Warmblood Fragile Foal Syndrome – ist mein Pferd ein Anlageträger?

Bei dieser erst seit wenigen Jahren bekannten und bei Warmblutzüchtern gefürchteten Erkrankung handelt es sich um einen erblich bedingten Gendefekt, der zu einer Bindegewebsschwäche beim neugeborenen Fohlen führt. Es wird geschätzt, dass das WFFS seit 170 Jahren existiert und in etwa neun bis elf Prozent aller Warmblüter davon betroffen sind.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Entstehung

Die Erkrankung wird durch einen Gendefekt verursacht, der jedoch aufgrund seiner speziellen Vererbung nur selten auftritt. Bei den erwachsenen Pferden werden WFFS-Anlageträger und WFFS-Nicht-Anlageträger unterschieden. Nur wenn bei einer Anpaarung beide Elterntiere WFFS-Anlageträger sind, besteht ein 25%iges Risiko, dass das Fohlen an WFFS erkrankt. Ist nur ein Elternteil Anlageträger, kann der Gendefekt zwar an die Nachkommen weitergegeben werden, es kommt jedoch nicht zum Ausbruch der Erkrankung. Es handelt sich um einen sogenannten autosomal-rezessiven (= verdeckten) Erbgang.  

Symptome

Aufgrund dieses Erbgangs als auch der Verbreitung des Gendefekts ist die Erkrankung nur sehr selten zu beobachten. Hinzu kommt, dass ein Großteil der betroffenen Fohlen gar nicht lebend zur Welt kommen. Man geht davon aus, dass viele an WFFS erkrankte Fohlen noch im Mutterleib resorbiert werden. Werden die erkrankten Fohlen geboren, sind sie meist sehr schwach und zeigen kaum Aufstehversuche.

Zu den typischen Symptomen gehören eine extreme Brüchigkeit der Haut und Überdehnbarkeit der Gelenke. Bedingt durch die Bindegewebsschwäche fehlt die Verbindung der Haut zu dem darunterliegenden Gewebe, so dass es bereits ohne Fremdeinwirkung zu Hautablösungen kommt. Schon durch normalen Kontakt entstehen insbesondere im Bereich der Gelenke Hautverletzungen, die wiederum eine Eintrittspforte für Infektionserreger darstellen. WFFS-Trägertiere erkranken selbst nicht, können den Gendefekt jedoch an ihre Nachkommen weitergeben.


Übersicht der Vererbung des WFFS-Gendefekts

Genotyp= Erbbild; Phänotyp= Erscheinungsbild

  • Genotyp: N/N ->Phänotyp: gesundes Pferd
  • Genotyp: N/WFFS -> Phänotyp: gesundes Pferd, kann aber WFFS-Gendefekt an seine Nachkommen weitergeben
  • Genotyp: WFFS/WFFS -> Phänotyp: an WFFS erkranktes, nicht lebensfähiges Pferd

Schema Vererbung WFFS-Gendefekt Pferd
1 Gesundes Pferd | 2 Erkranktes Pferd | 3 Anlagetragendes Pferd
Diagnose

Anhand der charakteristischen klinischen Symptome des erkrankten Fohlens kann dein Tierarzt meist recht schnell eine Diagnose stellen. Welche Tiere WFFS-Anlageträger sind, lässt sich jedoch nur durch einen speziellen Gentest feststellen. Für diese Laboruntersuchung werden Blut oder Haare des entsprechenden Tieres benötigt.

Behandlung

Eine Behandlung der Erkrankung ist nicht möglich. Einmal erkrankte Fohlen sind nicht lebensfähig und müssen daher meist schon in den ersten Lebensstunden erlöst werden. 

Prognose

Aufgrund der Unheilbarkeit der Erkrankung besteht eine schlechte Prognose für erkrankte Fohlen. WFFS-Trägertiere sind klinisch gesund und können als Reitpferd uneingeschränkt genutzt werden. Es besteht lediglich eine Einschränkung für die Nutzung zur Zucht.

Prophylaxe

Mit Hilfe des seit 2013 verfügbaren Gentests kann erfolgreich verhindert werden, dass kranke Fohlen zur Welt kommen und sich der Gendefekt weiterverbreitet. Die meisten der deutschen und europäischen Warmblut-Zuchtverbände haben bei Bekanntwerden der Erkrankung sehr schnell reagiert und alle Hengste getestet. Seit 2019 ist die Untersuchung aller in der Zucht eingesetzten Hengste sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse gesetzlich vorgeschrieben. Warmblutzüchtern wird empfohlen, auch ihre Zuchtstuten zu testen, um die Erkrankung nicht weiter zu verbreiten und keine kranken Fohlen zu züchten. Die Verpaarung von zwei WFFS-Anlageträgern muss dabei vermieden werden.