Die periodische Augenentzündung ist seit über 2000 Jahren bekannt und die häufigste beim Pferd auftretende Augenerkrankung. Sie beschreibt eine wiederkehrende Entzündung der Uvea, der mittleren Augenhaut. In der Veterinärmedizin wird die Bezeichnung „Equine rezidivierende Uveitis“ (ERU) verwendet. Die Erkrankung tritt wiederholt, anfangs in längeren und später in kürzeren Intervallen auf und kann zu erheblichen Beeinträchtigungen des Sehvermögens führen. Da die betroffenen Pferde oft an dieser Erkrankung erblindeten und man vermutete, dass sie mit den Mondphasen zusammenhing, wurde sie im Volksmund auch als "Mondblindheit" bezeichnet.
Die Uvea des Pferdeauges ist sehr empfänglich für Entzündungen. Aus diesem Grund können verschiedene allgemeine Erkrankungen wie Druse (siehe entsprechender Artikel) oder andere Atemwegserkrankungen eine Augenentzündung zur Folge haben. Nach wie vor sind noch nicht alle Faktoren bekannt, die an der Entstehung der ERU beteiligt sind. Die folgenden Faktoren kommen als Auslöser in Frage:
Lange wurden insbesondere Leptospiren als vorrangiger Auslöser der ERU angesehen. Heute wird vielmehr davon ausgegangen, dass die Bakterien in erster Linie die Barriere zwischen Blut und Auge, die sogenannte Blut-Augen-Schranke, durchbrechen und damit zu autoimmunvermittelten Prozessen im Innenauge führen. Der periodische Charakter der Entzündung entsteht durch im Auge verbleibende Entzündungsprodukte, die bei einem erneuten Kontakt mit dem Antigen (=körperfremde Struktur, die vom Immunsystem erkannt wird) ein wiederholtes Entzündungsgeschehen einleiten.
Durch den Entzündungsprozess können zwischen der Regenbogenhaut und Linse Verklebungen entstehen, die zusammen mit Entzündungsprodukten, die sich auf dem hinteren Teil der Linse ablagern, zu einer Linsentrübung führen können. Die Entzündung führt auch im Glaskörper zu Trübungen mit membranartigen Einlagerungen, die die Sicht weiter einschränken. Eine verfärbte Regenbogenhaut und Fibrinablagerungen in der vorderen Augenkammer können auch nach der akuten Phase noch vom einem/einer Tierärzt:in festgestellt werden. Bereits vier bis acht Wochen nach Abklingen des ersten Schubs kann es zur erneuten Entzündung kommen. Die Abstände zwischen den einzelnen Schüben sind anfangs ähnlich, können sich jedoch im weiteren Verlauf auch deutlich verkürzen. Folgeschäden der Entzündungen können eine Hornhaut-, Linsen- sowie Glaskörpertrübung sein, ein erhöhter oder erniedrigter Augeninnendruck und Verklebungen zwischen der Regenbogenhaut und der Linse. Kommt es durch mehrmalige unbehandelte Entzündungsschübe zu einer Ablösung der Netzhaut vom Augenhintergrund, führt dies in den meisten Fällen zu einer irreversiblen Erblindung des Pferdes.
Die Symptome variieren sehr stark in Abhängigkeit von der Schwere der Entzündung und werden daher im Anfangsstadium auch oft übersehen. Mit Fortschreiten der Erkrankung steigern sich die Symptome und Besitzer:innen fällt ein zusammengekniffenes Auge oder vermehrter Tränenfluss auf. Da die Abgrenzung zwischen einer eher harmlosen Bindehautentzündung und der schwereren inneren Augenentzündung, die oft auch mit einer Rötung der Bindehaut einhergeht, für Tierhalte:innen nicht immer einfach ist, sollte bei einem solchen Verdacht immer umgehend ein/e Tierärzt:in zu Rate gezogen werden.
Die im Inneren des Auges ablaufenden Entzündungsprozesse führen je nach genauer Lokalisation zu mehr oder weniger intensiven Schmerzen, die jedoch nicht immer gleich stark von jedem Pferd gezeigt werden. Charakteristisch für die ERU ist das wiederkehrende Auftreten, wodurch sie sich von anderen Augenentzündungen mit ähnlichen Symptomen abgrenzt. Zu den typischen Symptomen einer ERU gehören:
Im weiteren Verlauf der Erkrankung können Apathie und Fieber auftreten.
Um eine exakte Diagnose stellen zu können, ist die Vorgeschichte für deine/n Tierärzt:in von enormer Bedeutung. Nur so kann er/sie eine einfache von einer periodischen Augenentzündung unterscheiden. Zusätzlich zur allgemeinen Untersuchung führt deine/e Tierärzt:in eine spezielle Augenuntersuchung mittels Augenspiegel durch, um das Augeninnere und den Augenhintergrund genauer betrachten zu können. Die Diagnose ist in den meisten Fällen anhand der eindeutigen klinischen Symptome zu stellen. Ein sicherer Nachweis von Leptospiren-Antikörpern gelingt allerdings nur mit Hilfe einer in Kurznarkose durchgeführten Entnahme von Flüssigkeit aus der vorderen Augenkammer. Eine Blutuntersuchung empfiehlt sich in jedem Fall, um Informationen über den allgemeinen Gesundheitsstatus deines Pferdes und die Werte von Entzündungsparametern zu erhalten.
Im akuten Stadium der Erkrankung erfolgt die konservative, lokale Behandlung des erkrankten Auges. Hierfür werden je nach Grad der Entzündung und der Symptome schmerz- und entzündungshemmende Augensalben oder -tropfen eingesetzt. Pupillenerweiternde Medikamente sind nur dann sinnvoll, wenn auch eine starke Pupillenverengung vorliegt. Kommen diese Präparate zum Einsatz, darf das betreffende Auge in den darauffolgenden Tagen keinem starken Sonnenlicht ausgesetzt werden, da die normale Pupillenreaktion durch die Medikation in den ersten Tagen verhindert wird. Eine dunkle Box oder eine entsprechende Augenmaske bieten Schutz und verhindern, dass durch einen zu starken Lichteinfall die Netzhaut geschädigt wird. Besprich mit deinem/deiner Tierärzt:in, welche Augensalben oder -tropfen im Einzelfall sinnvoll sind und ob auch allgemeine Schmerzmittel oder Entzündungshemmer verabreicht werden müssen.
Rein medikamentös ist die Erkrankung jedoch meist nicht in den Griff zu bekommen. Um eine fortschreitende Schädigung des Auges und neue Entzündungsschübe zu verhindern, besteht die Möglichkeit einer Glaskörperoperation. Die sogenannte Vitrektomie bezeichnet die Entfernung des Glaskörperinhalts inklusive aller Entzündungsprodukte und Bakterien und die nachfolgende Auffüllung mit einer Ersatzflüssigkeit. Empfohlen wird diese Operationstechnik nahezu ausschließlich für Leptospiren-bedingte Entzündungen. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt und wird nur von wenigen darauf spezialisierten Tierärzt:innen durchgeführt. Bestehen noch keine Schädigungen von Linse oder Netzhaut, sind die Erfolgsaussichten dieser Operation sehr gut, da auch die Seefähigkeit durch Entnahme der getrübten Glaskörperinhalts verbessert wird. Nichtsdestotrotz sind jede Operation und Narkose immer auch mit Risiken verbunden. Daher bespricht dein/e Tierärzt:in mit dir, inwieweit eine Operation bei deinem Pferd sinnvoll ist.
Wird eine Glaskörper-Operation aufgrund zu weit fortgeschrittener Schädigung des Auges von deinem/deiner Tierärzt:in nicht empfohlen, gibt es die Möglichkeit weitere Entzündungsschübe durch die Implantation eines Chemotherapeutikums langfristig zu unterdrücken.
Je früher eine Behandlung eingeleitet wird und je weniger die Augen geschädigt sind, desto besser sind die Aussichten auf den vollständigen Erhalt der Sehfähigkeit des Auges. Mit Hilfe der Vitrektomie können inzwischen viele von ERU betroffen Pferde vor einem Fortschreiten der Erkrankung geschützt werden. Sind durch die Entzündung bereits irreparable Schäden an Linse oder Netzhaut entstanden, ist die Prognose als sehr schlecht einzustufen. Es ist in dem Fall mit einer Erblindung zu rechnen.
Aufgrund der vielschichtigen Ursachen der ERU ist eine umfassende Prophylaxe kaum möglich. Ein wichtiger Aspekt der Gesunderhaltung des Pferdeauges sind aber gute Haltungsbedingungen, gute Futter- und Einstreuqualität und hygienische Tränken. Da Mäuse als Überträger von Leptospiren gelten, ist auch auf eine adäquate Schädlingsbekämpfung im Stall zu achten.
Es empfiehlt sich außerdem regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durch deine/n Tierärzt:in durchführen zu lassen, um mögliche Veränderungen oder Erkrankungen bei deinem Pferd frühzeitig aufdecken zu können.
Unter einer Uveitis versteht man eine Entzündung der Aderhaut des Auges. Sie kann in eine vordere und eine hintere Entzündung unterteilt werden und äußert sich durch eine enge Pupille und gerötete Bindehäute.
Die Genickbeule wird wegen ihres Aussehens auch als Talpa, was Maulwurfsgeschwulst bedeutet, bezeichnet. Sie beschreibt alle entzündlichen Umfangsvermehrungen der Weichteile im Genickbereich des Pferdes. Die Mehrzahl der Fälle sind auf Entzündungen der unter dem Nackenband liegenden Schleimbeutel zurückzuführen.
Schon in den vergangenen Jahrhunderten spielte der Blick ins Pferdemaul eine wichtige Rolle, allerdings vorrangig, um das Alter des Pferdes zu bestimmen. Heutzutage geht es eher um die Themen Zahnpflege und Zahnerkrankungen beim Pferd. Zahnhygiene ist ein durchaus wichtiger Aspekt in der Gesunderhaltung des Pferdes. Die regelmäßige tierärztliche Kontrolle von Maulhöhle und Zähnen sollte mindestens einmal pro Jahr stattfinden. Die jährliche Kontrolluntersuchung und Routine-Zahnbehandlung kann von jeder Pferdepraxis durchgeführt werden. Bei speziellen Zahnproblemen oder Komplikationen empfiehlt es sich, eine auf Pferdezähne spezialisierte Praxis hinzuzuziehen. Typische Zahnprobleme beim Pferd sind Zahnstein sowie Haken- und Kantenbildung an den Backenzähnen durch ungleichmäßige Abnutzung. Bei der routinemäßigen Behandlung sind diese Befunde schnell behoben und Folgeschäden direkt abgewendet. Doch wie erkennen wir als Pferdebesitzer:innen ob unser Pferd Zahnprobleme hat?
Beim Hufkrebs handelt es sich um eine chronisch verlaufende Erkrankung der Huflederhaut. Im Gegensatz zum Hufabszess kommt es beim Hufkrebs nicht zum Absterben einzelner Zellen, sondern zu einem ungehemmten Wachstum einzelner Teile der Huflederhaut, begleitet von einer stinkenden Absonderung und einer ausbleibenden Verhornung dieses Gewebes. Aufgrund des Aussehens dieses übermäßig gewachsenen, blumenkohlartigen Gewebes entstand auch der Begriff „Hufkrebs“, obwohl es sich nicht um eine Krebserkrankung handelt.
Die Bornasche Krankheit, auch als ansteckende Gehirn- und Rückenmarksentzündung oder Kopfkrankheit der Einhufer bezeichnet, ist eine seltene Viruserkrankung des Nervensystems, die vor allem Pferde und Schafe betrifft. Aber auch andere Tiere und der Mensch sind grundsätzlich empfänglich für das Borna-Virus. Die Erkrankung wurde 1813 das erste Mal beschrieben als eine ganze Gruppe von Kavallerie-Pferden in der Stadt Borna erkrankte.
Lust auf ein wenig Spiel und Spaß mit deinem Kaninchen? Kaninchen sind intelligente Tiere. Mit Geduld und den richtigen Schritten kann es auch ein „High Five“ oder „Platz“ vorführen.
Die Ohrenentzündung beim Hund ist einer der häufigsten Vorstellungsgründe in der Tierarztpraxis. Oft wird sie jedoch zu spät erkannt und nicht konsequent behandelt. Der anatomische Aufbau des Gehörgangs beim Hund und dessen Länge begünstigen das Auftreten von Entzündungen. Aufgrund verschiedener Faktoren sind einige Hunderassen noch anfälliger dafür. Die Außenohrentzündung, auch Ohrenzwang genannt, tritt am häufigsten auf. Mittel- und Innenohrentzündungen kommen seltener vor. Diese können sich aber, sofern sie nicht frühzeitig erkannt werden, zu behandlungsintensiven, chronischen Erkrankungen entwickeln.
Hautpilz, auch als Dermatomykose bezeichnet, gehört zu den häufigsten infektiösen Hauterkrankungen der Katze. Er ähnelt in seinem Erscheinungsbild vielen anderen Hauterkrankungen und ist daher nicht immer leicht zu diagnostizieren. Viele Pilzarten sind auch auf den Menschen übertragbar, es handelt sich also um eine Zoonose.
Wenn sich unser Pferd vermehrt scheuert, solltest du genauer hinschauen, da Juckreiz das Leitsymptom vieler Hautkrankheiten oder Allergien beim Pferd sein kann. Auch einige Stoffwechselerkrankungen können beim Pferd Juckreiz hervorrufen. Dieser Zustand ist sehr belastend für dein Pferd und sollte daher zeitnah durch deine/n Tierärzt:in untersucht und behandelt werden.
Es ist ein dramatischer Anblick, wenn das eigene Pferd das Hinterbein plötzlich nicht mehr beugen kann und kaum noch laufen mag. In vielen Fällen löst sich die Kniescheibenverlagerung wieder von selbst und dein Pferd läuft wieder ganz normal. Löst sich die Verlagerung nicht, muss tierärztlich Abhilfe geschaffen werden. Mit einem gekonnten Handgriff sowie einem Rückwärts- oder Seitwärtsführen des Pferdes wird dafür gesorgt, dass dein Pferd wieder normal laufen kann. Ein kurzer Exkurs in die Anatomie des Kniegelenks liefert eine einfache Erklärung für dieses Phänomen.
Für Pferdebesitzer:innen und Reiter:innen oft ein dramatischer Anblick: von einem Tag auf den anderen zeigt dein Pferd plötzlich eine hochgradige Lahmheit. Die betroffene Gliedmaße wird stark geschont oder gar nicht mehr richtig aufgesetzt. Gelegentlich, jedoch nicht immer, fühlt sich der betroffene Huf wärmer an als die anderen Hufe. Es ist offensichtlich: dein Pferd hat starke Schmerzen. Du vermutest das Schlimmste. Nicht selten handelt es sich dabei aber "lediglich" um ein Hufgeschwür. Der umgangssprachliche Begriff Hufgeschwür ist irreführend, da es sich nicht um ein Geschwür, also eine Gewebewucherung handelt, sondern um eine eitrige Entzündung in Form eines Abszesses. Rufe in einem solchen Fall umgehend deine/n Tierärzt:in.
Rotz, oft auch als Hautrotz oder Hautwurm bezeichnet, gehört zu den am längsten bekannten Erkrankungen des Pferdes. Es handelt sich dabei um eine bakterielle, seuchenhaft auftretende Infektionskrankheit, die durch eitrige Haut- und Schleimhautgeschwüre und einen meist chronischen Verlauf gekennzeichnet ist. Während die Erkrankung in Asien, Afrika und Südamerika noch verbreitet ist, galt sie in Deutschland bereits seit 1956 als ausgerottet. Im Jahr 2015 wurde sie zum ersten Mal wieder bei einem Pferd festgestellt. Aufgrund der Gefahr auch für den Menschen ist die Erkrankung nach wie vor meldepflichtig.