Zahnprobleme beim Pferd

Schon in den vergangenen Jahrhunderten spielte der Blick ins Pferdemaul eine wichtige Rolle, allerdings vorrangig, um das Alter des Pferdes zu bestimmen. Heutzutage geht es eher um die Themen Zahnpflege und Zahnerkrankungen beim Pferd. Zahnhygiene ist ein durchaus wichtiger Aspekt in der Gesunderhaltung des Pferdes. Die regelmäßige tierärztliche Kontrolle von Maulhöhle und Zähnen sollte mindestens einmal pro Jahr stattfinden. Die jährliche Kontrolluntersuchung und Routine-Zahnbehandlung kann von jeder Pferdepraxis durchgeführt werden. Bei speziellen Zahnproblemen oder Komplikationen empfiehlt es sich, eine auf Pferdezähne spezialisierte Praxis hinzuzuziehen. Typische Zahnprobleme beim Pferd sind Zahnstein sowie Haken- und Kantenbildung an den Backenzähnen durch ungleichmäßige Abnutzung. Bei der routinemäßigen Behandlung sind diese Befunde schnell behoben und Folgeschäden werden direkt abgewendet. Doch wie erkennen wir als Pferdebesitzer, ob unser Pferd Zahnprobleme hat?

INHALT
Zahnprobleme erkennen Zahnwechsel und Wolfszähne Zahninfektionen Zahnprophylaxe
Zahnprobleme erkennen

Die Zuordnung der Symptome zu tatsächlichen Zahnproblemen ist nicht ganz einfach. Der Grund dafür ist, dass man bei Pferden meist erst deutliche Anzeichen wahrnimmt, wenn eine Erkrankung bereits fortgeschritten ist. An den folgenden Anhaltspunkten kannst du als Pferdebesitzer:in erkennen, dass dein Pferd möglicherweise unter einem Zahnproblem leidet:

  • Fressunlust und verminderte Futteraufnahme
  • Mundgeruch und/oder Speicheln
  • Kaum verdaute Futterfasern im Kot
  • Wickelkauen – kleine Bündel aus Heu, die sich durch zu wenig oder kein Kauen gebildet haben und dem Pferd wieder aus dem Maul fallen
  • Durchfall
  • Ungewöhnliche Kaubewegungen
  • Abmagerung bei unveränderter Futtermenge

Symptome für Zahnschmerzen beim Reitpferd

Reiter sollten aufmerksam werden, wenn ihr Pferd Widerstand gegen das Gebiss oder die Trense zeigt. Kopfschlagen oder kopfscheues Verhalten können ebenfalls mögliche Indizien für Schmerzen im Maul- oder Zahnbereich sein. Probleme im Bereich des Kiefergelenks können sich beim Pferd in Form von Zähneknirschen äußern. Körperliche Blockaden oder schlechtsitzende Trensen, die einen Druckschmerz auf den Kiefer ausüben können dafür verantwortlich sein. Allerdings reagieren einige Pferde auch auf Überforderung oder Stress mit Zähneknirschen. Wenn das Pferd nur unter bestimmten Umständen beim Reiten mit den Zähnen knirscht, sollten die Reitweise und der Sitz des Sattels überprüft werden. Diese für das Reitpferd beschriebenen Symptome müssen mit einem übergeordneten Blick betrachtet werden, da Widersetzlichkeit beim Pferd auch durch viele andere Problematiken begründet sein kann.

Pferdezahnarzt
Regelmäßige tierärztliche Zahnkontrollen gehören für Pferdehalter:innen dazu
Zahnwechsel und Wolfszähne

Temporär auftretende Zahnschmerzen durch den Zahnwechsel können wir bei jungen Pferden in etwa bis zum siebten Lebensjahr beobachten. Beim Wechsel vom Milchzahn zum bleibenden Zahn kommt es hin und wieder zur Bildung von Kieferzysten, auch Bumps oder Knäste genannt. Diese sind meist äußerlich sichtbar durch eine nicht schmerzhafte, feste Schwellung, die sich in kurzer Zeit von allein wieder zurückbildet.

Sofern vorhanden, können auch die sogenannten Wolfszähne Probleme bereiten. Diese sind keine voll entwickelten Zähne, sondern Überbleibsel aus der Entwicklung des Pferdegebisses. Wolfszähne kommen nicht bei jedem Pferd und auch nicht immer in gleicher Art und Anzahl vor. Sie liegen in unterschiedlichem Abstand vor dem ersten Backenzahn und haben meist nur sehr kurze Wurzeln. Beim Reiten können die Wolfszähne dem Pferd durch Berührung und Druck des Gebisses Schmerzen bereiten. Auch Kauprobleme können auftreten. Es empfiehlt sich, diese Zähne fachgerecht tierärztlich entfernen zu lassen. Hierfür ist ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig, der unter leichter Betäubung im Stall vorgenommen werden kann.

Schema Aufbau Pferdezahn
1 Zahnkrone | 2 Zahnhals | 3 Zahnwurzel | 4 Zahnschmelz | 5 Dentin | 6 Zahnfleisch | 7 Pulpa | 8 Blutgefäße (blau/rot) und Nerv (gelb)
Zahninfektionen

Entzündungen im Pferdemaul können verschiedene Ursachen haben, sie treten allerdings vermehrt bei älteren Pferden auf und resultieren häufig aus Verletzungen durch scharfkantige Zahnspitzen oder Zahnfrakturen. Ausgehend von der Zahnwurzel oder dem Zahnfleisch kann sich eine Zahninfektion ausbreiten. Es treten unterschiedliche Symptome wie etwa Futterverweigerung, Maulgeruch, lokale Schwellungen oder auch Fieber auf. Ist die Infektion schon weit fortgeschritten und hat auch die Nasen- oder Kieferhöhlen in Mitleidenschaft gezogen, kann sich dies durch einseitigen Nasenausfluss äußern und sollte dringend tierärztlich behandelt werden. Unter Umständen müssen die infizierten Zähne dann unter Sedierung oder Vollnarkose gezogen werden.

Schaue also getrost auch dem "geschenkten Gaul" einmal ins Maul, da es nicht nur um das Alter, sondern vor allem um die Gesundheit deines Tieres geht.

Zahnprophylaxe

Lasse jährlich eine tierärztliche Routine-Zahnkontrolle machen. Besteht schon eine bekannte Gebissproblematik, kann dies auch halbjährlich sinnvoll sein. Nach einer größeren Gebisskorrektur ist ein Kontrolltermin nach acht Wochen zu empfehlen.