Hornspalten – Fehlbelastungen verursachen Risse in der Hufwand

Hornspalten zählen zu den häufigen Hufproblemen beim Pferd und führen ohne Behandlung zu dauerhaften Formveränderungen des Hufes. Sie verlaufen immer in Längsrichtung zwischen dem Kronrand und dem Tragrand. Ein Hornspalt ist eine Eintrittsstelle für Bakterien und Pilze. Im feuchtwarmen Milieu des Spalts vermehren sich diese und lösen das Horn weiter auf. Liegt schlussendlich die Lederhaut offen, entstehen eitrige Entzündungen, die mit Lahmheiten einhergehen.

INHALT
Vorkommen Einteilung und Verlauf Ursachen Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Vorkommen

Hornspalten treten in der Regel nur an einem Huf auf und das vorwiegend an den Vordergliedmaßen. Bei schweren Zugpferden kommen sie an den Hinterhufen vor. Die meisten Hornspalten entstehen in der Zehenmitte sowie im Bereich der seitlichen Hufwand nahe der weitesten Stelle des Hufes.

Einteilung und Verlauf

Neben den vom Kronrand bis zum Tragrand durchgehenden Hornspalten gibt es reine Kronrandhornspalten oder Tragrandhornspalten. Die beiden letzeren haben jedoch die Tendenz zum Weiterreißen und so zu einer durchgehenden Hornspalte zu werden.

Je nachdem, welchen Bereich der Hufwand die Hornspalte betrifft, bezeichnet man sie als Vorderwand-, Seitenwand- oder Trachtenwandspalte. Hornspalten können auch an den Hornwand-Eckstreben, Eckstreben, am Strahl sowie an der Sohle auftreten. Diese werden jedoch als Eckwand-, Eckstreben-, Strahl- beziehungsweise Sohlenbrüche bezeichnet.

Oberflächliche Hornspalten betreffen nur die äußerste, dünne Glasurschicht des Hufes. Diese schützt das darunterliegende Horn vor Austrocknung und dem Eindringen von Keimen. Oberflächliche Hornspalten werden auch als Windrisse bezeichnet.

Tiefe Hornspalten reichen bis in das Röhrchenhorn, also eine Schicht tiefer. Diese ist die mittlere, dickste und tragfähigste Schicht der Hufwand und besteht aus Millionen von parallel nach unten verlaufenden Hornröhrchen.

Bei durchdringenden Hornspalten sind alle Hornschichten, inklusive des Blättchenhorns (=innerste Schicht mit Verbindung zur Lederhaut), zertrennt. Dadurch ist die Stabilität der Hornkapsel des Hufes deutlich geschwächt. Bis auf die Lederhaut reichende Hornspalten führen durch eindringende Keime in den meisten Fällen zu einer eitrigen Huflederhautentzündung. Es kommt vor, dass sich daraus Abszesse abkapseln.

Ein oberflächlicher Hornspalt kann durch weitere mechanische Belastung oder eindringende, hornzersetzende Keime zu einem tiefen oder durchdringenden Hornspalt werden. Aus einem durchdringenden Hornspalt kann sich wiederum eine Hornsäule (siehe entsprechender Artikel) entwickeln.

Ursachen

Die meisten Hornspalten entstehen durch Gliedmaßen- oder Huf-Fehlstellungen und Hufbearbeitungs- beziehungsweise Hufbeschlagfehler, die zu ungleichen Belastungsverhältnissen im Huf führen. Durch eine übermäßige Belastung einzelner Wandabschnitte entstehen so hohe Spannungen in der Hornkapsel, dass das Horn den Zugkräften und der Dehnung nicht mehr standhalten kann und einreißt. Auch zu lange Beschlagperioden oder der Verlust eines Stollens können zu diesen Fehlbelastungen führen.

Verletzungsbedingte Auslöser für Hornspalten sind Tritte anderer Pferde, eigene Tritte ins Vorderbein mit dem Eisen des Hinterbeins oder Streifen mit dem gegenüberliegenden Huf. Wird bei einem Krontritt die Kronlederhaut verletzt, kann dies zu einer gestörten Wandhornbildung und damit zum Entstehen einer Kronrandhornspalte führen. Auch bei anderen Verletzungen, beispielsweise durch Zaundraht, kann sich eine Hornspalte bilden.

Die Entstehung von Hornspalten wird durch eine verminderte Hornqualität begünstigt. Ursache hierfür können Stoffwechselstörungen, aber auch mangelhafte Ernährung oder genetische Veranlagung sein. Während Rassen wie das Englische Vollblut häufig feineres und weniger belastbares Hufhorn haben, ist dieses bei robusteren Rassen wie Kaltblutpferden meist dichter und widerstandsfähiger. Auch eine falsche, das Horn austrocknende Hufpflege beeinflusst die Hornqualität negativ.

Außerdem wirken sich die Haltung und Nutzung deines Pferdes direkt auf seine Hufe aus. Feuchte und/oder verschmutzte Boxen und Paddocks, zu harte Böden, unregelmäßige Bewegung sowie einseitige oder zu hohe Belastung führen zu ungleichmäßigen Belastungsverhältnissen im Huf.

Symptome

Oberflächliche und tiefe Hornspalten lösen zunächst keine Symptome aus, außer des sichtbaren Risses. Durch Fäulniskeime kann eine schmierig-faulige, grauweiße bis schwärzliche, übelriechende Masse am Spalt auftreten.

Bei durchdringenden Hornspalten entleert sich aus dem Spalt gelegentlich Blut oder Eiter. Meist kommt es durch die Lederhautentzündung zu einer teils starken Stützbeinlahmheit. Im Stand wird der Huf entlastet. Die Hornspaltenumgebung ist warm und bei Betasten schmerzhaft. Die Ränder des Hornspaltes bewegen sich bei Belastung: Vorderwandhornspalten verengen, Trachtenwandhornspalten erweitern sich und nehmen nach der Entlastung des Hufes wieder ihre ursprüngliche Weite an. Bei Kronrandhornspalten kann eine Phlegmone (=eitrige Entzündung des Unterhautbindegewebes) am Kronrand entstehen. Die entzündliche Schwellung breitet sich unbehandelt weiter nach oben aus.

Bei Verdacht auf einen Hornspalt solltest du dein Pferd sofort schonen, um die Belastung des betroffenen Hufes zu reduzieren. Eine zeitnahe Untersuchung durch deine/n Tierärzt:in ist wichtig, um die Tiefe und Ursache des Hornspaltes zu ermitteln und eine frühzeitige und gezielte Behandlung einzuleiten. Tritt eine starke Lahmheit, deutliche Schmerzen, Blutungen, Eiter oder eine Instabilität der Hornkapsel auf, muss dein Pferd sofort tierärztlich behandelt werden.

Diagnose

Der Huf deines Pferdes muss für die tierärztliche Untersuchung gründlich gereinigt sein, um kleinere Hornspalten nicht zu übersehen. Deine/n Tierärzt:in führt eine klinische Untersuchung des Hufes durch, bei der er/sie die Lage, Tiefe und Ausdehnung des Hornspaltes sowie die Beweglichkeit der Spaltränder unter Be- und Entlastung beurteilt. Die Tiefe des Hornspaltes kann er/sie durch Einführen einer Sonde genau ermitteln. Durch Abtasten mit der Hufzange überprüft dein/e Tierärzt:in, ob und in welchem Hufbereich dein Pferd Schmerzen hat. Blutungen oder Eiter im Spalt weisen direkt auf eine Beteiligung der Huflederhaut hin.

Bei einer Lahmheit führt dein/e Tierärzt:in, soweit möglich, eine Bewegungsanalyse im Schritt und Trab sowie Beugeproben durch. Bei einer weiterhin unklaren Lahmheit kann er/sie die exakte Lokalisation des Schmerzes durch eine Nervenanästhesie an der unteren Gliedmaße ermitteln.

Behandlung

Hornspalten können an den Spalträndern nicht wieder zusammenwachsen. Die Heilung erfolgt durch Nachwachsen von neuem zusammenhängendem Wandhorn vom Kronrand herab. Die Behandlung zielt also darauf ab, die Ursache der Hornspalte abzustellen und ein normales Hornwachstum zu ermöglichen.

Wichtigste Maßnahme ist eine sachgemäße Hufbearbeitung, die möglichst gleichmäßige Belastungsverhältnisse im Huf herstellt. Die Korrektur der Hufform erfolgt über mehrere Beschlagintervalle. Eine einmalige Anpassung reicht in der Regel nicht aus. Zusätzlich stabilisiert ein angepasster orthopädischer Beschlag den Huf. Zum Einsatz kommen Hufeisen mit Steg, Platten oder Einlagen, die die Last auf der Sohle und der Hufwand verteilen.

Um ein zusammenhängendes Hornwachstum von der Krone herab zu erreichen, darf der Kronbereich möglichst wenig erschüttert werden. Zur Entlastung wird der Tragrand auf der Breite des Hornspaltes um zwei bis drei Millimeter gekürzt, so dass er nicht auf dem Hufeisen aufliegt. So bekommt er keinen Bodendruck mehr. Die Ausdehnung dieser sogenannten Schwebe ist vom Verlauf des Hornspaltes abhängig.

Bei ausgeprägten oder tiefen Hornspalten erfolgt eine direkte Stabilisierung des Risses. Klammern, Drähte oder moderne Klebetechniken mit Kunststoffklebstoffen und Verstärkungsfasern schließen den Spalt und fördern ein kontrolliertes Zusammenwachsen. Während der Heilungsphase bleibt so die Belastbarkeit des Hufes weitgehend erhalten.

Sind Bereiche des Hornspaltes mit Keimen infiziert, entfernt dein/e Tierärzt:in das geschädigte Hornmaterial unter lokaler Betäubung und legt einen Schutzverband an. Neben entzündungshemmenden Medikamenten kommen bei bakteriellen Infektionen Antibiotika, bei pilzbedingten Infektionen Antimykotika zum Einsatz.

Durchdringende Hornspalte müssen von deinem/deiner Tierärzt:in ebenfalls chirurgisch versorgt werden. Dazu wird der Huf mit einem warmen Angussverband mit desinfizierenden Mitteln vorbereitet. Unter örtlicher Betäubung wird dann das Horn seitlich des Hornspaltes dünn geraspelt beziehungsweise gefräst und bis zur Huflederhaut freigelegt. Dies soll verhindern, dass die Lederhaut durch die sich bewegenden Ränder des Hornspaltes mechanisch gereizt wird. In chronischen Fällen mit schlechter Heilungstendenz kann dein/e Tierärzt:in wie bei der Hornsäule den betreffenden Wandabschnitt ganz herausschneiden. Bei durchdringenden Kronrandhornspalten kann am Kronrand ein halbmondförmiges Stück der Hornwand herausgeschnitten werden, um ein ungestörtes Nachwachsen des Horns zu gewährleisten. Nach der chirurgischen Behandlung legt dein/e Tierärzt:in einen Schutzverband an, der regelmäßig erneuert wird. Durch vermehrte Hornbildung kann anfangs eine Verdickung entstehen, die abgeraspelt werden muss. Hat dein Pferd keinen ausreichenden oder einen unklaren Tetanus-Impfschutz, erfolgt außerdem eine Tetanusimpfung (siehe entsprechender Artikel).

Wird ein Hornspalt rein durch Hufbearbeitung und orthopädischen Beschlag behandelt, darfst du dein Pferd leicht bewegen. Um den Hufmechanismus und die Durchblutung aufrechtzuerhalten, ist kontrollierte, gleichmäßige Bewegung förderlich. Unkontrollierte, harte oder einseitige Belastung muss jedoch unbedingt vermieden werden. Bei chirurgischer Therapie muss vorerst Boxenruhe gehalten werden.

Durch deine regelmäßige Hufpflege wird der gesamte Behandlungsverlauf begleitet. Die Pflege des Kronrandes unterstützt das Wachstum von gesundem Horn und die Regeneration der Wachstumszone. Eine ausreichende Nährstoffversorgung mit Biotin, Zink, Vitamin A und speziellen Aminosäuren unterstützt die Bildung von stabilem Hufhorn. Eine gute Hornqualität erhöht die Belastbarkeit und beschleunigt das Herauswachsen der Hornspalte. Dein/e Tierärzt:in berät dich gerne, welche Hufpflegeprodukte und Ergänzungsfuttermittel für dein Pferd sinnvoll sind.

Die gesamte Behandlung kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Das Hufhorn wächst um circa einen Zentimeter pro Monat. Es dauert also etwa ein Jahr, bis es vom Kronrand bis zum Boden herunter gewachsen ist. Eine regelmäßige Kontrolle durch deine/n Tierärzt:in und Hufschmied:in beziehungsweise Hufbearbeiter:in ist die Voraussetzung für den Behandlungserfolg.

Prognose

Kann die Ursache der Hornspalte abgestellt werden, ist die Prognose bei konsequenter Behandlung gut. Dabei sind Tragrandhornspalten und oberflächliche Hornspalten einfacher erfolgreich zu behandeln als Kronrandhornspalten und durchdringende Hornspalten mit Lederhautentzündung. Ist bereits eine Kronrand-Phlegmone oder Hornsäule entstanden, verschlechtert sich die Prognose. Auch durchdringende Eckwand- und Eckstrebenbrüche haben eine ungünstigere Prognose.

Prophylaxe

Da Hornspalten primär durch Fehlbelastungen des Hufes entstehen, ist eine regelmäßige, fachgerechte Hufbearbeitung die wirksamste Prophylaxe gegen Hornspalten. Lass die Hufe deines Pferdes je nach individuellem Hufwachstum alle vier bis acht Wochen von einem/einer qualifizierten Hufschmied:in beziehungsweise Hufbearbeiter:in bearbeiten. Zu lange Hufe erzeugen extreme Hebelwirkungen auf das Hufhorn.

Ammoniak aus Urin greift das Hufhorn an, wodurch Keime leichter in kleinste Risse eindringen können. Zu hohe Feuchtigkeit weicht das Hufhorn auf und macht es instabil. Achte deshalb auf eine gute Stall- und Paddockhygiene. Auch zu trockenes Horn verliert seine Elastizität und reißt schneller. Wässere die Hufe deshalb bei Trockenheit regelmäßig.

Um ein gesundes Hornwachstum zu fördern, solltest du den Kronrand immer pflegen. Eine ausgewogene Fütterung unterstützt dies. Achte dabei auf eine ausreichende Zufuhr von Biotin, Zink, Vitamin A und speziellen Aminosäuren. Lass dich zum Thema Hufpflegeprodukte und Ergänzungsfuttermittel von deinem/deiner Tierärzt:in beraten.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.