Der Einschuss – oft Folge kleinster Verletzungen

Pferdebesitzer kennen die Phlegmone wahrscheinlich eher unter dem umgangssprachlichen Begriff Einschuss. Es handelt sich dabei um eine eitrige Entzündung des Bindegewebes und der Lymphgefäße der Unterhaut, die vorrangig an den Gliedmaßen auftritt und zu massiven Schwellungen und Schmerzen führen kann.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Entstehung

Auslöser einer solchen Entzündung sind meist kleinste Hautverletzungen an den Beinen, die als Eintrittspforte für Schmutz und Krankheitserreger dienen. Die Verletzungen können durch Tritte, scharfe Gegenstände, Stacheldraht, Dornen, unsachgemäß durchgeführte Injektionen aber auch infolge einer Mauke Erkrankung entstehen, da hier die Schutzbarriere der Haut bereits beschädigt ist. Oft ist eine solche Verletzung der Haut so klein und zusätzlich von Fell bedeckt, dass sie in vielen Fällen gar nicht bemerkt wird. Schmutz und Bakterien können so ungehindert ins Gewebe eindringen, bevor sich die Wunde von außen schnell wieder verschließt. Unter Luftabschluss finden die Erreger damit ein optimales Milieu zur Vermehrung vor. Die Entzündung breitet sich daraufhin sehr schnell entlang der Lymphgefäße im Unterhautgewebe aus und führt zu einer meist großflächigen Schwellung. Unbehandelt kann die Entzündung auch auf tiefere Gewebeschichten übergreifen.

Pferd mit Mauke
Symptome

Phlegmonen treten beim Pferd am häufigsten an den Gliedmaßen auf, können jedoch auch an allen anderen Körperteilen vorkommen. Zu Beginn der Erkrankung schwillt der Bereich um die Verletzung leicht an, was jedoch oft noch unbemerkt bleibt. In den meisten Fällen wird die Phlegmone erst entdeckt, wenn sich bereits eine umfangreiche Schwellung gebildet hat. Das betroffene Bein ist rundum geschwollen, heiß und bei Berührung schmerzhaft.

Je nach Schweregrad und Ausmaß der Entzündung kann es außerdem zu weiteren allgemeinen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, vermehrtes Schwitzen und Fressunlust kommen. In Abhängigkeit von Lokalisation und Größe der Phlegmone kann durch die entstehende Spannung im Gewebe und die Schmerzen auch eine Lahmheit auftreten.

Phlegmonen im Bereich des Kopfes, insbesondere im Rachenbereich oder hinter dem Augapfel sind nicht sofort erkennbar, können jedoch aufgrund ihrer Lage schnell zu lebensgefährlichen Symptomen wie Atemnot oder Hirnhautentzündung führen.

Solltest du eine warme und schmerzhafte Schwellung bei deinem Pferd festgestellt haben, kontaktiere bitte umgehend einen Tierarzt, damit die Entzündung schnell behandelt werden kann. Als Sofortmaßnahme hat sich das Kühlen des betroffenen Beines mit kaltem Wasser als sehr hilfreich erwiesen.

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich für den Tierarzt aus dem klinischen Bild und deinem Vorbericht. In einigen Fällen können die ursächlichen Verletzungen während der genauen Untersuchung aufgefunden werden, die charakteristischen Symptome der Erkrankung lassen jedoch meist auch so eine eindeutige Diagnose zu.

Behandlung

Um die Ausbreitung der bakteriellen Infektion zu stoppen, wird vom Tierarzt in den meisten Fällen über mehrere Tage ein Breitbandantibiotikum verabreicht. Je nach Schweregrad und weiteren allgemeinen Symptomen können zusätzlich entzündungshemmende und fiebersenkende Präparate notwendig sein. Der Tierarzt überprüft außerdem, ob das Pferd noch über einen ausreichenden Tetanus-Schutz verfügt.

Äußerlich wird die Phlegmone mit durchblutungsfördernden oder kühlenden Salben oder desinfizierenden Anguss-Verbänden versorgt, um den Abtransport der Entzündungsprodukte und die Heilung zu unterstützen.

Das erkrankte Pferd sollte parallel zur Behandlung zwar nicht intensiv geritten, jedoch auf jeden Fall kontrolliert ruhig bewegt werden, um Lymphdrainage und Durchblutung zu fördern. Besprich den genauen Behandlungsplan, insbesondere auch im Hinblick auf eventuell anstehende Turniere im Einzelfall mit deinem Tierarzt, da die einzelnen Medikamente unterschiedliche Karenzzeiten (= empfohlene Zeitspanne zwischen Gabe einer Substanz und Einsatz des Pferdes auf dem Turnier) haben.

Prognose

Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung besteht eine gute Prognose, dass der Einschuss ohne Probleme abheilt. Wird eine Phlegmone jedoch zu spät oder gar nicht erkannt und behandelt, kann sich aus einer vorübergehenden eine dauerhafte Schwellung entwickeln. Durch die Zerstörung von Lymphgefäßen im Bereich der Entzündung und Zubildung von Bindegewebe kann eine dauerhafte Schwellung, das sogenannte Elefantenbein zurückbleiben.

Prophylaxe

In der Pferdehaltung kann man kaum verhindern, dass es gelegentlich zu kleineren Verletzungen und somit auch zu Phlegmonen kommt. Mit Hilfe einiger Maßnahmen kann man das Verletzungsrisiko jedoch erheblich reduzieren. Dazu gehört die regelmäßige Kontrolle der Weiden, Paddocks, Stallgassen, Reitbahnen und Boxen auf scharfe oder spitze Gegenstände, die zu Verletzungen führen könnten. Jeder Pferdebesitzer sollte sein Pferd überdies täglich auf eventuelle Verletzungen oder Schwellungen kontrollieren, um potentielle Entzündungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.