig vorkommende Missbildung, die sich als Zyste (=flüssigkeitsgefüllter Hohlraum) am Ohrgrund des Pferdes befindet. Sie entsteht aus versprengten Zahnanlagen. Am häufigsten betroffen sind drei bis zwölf Monate alte Fohlen.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose
Ursache und Entstehung

Ausgelöst wird die Erkrankung durch eine angeborene Missbildung der Zahnanlagen des Pferdes. Die genauen Ursachen dieser Fehlentwicklung sind nicht bekannt. Eine erblich bedingte Veranlagung konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Während der Embryonalentwicklung des Fohlens kann es passieren, dass sich Zellen, die für die Entwicklung der Zähne zuständig sind, an anderen Orten, wie beispielsweise dem Ohrgrund, wiederfinden. Hieraus entstehen knöcherne Zahngebilde, die sich an dem falschen Platz entzünden und so zur einer Fistelbildung im Ohr des Pferdes führen. Über den sogenannten Fistelgang (=röhrenförmige Verbindung nach außen) gelangt eitrig-milchiger Ausfluss an die Hautoberfläche. Diese entleert sich aus einer kleinen Fistelöffnung am unteren Rand des Ohres.

Bei den versprengten Zahnanlagen handelt es sich immer um überzählige Zähne, das Gebiss des Pferdes ist ansonsten normal ausgebildet.

Symptome

Die betroffenen Pferde werden meistens wegen eben dieses eitrigen Ausflusses aus dem Ohr bei ihrem/ihrer Tierärzt:in vorgestellt. Häufig wird von Besitzer:innen nur das an der Seite des Kopfes herabgelaufene, eingetrocknete Sekret festgestellt. Gelegentlich ist auch eine schmerzlose Schwellung im Bereich des Ohres zu sehen. Die Haut um die Fistelöffnung herum kann entzündlich verändert sein.

In der Mehrheit der Fälle zeigen die erkrankten Pferde keine Schmerzen oder Störungen des Allgemeinbefindens. Bei entsprechender Größe können die Zahngebilde jedoch zu Rittigkeitsproblemen und durch Verdrängung von Großhirnsubstanz im schlimmsten Fall auch zu neurologischen Symptomen führen.

Diagnose

Durch die allgemeine und spezielle Untersuchung sowie deinen ausführlichen Vorbericht hinsichtlich Beginn und Ausmaß der Symptome erhält dein/e Tierarzt:in bereits wertvolle Informationen über die Erkrankung. Im Rahmen der speziellen Untersuchung kann er/sie Umfangsvermehrungen oder Verhärtungen auf dem Grund der Fistel manchmal schon durch Abtasten, häufiger jedoch durch Sondierung der Fistel mit einer flexiblen Sonde feststellen. Wird auf dieses Gebilde von außen manuell Druck ausgeübt, entleert sich meist eine größere Menge an Sekret.

Um die Diagnose zu bestätigen sowie die Lage und das Ausmaß der Zahnanlage zu ermitteln, sollte immer auch eine röntgenologische Untersuchung durchgeführt werden. Eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Biopsie (=Gewebeprobenentnahme) der Zyste können ebenfalls zur Diagnosesicherung beitragen.

Bei unklaren Röntgenaufnahmen oder schwieriger Lage der Zyste, beispielsweise sehr dicht am knöchernen Schädel, empfiehlt sich eine zusätzliche CT- oder MRT-Untersuchung (siehe entsprechender Artikel). Diese Schnittbildtechniken ermöglichen eine überlagerungsfreie Darstellung und liefern somit exakte Informationen über Anzahl und Lokalisation der überzähligen Zahnanlagen.

Behandlung

Als einzig erfolgversprechende Therapie hat sich die chirurgische Entfernung der gesamten Zyste bewährt. Das Pferd wird dafür in Allgemeinnarkose gelegt, so dass die komplette Fistel inklusive der Zahnanlage entfernt werden kann.

Prognose

Nach erfolgreicher chirurgischer Entfernung der Zahnanlagen bestehen sehr gute Aussichten auf eine komplette Heilung.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.