Bei Züchtern gefürchtet - die Hodenentzündung

Entzündungen der Hoden und Nebenhoden, die meist gemeinsam auftreten und medizinisch als Orchitis und Epididymitis bezeichnet werden, sind zwar selten, können jedoch zu verminderter bis hin zu fehlender Fruchtbarkeit des Hengstes führen.

INHALT
Ursache und Entstehung Einteilung und Symptome Diagnose Behandlung Prognose
Ursache und Entstehung

Der überwiegende Anteil der Hodenentzündungen ist traumatisch bedingt und entsteht infolge von Schlag- oder Stichverletzungen, die beispielsweise beim Deckakt und meist einseitig auftreten. Weiterhin können virale und bakterielle Infektionen Ursache einer Hodenentzündung sein. Bakterielle Erreger gelangen entweder über das Blut oder aufsteigend aus der Harnröhre in das Hodengewebe, während sich virale Infektionen meist infolge einer allgemeinen Virusinfektion (Influenza, EIA, EVA) entwickeln.

Einteilung und Symptome

Die Entzündung kann entweder einen akuten oder chronischen Verlauf nehmen. Des Weiteren werden aseptische (= nicht infektiös) von eitrigen Entzündungen unterschieden. Bei einer akuten aseptischen Entzündung zeigen die betroffenen Hengste klassische Entzündungssymptome wie Schwellung, Wärme und eine starke Schmerzhaftigkeit der Hoden. Das Allgemeinbefinden ist meist deutlich gestört, es kommt zu Fieber und einem eingeschränkten Geschlechtstrieb. Weiterhin können ein verspannter Gang, manchmal auch einseitige Lahmheiten sowie Koliksymptome auftreten.

Chronische Entzündungen können sich aus akuten Prozessen heraus oder selbstständig entwickeln und sind durch eine unelastische, derbe, nicht warme Schwellung der Hoden und erheblich geringer ausgeprägte allgemeine Symptome gekennzeichnet. Verklebungen der Hodenhüllen mit dem Hoden können zu einer stark eingeschränkten Beweglichkeit des Hodens führen.

Handelt es sich um eine eitrige Entzündung, sind Hoden und Samenstrang heiß, geschwollen und hochgradig schmerzhaft. In der Umgebung der Hoden kann sich ein Ödem (= Flüssigkeitsansammlung) oder auch eine Phlegmone (= eitrige Entzündung des Unterhautbindegewebes) entwickeln. Aufgrund des hohen Drucks durch die wenig elastische Außenhülle des Hodens kann es zu Nekrosen (= Absterben von Gewebe) und Granulom- oder Abszessbildung kommen.

Solltest du eins oder mehrere der oben aufgeführten Symptome bei deinem Hengst feststellen, kontaktiere bitte umgehend einen Tierarzt, um eine frühzeitige Behandlung einleiten zu können.

Diagnose

Ein ausführlicher Vorbericht des Besitzers, insbesondere im Hinblick auf eventuelle Deckakte, Verletzungen oder allgemeine Infektionen liefert dem Tierarzt bereits erste wertvolle Hinweise auf eine Orchitis. Der Tierarzt wird daraufhin eine allgemeine klinische Untersuchung durchführen, wobei er Hoden und Hodensack gründlich abtastet. In vielen Fällen kann er nach dieser Untersuchung anhand der klinischen Symptome bereits eine Diagnose stellen.

Um die Diagnose zu bestätigen und andere sich ähnlich darstellende Erkrankungen wie etwa Hodentumoren, Flüssigkeitsansammlungen im Genitalbereich oder Hodenbrüche abzugrenzen, kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung sowie die bakteriologische Untersuchung von Samen- und Tupferproben sehr hilfreich sein.

Behandlung

Eine akute Entzündung wird zunächst lokal und allgemein mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten behandelt. Nicht-infektiöse Entzündungen können durch Ruhe, Kaltwasserduschen, und kühlende Salben gelindert werden. Auf tiefenwirksame Salben oder Wärme sollte aufgrund der hohen Empfindlichkeit des Hodengewebes unbedingt verzichtet werden, da es sonst leicht zu Gewebeschäden kommen kann. Bei nachweislich bakterieller Entzündung wird dein Tierarzt entsprechende allgemeine antibiotische Präparate verordnen. Größere Stichverletzungen müssen chirurgisch versorgt werden.

Chronische Hoden- und Nebenhodenentzündungen sind nicht therapierbar. Sie erfordern aufgrund des irreparabel zerstörten Hodengewebes, wie auch bei schwerwiegende akut-eitrige Entzündungen mit Abszessbildung oder Nekrose, meist eine einseitige Kastration.

Prognose

Im Hinblick auf die Erhaltung der Fruchtbarkeit des Hengstes, besteht immer eine zweifelhafte Prognose, da entzündliche Veränderungen des Hodengewebes innerhalb kürzester Zeit zu einer gestörten Spermienbildung führen. Die konkreten Heilungsaussichten richten sich nach Ausmaß, Verlauf und Dauer der Entzündung.