Die große Freiheit: Ausreiten

Träumt nicht jeder Reiter von einem unvergesslichen Ausritt auf seinem vierbeinigen Liebling? Ob über Stock und Stein, entlang der Küste oder einfach von Ort zu Ort. Das Gefühl, entspannt auf seinem Pferd zu sitzen und die Nase in den Wind zu halten, ist schon toll. Gemeinsam die Natur erkunden, vielleicht ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Reitgruppe oder mutig in einen See hineinreiten, um zu baden, all diese Bilder und Geschichten von traumhaften Reitausflügen glücklicher Pferd-Reiter-Paare hast bestimmt auch du gerade im Kopf. Wir alle wissen, dass es nicht immer nur strahlendes Glück auf vier Hufen gibt und der eine oder andere Reiter ganz schön ins Schwitzen gerät bei einem Ausritt durch unbekanntes Terrain. Doch wer ein wenig vorsorgt und ein paar Dinge beachtet, kann gute Voraussetzungen dafür schaffen, um begeistert und voller schöner Erinnerungen von einem Ausritt zurückzukehren.

INHALT
Vor dem Ausritt Augen auf … und Tempolimit Nach dem Ausritt
Vor dem Ausritt

Wer einen längeren Ritt durch die Landschaft plant, sollte sich vorher über seine Route Gedanken machen. Pferde, die noch nie vorher über unebenen Boden laufen mussten und die verschiedenen Untergründe nicht kennen, könnten Probleme bekommen. Natürlich lässt kein Reiter sein Pferd für einen einzigen Ausritt extra beschlagen, aber jeder kann sich vorab über die Reitwege informieren und die Route entsprechend anpassen.

Für einen der ersten Ausritte ist es sinnvoll, sich einen Ausreitpartner zu suchen. Ein erfahrenes Pferd-Reiter-Paar, das nicht nur die Wege kennt, sondern auch dir und deinem Pferd Sicherheit gibt. Sollte der Ausritt in einer Gruppe stattfinden, bitte am besten vorab um Rücksichtnahme, weil du oder dein Pferd noch nicht so erfahren ist. So lange noch nicht klar ist, wie sich das Pferd im Gelände und in einer Gruppe verhält, sollten Galopprennen nicht auf der Agenda stehen. Wer schon mal auf einem Pferd saß, das im Gelände durchgegangen ist, weiß wie verloren sich ein Reiter dann fühlen kann. Daher sollte gerade im Gelände, wo es keine Begrenzung, wie zum Beispiel die Hallenbande, gibt, die Sicherheit immer vorgehen. Wenn du dein Pferd einschätzen kannst und es dir schon gut „zuhört“, könnt ihr gemeinsam neue Wege erkunden.

Hier eine Checkliste für den Ritt:

  • Prüfe vorab das Equipment: Sind Sattel und Trense in Ordnung? Kein poröses Leder, keine angerissenen Steigbügelriemen? Ist alles vorhanden, was benötigt wird?
  • Welchen Schutz du für die Pferdebeine wählst, hängt davon ab, was dein Pferd kennt. Es ist nicht sinnvoll, einem Pferd erstmals Hufglocken anzulegen, wenn es ins Gelände geht. Es wird wahrscheinlich eher nervös tänzeln, als dass das Ganze zum Schutz beiträgt. Besser ein paarmal vorher zu Hause damit üben.
  • Je nach Jahreszeit solltest du an Fliegen- und Insektenschutz denken (vielleicht auch Fliegenohren fürs Pferd) – und vergiss dich selbst nicht dabei.
  • Reitest du in den Abendstunden oder einer dunklen Jahreszeit? Dann sind Reflektoren für eine bessere Erkennbarkeit und eine Stirnlampe für eine bessere Sicht sinnvoll.
  • Wenn du weißt, dass dein Pferd sich nicht überall vorbeitraut, rüste dich mit einer kleinen Gerte aus.
  • Trage unbedingt einen Helm, vielleicht auch eine Sicherheitsweste, Handschuhe und was dir sonst noch ein sicheres Gefühl vermittelt. Manche reiten lieber in Reitschuhen, andere tragen Reitstiefel, nur bitte keine Turnschuhe, mit denen du durch die Bügel rutschen könntest. Wenn du es nicht ohnehin schon hast, kann dein Sattel mit „Maria-Hilf“ versehen werden (ein Riemen, der als Haltegriff oben am Sattelbaum befestigt wird).
  • Hab für den Fall der Fälle ein Handy dabei.
  • Am besten informierst du Freunde aus dem Stall, dass du unterwegs bist und wann du ungefähr zurück sein willst.

Achtung! Wichtig ist, dass alle Neuerungen des Equipments deinem Pferd zuerst zu Hause nahegebracht werden. Bisher ungewohnte Decken, Fliegenohren, Hufschuhe und anderes können das Tier sonst nervös machen. Das möchtest du nicht in Feld, Wald und Wiese erproben.

petsXL Sunny springt Baumstamm
Augen auf … und Tempolimit

Die Sonne scheint aus wolkenlosem Himmel, du bist gut vorbereitet und dein Pferd scheint tiefenentspannt hinter einem seiner vierbeinigen Freunde herzutrotten. Endlich bist du über den ersten Feldweg mit den vielen kleinen Steinchen hinweg und biegst in einen Waldweg ein. Jetzt heißt es antraben. Voller Freude gibst du deinem Pferd den Impuls, einen Gang zuzulegen. Plötzlich stockt es und du merkst schnell, dass dein Pferd lahmt.

Beim Ausreiten braucht es auch Weitblick des Reiters, gerade auch für Pferde, die nicht so häufig im Gelände sind. Kleine Steinchen, die in den Huf drücken oder sich unter das Eisen geschoben haben, können Schmerzen verursachen oder sogar ein Hufgeschwür verursachen.

Bei einem Ausritt mit viel Schritt hat ein unerfahrenes Pferd auch eine Menge Eindrücke zu verarbeiten, denn es gibt viel zu sehen und zu hören. Da solltest du im Sattel immer wachsam bleiben, damit du von einem Sprung zur Seite nicht überrumpelt wirst.

Zudem gibt es einige Stolperfallen, die du als Reiter vorausschauend im Auge haben solltest. Baumwurzeln, dicke Steine, Gräben und ähnliche Hindernisse solltest du in einem angemessenen Tempo und mit ein wenig Vorsicht zu nehmen wissen.

Oftmals teilen sich Reiter, Radfahrer und Fußgänger die Wege. Deswegen sollte das Tempo immer so gewählt sein, dass du zügig zum Schritt durchparieren kannst, wenn es zum „Gegenverkehr” kommt. Wer also mal so richtig Gas geben will, tut sich und seinem Pferd einen Gefallen, wenn er dazu die Galoppbahn, die manche Ställe an ihren Anlagen haben, nutzt.

Nach dem Ausritt

Du bist glücklich und zufrieden wieder auf dem Hof angekommen? Das Gefühl vom gemeinsamen Abenteuer verbindet dich und dein Pferd nun sicher noch mehr. Jetzt ist nur noch ein bisschen Nachsorge zu erledigen und dann kann dein Pferd mit einer Menge neuer Eindrücke zurück in seine Bleibe.

Je nach Wetterlage und Anstrengung durch den Ausritt tut eine kühle Dusche gut. Beim Abspritzen der Beine kannst du gleich prüfen, ob alle Beine und Hufe gut aussehen, ob es irgendwo eine Schwellung oder Schnitte gibt und ob sich ein Eisen verschoben hat. Nimm dafür die Hufe bitte unbedingt hoch und schaue unter die „Füße“. Entferne mit einem Hufkratzer dabei gegebenenfalls kleine Steine oder anderes. Wenn das Wetter es zulässt, ist eine Ganzkörper-Dusche toll für dein Pferd. Schaue dabei unbedingt auch gleich nach Zecken oder anderem Getier, die dein Pferd eingesammelt haben könnte. Auf kleine Kratzer oder Wunden kannst du nach einer Reinigung und Desinfektion noch ein wenig Wundsalbe auftragen. Und vielleicht belohnst du deinen Schatz für den gelungenen Ausritt zum Schluss noch mit ein paar Äpfeln und bedankst dich für den gemeinsamen Spaß.