Mauke – das Fesselekzem mit vielen Ursachen

Mauke ist eine entzündliche Hautveränderung im Fesselbereich des Pferdes, eine sogenannte Fesseldermatitis, auch Fesselekzem genannt. Meist sind die Fesselbeugen und hauptsächlich die Hinterbeine betroffen. Mauke kann viele Ursachen haben, wobei die klassische Mauke haltungsbedingt durch Feuchtigkeit und mangelnde Stall- oder Paddockhygiene entsteht.

INHALT
Vorkommen Ursachen Einteilung und Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Vorkommen

Am häufigsten kommt Mauke bei Pferden mit langem, dichtem Fesselbehang, wie beispielsweise bei Kaltblütern, Tinkern oder Friesen, vor. Grundsätzlich können jedoch alle Pferde an Mauke erkranken. Meistens ist die Fesselbeuge betroffen, in der Keime durch Feuchtigkeit optimale Wachstumsbedingungen haben. In langem Behang halten sich Feuchtigkeit sowie Schmutz besonders hartnäckig. Mauke kann jedoch auch an den Seiten oder der Vorderseite der Fessel auftreten. Häufig sind nicht-pigmentierte, weiß behaarte Hautbereiche betroffen.

Ursachen

Mauke kann verschiedene Ursachen haben. Als klassische Mauke wird eine bakterielle Infektion bezeichnet, die haltungsbedingt durch Feuchtigkeit und mangelnde Stall- oder Paddockhygiene entsteht. Die Haut weicht auf und es bilden sich Risse. So können Bakterien aus der Umgebung oder der körpereigenen Hautflora eindringen und zu einer Entzündung führen. Zu den häufigsten bakteriellen Erregern der Mauke gehören die Staphylokokken. Sie treten jedoch selten allein auf, sondern meist mit anderen Bakterien, Hautpilzen oder Milben zusammen.

Bei verschiedenen anderen Erkrankungen kann ebenfalls eine Fesseldermatitis auftreten. Diese betreffen dann teilweise nicht nur den Fesselbereich, sondern auch andere Körperbereiche. Es kommen außerdem Kombinationen mehrerer Erkrankungen vor.

  • Bakterien:
  • Staphylokokken-Infektion: Diese kann neben den Fesseln auch andere Hautbereiche in Form einer eitrigen Hautentzündung betreffen.
  • Dermatophilose (siehe entsprechender Artikel): Bei Pferden, die auf matschig-feuchtem Untergrund stehen sind vor allem die Fesseln betroffen. Ansonsten befinden sich Hautveränderungen in den Körperbereichen, die Regen ausgesetzt sind, wie beispielsweise der Sattellage.
  • Pilze:
  • Dermatophytose (siehe Artikel Hautpilz): Tritt häufig an weiteren Körperstellen auf. Achtung, es handelt sich um eine Zoonose (siehe entsprechender Artikel)!
  • Milben:
  • Chorioptesmilben-Befall: Neben den Fesseln ist häufig die Schweifrübe betroffen. Die Milbenanzahl und damit die klinischen Symptome steigen im Winter.
  • Herbstgrasmilben-Befall (siehe entsprechender Artikel): Dieser tritt im Spätsommer und Herbst auf und betrifft Körperstellen, die viel in direktem Kontakt mit Gras stehen. Dies sind neben den unteren Gliedmaßen das Maul, die Nase, das Gesicht, die Ohren und/oder der Hals.
  • Autoimmunerkrankungen:
  • Pemphigus foliaceus: Eine überschießende Immunreaktion gegen die eigenen oberflächlichen Hautzellen führt zu einer Hautentzündung. Diese beginnt an den Beinen und/oder im Gesicht und breitet sich dann weiter auf andere Körperbereiche aus. Häufig kommen zusätzlich Teilnahmslosigkeit, Fressunlust und/oder Fieber vor.
  • UV-Licht-bedingte Erkrankungen:
  • Photoaktivierte Vaskulitis: Diese immunbedingte Entzündung der Blutgefäße in der Haut wird vermutlich durch UV-Strahlen ausgelöst. Sie tritt deshalb meist nur im Sommer und bei nicht-pigmentierter, weiß behaarter Haut auf.
  • Photosensibilisierung (=erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht): Diese kann durch vermehrtes Fressen von Johanniskraut, Buchweizen oder Weidelgras entstehen. Auch die Fütterung größerer Mengen an Luzerne oder Weizen sowie die Gabe bestimmter Antibiotika können dazu führen.
  • Kontaktdermatitis (=Hautentzündung durch Kontakt mit hautreizenden Substanzen): Diese entsteht an den Fesseln meist durch Pflanzen wie beispielsweise Scharfer Hahnenfuß, Bärenklau, Brennnesseln oder Disteln. Auch der Kontakt mit Einstreu, Urin oder Kot kann dazu führen.
Einteilung und Symptome

Mauke kann in verschieden Formen auftreten:

  • Bei der milden Form ist nur die oberflächliche Haut betroffen. Es entstehen trockene Schuppen und Krusten mit Haarverlust.
  • Bei der exsudativen Form sind auch tiefere Hautschichten betroffen. Durch die Entzündung tritt Flüssigkeit aus. Neben dem Haarverlust entsteht eine Rötung sowie dicke eitrige Krusten. Diese Form kann zum Verlust der obersten Hautschicht führen.
  • Die chronisch-proliferative Form wird auch Warzenmauke genannt. Durch eine übermäßige Bildung von Hautgewebe entstehen Verdickungen mit knötchenartiger Oberfläche.

Je nachdem wie stark die Mauke ausgeprägt ist, kommt es zu Juckreiz und/oder Schmerzen. Entstehen tiefe Hautrisse und Schwellungen, kann dies zu einer Lahmheit führen.

Breitet sich eine Mauke weiter bis zu den Karpal- oder Sprunggelenken aus, wird sie als Raspe bezeichnet. Es kann dann das gesamte Unterbein anschwellen.

Diagnose

Die „Diagnose“ Mauke ist für deine/n Tierärzt:in rein visuell und einfach zu stellen. Mauke ist jedoch streng genommen keine Diagnose. Um die Ursache zu finden, also die tatsächliche Diagnose zu stellen, erfragt dein/e Tierärzt:in zuerst genau die Vorgeschichte der Erkrankung und beurteilt die Haltung deines Pferdes. Tritt die Mauke ganzjährig oder nur saisonal auf? Sind nur die Fesseln oder auch weitere Körperbereiche erkrankt? Ist nur dein Pferd oder sind weitere Pferde im Stall betroffen? Dein/e Tierärzt:in führt danach eine allgemeine Untersuchung deines Pferdes durch. Die weitere Diagnostik erfolgt dann in der Regel durch ein oberflächliches Hautgeschabsel oder ein Klebefilm-Abklatschpräparat (=Untersuchungsmethode, bei der die Erreger an einem Klebefilm festhaften) mit nachfolgender mikroskopischer Untersuchung. Bei Verdacht auf Dermatophytose legt dein/e Tierärzt:in eine Pilzkultur (=gezielte Vermehrung von Pilzen auf einem Nährboden) an und untersucht diese. Bei Verdacht auf Pemphigus foliaceus oder photoaktivierter Vaskulitis entnimmt er/sie eine Biopsie.

Behandlung

Hat dein Pferd viel Behang, rasiert dein/e Tierärzt:in die Fesseln zunächst aus. Ausgeprägte Verkrustungen entfernt er/sie mit lauwarmem Wasser und einer antiseptischen Seife zu Beginn einmal komplett. Gegebenenfalls sind dazu Umschläge zum Einweichen nötig, um alle Krusten abzulösen. Danach erfolgt die meist mehrwöchige Therapie mit antiseptischem Shampoo, Spray und/oder Creme. Je nach Ursache wird der betroffene Bereich mit einem Antimykotikum (=Medikament zur Behandlung von Pilzinfektionen) oder Antiparasitikum (=Medikament gegen Parasiten) behandelt. Teilweise ist die Gabe eines oralen (=über das Maul gegebenen) Antibiotikums oder Antiparasitikums notwendig.

Ist dein Pferd an Pemphigus foliaceus erkrankt, bekommt es meist lebenslang Kortison, um das Immunsystem zu unterdrücken. Die anfänglich hohe Kortison-Dosis wird schrittweise reduziert, bis die niedrigste mögliche Erhaltungsdosis erreicht ist. Teilweise kann das Kortison wieder ganz abgesetzt werden. Auch bei photoaktivierter Vaskulitis wird in schweren Fällen Kortison sowie eventuell weitere spezielle Medikamente gegeben. Bei allen UV-Licht bedingten Erkrankungen muss außerdem das Sonnenlicht gemieden werden, indem Weidegang beispielsweise nachts stattfindet oder tagsüber die Beine mit Weidegamaschen geschützt werden. Bei Photosensibilisierung sowie Kontaktdermatitis muss die auslösende Substanz identifiziert und eliminiert werden. Teilweise ist hier die unterstützende Gabe von Entzündungshemmern nötig.

Dein Pferd sollte bis zum vollständigen Abheilen, im besten Fall dauerhaft, trocken und sauber stehen. Außerdem sollte es genügend Möglichkeit zur Bewegung auf trockenem Untergrund haben, um die Durchblutung und damit die Heilung anzuregen.

Prognose

Werden alle beteiligten Ursachen der Mauke identifiziert und behandelt beziehungsweise abgestellt, ist die Prognose gut. Leichte Fälle heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. Bei hochgradiger Mauke kann die Behandlung langwierig sein. Außerdem kommen häufig Rückfälle vor, da die Haut im betroffenen Bereich geschädigt und damit anfällig für neue Infektionen ist.

Prophylaxe

Um Mauke vorzubeugen, ist es wichtig, die Fesselbeugen deines Pferdes trocken und sauber zu halten. Eine gute Stall- und Paddockhygiene ist hierfür von zentraler Bedeutung. Wenn trotzdem Erreger in die Haut eindringen, kann ein stabiles Immunsystem diese abwehren. Sorge deshalb für eine artgerechte Fütterung und Haltung mit ausreichend freier Bewegung. Auch das Minimieren von Stress unterstützt ein gutes Immunsystem. Passe daher das Training immer an den Stand deines Pferdes an und achte auf eine harmonische Herdenzusammensetzung.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.