Mitralklappenendokardiose – wenn die Herzklappen nicht mehr richtig schließen

Die Mitralklappenendokardiose (MMVD) ist eine chronisch degenerative Erkrankung der Herzklappen. Sie ist die häufigste Herzerkrankung des Hundes und betrifft vor allem ältere Hunde kleinerer Rassen. Eine Ausnahme stellt der Cavalier King Charles Spaniel dar, der häufig schon im Alter von 1,5 bis zwei Jahren erkrankt.

INHALT
Ursache Anatomie und Entstehung Einteilung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache

Die genauen Ursachen der Gewebeveränderungen sind nicht bekannt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass es sich grundsätzlich um ein erbliches Geschehen handelt, das durch weitere Faktoren, wie der Umwelt und Fütterung, beeinflusst wird.

Anatomie und Entstehung

Im Herzen finden sich vier Herzklappen. Die Taschenklappen liegen zwischen Kammer und Ausströmungsblutgefäß, die Segelklappen zwischen Vorhof und Kammer. Die Klappen fungieren als Ventile und verhindern, dass es zu einem Rückfluss von Blut in die falsche Richtung kommt.

Die Mitralklappe ist eine Segelklappe und liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Sie verhindert, dass Blut während der Anspannungsphase aus der Herzkammer zurück in den Vorhof strömt. Im Falle einer MMVD kommt es zu einer nicht entzündlichen Veränderung der Gewebestruktur der Klappen. Sie verdicken sich. Die Klappenränder können sich dann einrollen, so dass die Klappe nicht mehr vollständig schließen kann und damit undicht wird. Es kommt zu einem zunehmenden Rückstrom von Blut in den linken Vorhof.

Die Folgen sind eine fortschreitende Vergrößerung des linken Vorhofs und der linken Herzkammer. Die Mehrarbeit, die der Herzmuskel dadurch leisten muss, kann über lange Zeit vom Herzen selbst kompensiert werden, so dass beim Patienten keine klinischen Symptome auftreten. Wenn dies jedoch nicht mehr möglich ist, kommt es zum Rückstau von Blut in die Lunge wodurch sich allmählich ein Lungenödem (=Flüssigkeit in der Lunge) entwickelt.

Schema Herz
1 Aorta | 2 Trikuspidalklappe | 3 Pulmonalklappe | 4 Rechte Herzkammer | 5 Lungenarterie | 6 Linker Vorhof | 7 Veränderte Mitralklappe | 8 Aortenklappe | 9 Linke Herzkammer
Einteilung

Die Erkrankung wird anhand des Ausmaßes der Klappenundichtigkeit und der nachfolgenden Herzvergrößerung in verschiede Stadien eingeteilt.

Die Einteilung erfolgt nach der CHIEF-Klassifikation (=Canine Heart Failure International Expert Forum). Dieses Expertengremium hat eine einheitliche Klassifizierung von Herzerkrankungen beim Hund herausgegeben.

Dabei werden die Erkrankungen in die folgenden vier Stadien mit Unterstadien eingeteilt:

  • A: erhöhtes Risiko einer Herzerkrankung durch genetische Prädisposition oder Vorerkrankung
  • B: Herzerkrankung ohne Symptome
  • B1: ohne Herzvergrößerung
  • B2: mit Herzvergrößerung
  • C: Herzerkrankung mit früheren oder bestehenden Symptomen
  • C1: stabile, behandelte Herzschwäche mit früheren Symptomen
  • C2: Herzschwäche mit gering- bis mittelgradigen Symptomen
  • C3: Herzschwäche mit hochgradigen, lebensbedrohlichen Symptomen
  • D: Herzschwäche, die nicht mehr auf Medikamente anspricht, Maßnahmen nur lebenserhaltend

Symptome

Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und kann lange Jahre symptomlos verlaufen. Hunde mit einer MMVD im Stadium B1 zeigen keine Herzvergrößerung und keinerlei Symptome, so dass die Erkrankung meist nur zufällig beim Abhören im Rahmen tierärztlicher Routineuntersuchungen festgestellt wird. Deinem/deiner Tierärzt:in fällt dabei ein abnormales Herzgeräusch auf, dass an der erkrankten Klappe durch den Rückstrom entsteht.

Im Stadium B2 hat sich das Herz aufgrund des zunehmenden Blutrückstaus bereits vergrößert und die Gefahr ist sehr viel größer, dass sich die Erkrankung schneller weiterentwickelt, auch wenn der Hund nach wie vor keine Symptome zeigt.

Im weiter fortgeschrittenen Stadium C sind deutliche Krankheitsanzeichen wahrnehmbar. Durch den Rückstau von Blut in die Lunge und das dadurch entstehende Lungenödem kommt es zu Husten und Atemproblemen. Die mangelnde Herzfunktion kann außerdem zu Leistungsschwäche, Ohnmachtsanfällen und Abmagerung führen.

Verschlechtern sich Atemwegssymptome kontinuierlich, sollte immer an eine Herzerkrankung gedacht und der Hund umgehend bei einem/einer Tierärzt:in vorgestellt werden.

WICHTIG: Akute Atemnot oder wiederkehrende Ohnmachtsanfälle stellen immer einen akuten Notfall dar, der schnellstmöglich tierärztlich behandelt werden muss!

Diagnose

Da die Symptome nicht charakteristisch sind und bei vielen andere Erkrankungen auch auftreten können, ist es sehr wichtig, dass dein Hund gründlich tierärztlich untersucht wird. Für deine/n Tierärzt:in ist neben der klinischen Untersuchung insbesondere auch dein Vorbericht sehr wichtig, Daraus erhält er/sie wertvolle Informationen zum Beginn des Auftretens und zum Schweregrad der Symptome.

Auf die allgemeine Untersuchung folgt die spezielle Untersuchung des Herzens. Dabei wird das Herz zuerst auskultiert (=abgehört) und abgetastet. Meist kann anhand des hörbaren Herzgeräusches bereits eine erste Verdachtsdiagnose gestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose ist jedoch die Herzultraschalluntersuchung (siehe entsprechender Artikel) unerlässlich, in welcher sich der Rückstrom des Blutes genau darstellen und messen lässt. Zusätzlich können Röntgenuntersuchungen, ein EKG (=Elektrokardiogramm, siehe entsprechender Artikel) und Blutdruckmessungen (siehe entsprechender Artikel) die Diagnose bestätigen und weiter spezifizieren.

Herzultraschall Hund
Im Ultraschall ist das Ausmaß der Klappenundichtigkeit ersichtlich
Behandlung

Da die Veränderungen an den Klappen nicht rückgängig zu machen sind, beschränkt sich die Behandlung darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und die Symptome zu lindern. Es ist wichtig zu wissen, dass die verordneten Medikamente daher immer lebenslang verabreicht werden müssen.

Inzwischen stehen deinem/deiner Tierärzt:in diverse Herzmedikamente zur Behandlung der MMVD zur Verfügung, die je nach Art und Ausmaß der Erkrankung einsetzt werden. Dabei kommen entwässernde und herzstärkende Mittel zum Einsatz. Mit Hilfe dieser Medikamente kann Hunden in den Stadien B und C so gut geholfen werden, dass sie ein nahezu beschwerdefreies weiteres Leben führen können.

Dein/e Tierärzt:in erstellt dir im Einzelfall einen genauen Therapieplan und kann dir die Medikationen für deinen Hund digital an petsXL übermitteln. So findest du alle anstehenden Medikamentengaben in deiner Timeline und kannst dir selbst dazu Erinnerungen einstellen.

Begleitend zur medikamentösen Therapie sollte eine natriumarme Diät gefüttert werden. Du solltest deinen Hund weiterhin regelmäßig ruhig bewegen, extreme körperliche Belastungen und erzwungene Bewegung, wie Joggen oder Fahrrad fahren, müssen jedoch vermieden werden. Du kannst die Atemfrequenz deines Hundes leicht selbst überprüfen, indem du jedes Heben und Senken des Brustkorbs zählst, während er schläft. Die Atemfrequenz in Ruhe sollte 30 Atemzüge pro Minute nicht überschreiten.

Plane für deinen Herzpatienten regelmäßige tierärztliche Kontrolluntersuchungen ein. Auf diese Weise kann dein/e Tierärzt:in das Fortschreiten der Erkrankung und den Therapieerfolg überprüfen.

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig vom Schweregrad und Stadium der Erkrankung. Viele Hunde können eine gut mit Medikamenten eingestellte MMVD ein Leben lang kompensieren. Bei anderen wiederum kommt es schnell zur Dekompensation, so dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, die Belastungen auszugleichen. Dadurch verschlechtert sich die Prognose trotz Therapie erheblich.

Prophylaxe

Da es sich zum Großteil um ein erblich bedingtes Geschehen handelt, kann der Erkrankung schwer vorgebeugt werden. Mit Hilfe züchterischer Maßnahmen kann die Verbreitung der Erkrankung jedoch reduziert werden. In vielen Zuchtverbänden sind Herzultraschalluntersuchungen vorgeschrieben, um eine Zuchtzulassung zu erhalten. Insbesondere bei prädisponierten Rassen sollten regelmäßige tierärztliche Kontrolluntersuchungen des Herzens inklusive einer Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, um potenzielle Veränderungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.