Kissing Spines – wenn es im Rücken zwickt

Kissing Spines bedeutet übersetzt etwa „die sich küssenden Dornfortsätze“. Es handelt sich um eine Veränderung an der Wirbelsäule des Pferdes. Hierbei kommt es zu einer deutlichen Verengung der Abstände zwischen den Dornfortsätzen der Brust- und Lendenwirbel, häufig im Bereich der Sattellage. Die Diagnose fordert von Reiter:innen Aufmerksamkeit und korrektes Training.

INHALT
Entstehung Symptome und Diagnose Relevanz Training und Prävention
Entstehung

Die Wirbelsäule des Pferdes ist eine Hängekonstruktion, die nur an den Vorder- und Hintergliedmaßen befestigt ist. Der/die Reiter:in sitzt also quasi auf dem schwebenden Bereich der Wirbelsäule. Träger der Wirbelsäule ist hauptsächlich die stark ausgeprägte Rückenmuskulatur des Pferdes.

Im Fall von Kissing Spines nähern sich die Dornfortsatzspitzen der Wirbelkörper immer mehr, bis sie sich im fortgeschrittenen Stadium berühren, dann aneinander reiben oder sogar zusammenwachsen. Kommt es zum Kontakt der Knochen, entstehen Sklerosierungen (=degenerative Verhärtungen der Knochenränder), die mit Entzündungen einher gehen. Dieser akute Prozess kann für das Pferd sehr schmerzhaft sein. Hinzu kommt, dass sich die Rückenmuskulatur derart verspannt, dass es zu einer Art „Muskelkater“ kommt, woraus sich eine schmerzhafte Muskelentzündung entwickeln kann.

Symptome und Diagnose

Die Symptome von Kissing Spines sind sehr vielfältig und nicht immer eindeutig zuzuordnen. An erster Stelle stehen häufig Rittigkeitsprobleme, aber auch Widersetzlichkeit beim Satteln, Aufsteigen und Reiten. Des Weiteren können häufiges Umspringen in den Kreuzgalopp und eine hohe Empfindlichkeit beim Abtasten der Rückenlinie ein Hinweis auf eine Problematik im Bereich der Wirbelsäule sein.  Auch unklare Lahmheiten und die Unfähigkeit des Pferdes sich vorwärts abwärts zu dehnen, können ihren Ursprung im Bereich des Rückens haben.

Gerade Unrittigkeit und Widersetzlichkeit können beim Pferd aber auch durch viele andere Faktoren beeinflusst werden. Lass dich daher beim Verdacht einer Rückenerkrankung immer von deinem/deiner Tierärzt:in beraten. Er/sie nimmt die nötigen Untersuchungen vor, um dir und deinem Pferd schnellstmöglich zu helfen. Über petsXL kannst du direkt einen Termin vereinbaren.

Die Röntgenuntersuchung ist in der Diagnostik von Rückenerkrankungen unerlässlich. Durch eine zusätzliche Szintigrafie (siehe entsprechender Artikel) kann der Grad der Verschiebung der Wirbelkörper zueinander oder gar ineinander genauer untersucht werden. Hiermit ist der Grad der Erkrankung am besten zu beurteilen. Dennoch ist die klinische Symptomatik nicht außer Acht zu lassen. Denn auch Pferde mit deutlichen Röntgenbefunden können klinisch komplett beschwerdefrei sein.

Gerittenes Springpferd tritt aus
Widersetzlichkeiten beim Reiten können Anzeichen von Kissing Spines sein
Relevanz

Das Thema Wirbelengstand / Kissing Spines ist ein weltweit weitverbreitetes Problem. Selbst junge, noch nicht gerittene Pferde können bereits Auffälligkeiten im Röntgenbild zeigen. Allerdings heißt das nicht, dass es sich hier um einen schmerzhaften Befund handeln muss. Viele mit Kissing Spines diagnostizierte Pferde merken nicht einmal etwas von ihrem Handicap.

Das Gesamtbild spielt im Falle des Kissing Spines Syndroms eine elementare Rolle, da die Veränderung an den Wirbeln nicht mehr rückgängig zu machen sind. Wir können aber dafür sorgen, dass die umliegende Muskulatur in ihrer Haltefunktion gestärkt wird. Bei aller Ernsthaftigkeit des Befundes, ist diese Diagnose kein Grund, unser Pferd aufzugeben. Selbst Spitzensportler unter den Pferden haben es mit Rückenbefunden bis nach ganz oben geschafft. Ein fachgerechtes Management, geprägt vor allem durch Aufbau der Muskulatur, lässt viel Raum für Reitfreuden mit einem Pferd, trotz der Diagnose Kissing Spines.

Pferd Sunny mit Kissing Spines
Training und Prävention

Sollten bei deinem Pferd Kissing Spines diagnostiziert werden, gilt es die Rückenmuskultur durch gezieltes Training zu stärken, damit dein Pferd weiterhin problemlos geritten werden kann.

Mit ein wenig Aufwand verbunden und sicher nicht überall zugänglich, aber sehr effektiv ist das Aquatraining für Pferde. Es handelt sich hierbei um ein Laufband, welches sich in einem mit Wasser gefüllten Becken befindet. Muskulatur und Kondition werden hier auf schonende Weise trainiert. Durch den Auftrieb des Wassers werden Bänder, Sehnen und Gelenke geschont. Gleichzeitig dient das Wasser der Kühlung und Massage. Durchblutung und Stoffwechsel werden ebenfalls angeregt. Die Kraft, die aus der Bewegung der Hinterhand kommt, führt zur Stärkung der langen Rückenmuskulatur. Nach einer intensiven Aufbauphase von etwa sechs bis acht Wochen ist weiteres regelmäßiges Aquatraining empfehlenswert.

Das Longieren und Reiten in Dehnungshaltung über Stangen und Cavalettis ist ein gutes und einfaches Hilfsmittel zur Stärkung der Hinterhand- und Rückenmuskulatur. Das Pferd in Dehnungshaltung, über den Rücken an das Gebiss heranzureiten gehört in der Ausbildung ja sowieso zum kleinen Einmaleins. Zu oft wird vergessen, wie wichtig es für das Pferd ist, sich strecken zu dürfen. Für Kissing Spines Pferde ist dies mehr als ein Muss auf dem Trainingsplan.

Mit der Unterstützung von Chiropraktiker:in, Osteopath:in oder Physiotherapeut:in kann regelmäßig am Körpersystem des Pferdes gearbeitet und so die Struktur des Rückens verbessert werden. Sprich auch hier mit deinem/deiner Tierärzt:in über mögliche Zusatzmaßnahmen. Er/sie kann dir spezialisierte Kolleg:innen empfehlen.

Zusatzfuttermittel können den Muskelaufbau und die Regeneration der Muskulatur zusätzlich unterstützen.

Prüfe als Reiter:in außerdem unbedingt dein Equipment. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf dem Sattel liegen, da eine falsche Lage oder Passform deinem Pferd eine Menge Unbehagen bereiten kann. Bleib stets aufmerksam für das, was dein Pferd dir anzeigt. Kontrolliere deine Reitweise und das richtige Training, denn beides bleibt das A und O für die Gesunderhaltung deines Pferdes.