FSME – auch Hunde und Pferde sind betroffen

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (=FSME) ist eine virale Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch Zecken übertragen wird. Sie kommt in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz großräumig sowie weiter nördlich in einzelnen Gebieten vor. Infiziert werden nicht nur der Mensch, sondern auch Hunde, Pferde sowie Schafe, Ziegen und Rinder. Die Erkrankung kann in schweren Fällen tödlich verlaufen.

INHALT
Erreger, Verbreitung und Übertragung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe Das richtige Entfernen von Zecken
Erreger, Verbreitung und Übertragung

Erreger der FSME ist das FSME-Virus. Dieses wird vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen. Die am meisten betroffenen Bundesländern sind Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Hessen und Thüringen. Dort tragen ein bis vier Prozent der Holzbock-Zecken das FSME-Virus in sich. Die Verbreitung schreitet jedoch durch die Klimaerwärmung stetig nach Norden voran. So wurden 2025 beispielsweise auch der Landkreis Celle und der Landkreis Elbe-Elster zum Risikogebiet ausgewiesen. Aktuelle Informationen findest du über das Robert-Koch-Institut unter https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/F/FSME/Karte.html.

Die Übertragung des FSME-Virus erfolgt direkt während des Stichs der Zecke und nicht zeitverzögert wie bei der Borreliose, Anaplasmose, Babesiose oder Ehrlichiose (siehe entsprechende Artikel). Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist bei Tieren relativ gering. Man geht davon aus, dass sie in befallenen Gebieten häufig mit dem FSME-Virus in Kontakt kommen, sodass eine natürliche Resistenz entsteht. Immungeschwächte Tiere können jedoch schwer erkranken. Da der Nachweis schwierig ist und die FSME bei neurologischen Symptomen nicht immer in Betracht gezogen wird, kommt sie eventuell öfter vor als gedacht.

Katzen sind nach bisherigem Kenntnisstand nicht empfänglich für das FSME-Virus. Rinder, Schafe und Ziegen erkranken in der Regel nicht, übertragen das FSME-Virus jedoch über Rohmilch.

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von einer Woche treten für vier bis acht Tage Symptome auf. Diese sind zu Beginn auffällige Teilnahmslosigkeit, teils hohes Fieber und Gleichgewichtsstörungen, beim Pferd auch Koliken. Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns und Nervensystems betroffen sind, folgen darauf:

  • Koordinations- und Bewegungsstörungen, unkontrollierte Bewegungen
  • Lähmungen von Gliedmaßen
  • Schreckhaftigkeit
  • Krampfanfälle
  • Schmerzen im Hals- und Nackenbereich sowie Rücken
  • Überempfindlichkeit bei Berührung

Die Symptome können bei schweren Verläufen dauerhaft bestehen bleiben.

Diagnose

Wurde dein Tier in einem FSME-Gebiet von einer Zecke gestochen und zeigt die oben genannten Symptome, stellt deine Tierarztpraxis nach einer allgemeinen Untersuchung die Verdachtsdiagnose FSME. Es werden dann Blutuntersuchungen durchgeführt. Um eine FSME sicherer nachzuweisen, muss zusätzlich Liquor (=Flüssigkeit aus dem Rückenmark und/oder dem Gehirn) entnommen werden. Dieser Eingriff findet unter Vollnarkose statt. Mit 100%iger Sicherheit kann eine FSME jedoch nur durch Untersuchungen nach dem Tod nachgewiesen werden.

Behandlung

Ein spezielles Medikament gegen FSME-Viren gibt es derzeit noch nicht. Deine Tierarztpraxis kann nur versuchen, die Symptome zu lindern, sowie die Schmerzen so weit wie möglich zu minimieren. Bei Krampfanfällen werden Antiepileptika gegeben.

Prognose

Beim Hund hängt die Prognose vom Schweregrad der Erkrankung ab. Milde Verlaufsformen haben oft eine gute Prognose. Es kommen jedoch bleibende Schäden, wie beispielsweise die Lähmung einer Gliedmaße vor. In schweren Fällen, insbesondere bei Krampfanfällen, ist die Prognose schlecht bis aussichtslos. Es verbleibt oftmals nur noch die Euthanasie (=Einschläfern).

Bricht die Erkrankung beim Pferd aus, verläuft sie meist schwerwiegend und endet häufig mit dem Tod beziehungsweise der Euthanasie.

Prophylaxe

Da FSME-Viren beim Zeckenstich sofort übertragen werden, bietet das frühe Entfernen von Zecken keinen Schutz. Damit es gar nicht erst zum Zeckenstich kommt, ist beim Hund eine ganzjährige Zecken-Prophylaxe anzuraten. Es stehen verschiedene zeckenabweisende und -abtötende Medikamente zur Verfügung. Du kannst dafür beispielsweise Halsbänder oder Spot-ons (=Medikament, das in den Nacken geträufelt wird) nutzen. Bei einigen Hunderassen gibt es Unverträglichkeiten. Besprich unbedingt mit deiner Tierarztpraxis, welches Präparat für deinen Hund geeignet ist.

Besteht bei deinem Hund ein hohes Infektionsrisiko, ist es möglich, FSME-Impfstoff für Kinder zur Schutzimpfung deines Hundes zu verwenden. Hierzu berät dich deine Tierarztpraxis individuell.

Für Pferde gibt es leider keine Prophylaxe-Maßnahme, außer bei Ausritten hohes Gras und schattige Plätze zu meiden. Beim Weidegang besteht in FSME-Gebieten ein nicht zu verhinderndes Risiko einer Infektion.

Das richtige Entfernen von Zecken

Auch wenn es eine FSME-Infektion nicht verhindert, solltest du jede Zecke möglichst schnell entfernen, da sie auch andere Krankheitserreger übertragen kann.

Um die Zecke korrekt und vollständig zu entfernen, verwende immer eine Zeckenzange oder Zeckenkarte. Greife damit die Zecke so nah wie möglich an der Haut deines Tieres. Ziehe die Zecke langsam heraus, ohne sie zu drehen oder zu quetschen. Wird die Zecke gequetscht oder gerät durch zu lange Manipulation in Stress, gibt sie vermehrt Speichel und damit Erreger ab. Bleiben beim Entfernen Mundwerkzeuge oder der Kopf der Zecke stecken, kann dies zu Entzündungen oder allergischen Reaktionen führen.

Desinfiziere danach die Einstichstelle sowie deine Hände gründlich. Entsorge die Zecke, indem du sie verbrennst oder in Küchenpapier wickelst und zerdrückst. Alternativ kannst du sie auch einfach zwischen zwei Klebestreifen fixieren. Entsorge sie danach über den Hausmüll. Wenn du wissen möchtest, ob die Zecke mit dem FSME-Virus oder anderen Erreger befallen ist, sende sie lebend in einem gut verschlossenen Kunststoffbeutel per Post an ein Spezial-Labor.

Beobachte dein Tier in den nächsten Wochen auf Anzeichen wie Fieber, Nackensteifigkeit, Wahrnehmungs- oder Bewegungsstörungen. Suche bei Verdacht auf eine Infektion umgehend deine Tierarztpraxis auf.