Megaösophagus - warum hat mein Hund Probleme beim Fressen?

Der Megaösophagus (mega=groß; Ösophagus=Speiseröhre) beschreibt eine krankhafte Erweiterung der Speiseröhre. Diese ist im Falle eines Megaösophagus nicht wie üblich durch die Muskulatur zusammengezogen, sondern in Folge einer Lähmung der Muskulatur abnorm geweitet und mit Luft gefüllt.

INHALT
Ursachen und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung und Prognose
Ursachen und Entstehung

Hinsichtlich der Ursachen unterscheidet man eine angeborene von der durch eine Grunderkrankung erworbenen Form. Der genetisch bedingte Megaösophagus entsteht durch eine mechanische Einschnürung oder eine muskuläre Störung, die die Durchgängigkeit der Speiseröhre beeinflussen. Die mangelnde Muskelspannung oder der Druck der hängen gebliebenen Nahrung auf die Speiseröhrenwand führen dann nach einer gewissen Zeit zur abnormalen Aufweitung.

Einen Sonderfall stellt die angeborene mechanische Verengung der Speiseröhre durch eine fehlentwickelte Hauptschlagader dar (persistierender rechter Aortenbogen), die besonders häufig bei dem Boston Terrier, dem deutschem Schäferhund und dem Irish Setter auftritt. Sobald die jungen Welpen feste Nahrung zu sich nehmen, kann diese die Engstelle nicht mehr passieren und es kommt durch den Nahrungsstau zu einer mechanischen Aufweitung.

Erkrankungen, die zu einer Erweiterung der Speiseröhre führen können, sind:

  • Muskelerkrankungen
  • Infektionserkrankungen
  • Fremdkörperaufnahme
  • Hirnstammverletzungen
  • Vergiftungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Entzündungen der Speiseröhre
  • Tumore
  • Schilddrüsenerkrankungen

Symptome

Je nach Schweregrad der Lähmung treten Schluckstörungen unterschiedlicher Stärke auf. Diese reichen von leichten Schluckproblemen bis hin zu einer kompletten Unfähigkeit der Nahrungsaufnahme. Die Lähmung entwickelt sich oft allmählich und erste Symptome wie leichtes Husten oder Würgen werden vom Besitzer häufig fälschlicherweise als Atemwegsproblematik gedeutet. Infolge der zunehmenden Lähmung kann die aufgenommene Nahrung nicht mehr richtig geschluckt werden, gelangt wieder zurück in die Maulhöhle und wird ausgespuckt. Dieser passiv ablaufende Vorgang wird als Regurgitieren bezeichnet, da es nicht wie beim Erbrechen zu den typischen pressenden Bauchmuskelbewegungen kommt. Dies kann während der Nahrungsaufnahme, aber auch zeitlich verzögert passieren.

Im Falle eines chronischen Megaösophagus kann es zu Abmagerung, Gewichtsverlust und Entzündungen der Speiseröhre kommen. Weitere Komplikationen der Erkrankung sind häufig auch Lungenentzündungen, die entstehen, wenn hochgewürgtes Futter in die Luftröhre gelangt und eingeatmet wird. Man spricht von einer Aspirationspneumonie (= Verschluckungspneumonie). Die Tiere zeigen Fieber und sind matt.

Bei bestehenden Grunderkrankungen stehen deren Symptome oft im Vordergrund und der Megaösophagus kann erst unerkannt bleiben.

Diagnose

Für den behandelnden Tierarzt ergibt sich meist schon aus deinem ausführlichen Vorbericht und der eingehenden klinischen Untersuchung eine erste Verdachtsdiagnose. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, je nach Fall auch mit vorheriger Verabreichung von Kontrastmittel, kann dieser Verdacht bestätigt werden.

Aufgrund ähnlicher Symptome muss hier das Ösophagusdivertikel vom Megaösophagus abgegrenzt werden. Hierbei handelt es sich nur um eine umschriebene und keine komplette Aussackung der Speiseröhre. Auf dem Röntgenbild lassen sich beide Erkrankungen klar voneinander unterscheiden. Ösophagusdivertikel sind in seltenen Fällen angeboren (Terrierarten). Häufig werden sie durch Futterstau oder einen länger eingeklemmten Fremdkörper hervorgerufen.

Röntgenbild Thorax Hund
Im Röntgenbild ist die erweiterte und verlagerte Speiseröhre sichtbar
Behandlung und Prognose

Im Falle der fehlentwickelten Hauptschlagader kann die mechanische Einengung der Speiseröhre mit Hilfe eines rechtzeitig vollzogenen chirurgischen Eingriffs vollständig beseitigt werden. Erfolgt die Operation zu spät, kann die Aufweitung jedoch trotz Auflösen der Engstelle bestehen bleiben.

Bei Vorliegen einer Grunderkrankung als Auslöser für den Megaösophagus besteht eine gute Prognose, wenn die Grunderkrankung erfolgreich behandelt werden kann.

Angeborene Formen heilen bei Welpen gelegentlich von selbst aus, wenn das Liegenbleiben von Nahrung in der Speiseröhre und Komplikationen verhindert wurden. Operative oder medikamentöse Behandlungen sind in diesem Fall nicht möglich. Mit Hilfe bestimmter Futtertechniken (erhöhte Fütterung, geänderte Futterkonsistenz, mehrere kleine Portionen) kannst du deinem Hund die Futteraufnahme und -Passage erleichtern. Das Leben der meisten Hunde, bei denen sich der angeborene Megaösophagus nicht spontan zurückbildet, lässt sich dadurch jedoch nur begrenzt verlängern und häufig führen akute Lungenentzündungen durch Verschlucken oder Lungenfibrosen (= Vernarbung durch Zubildung von Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen) am Ende zum Tod des Tieres.