Thiamin (=Vitamin B1) wird in sämtlichen Körperzellen zur Energiegewinnung benötigt. Nervenzellen haben einen besonders hohen Energiebedarf und sind auf eine ausreichende Thiamin-Versorgung angewiesen. Bei einem Mangel entstehen Funktionsstörungen, die zu degenerativen Veränderungen im Gehirn führen. Es sind hauptsächlich Katzen betroffen. Beim Hund tritt die Thiaminmangel-Enzephalopathie seltener auf.
Ein Mangel kann durch eine Fütterung mit zu geringem Thiamingehalt oder durch Futter-Inhaltsstoffe, die das Vitamin abbauen, entstehen. Dies geschieht beispielsweise bei einer Ernährung mit:
Nimmt deine Katze generell zu wenig Nahrung auf, entsteht ebenfalls ein Thiaminmangel. Dies ist beispielsweise der Fall bei Fressunlust von alten oder kranken Katzen. Manche Darmerkrankungen schädigen die Schleimhaut des Dünndarms und verhindern so die Aufnahme von Nährstoffen, was ebenfalls zu einem Mangel an Thiamin führen kann.
Erste Anzeichen treten nach zwei bis vier Wochen mangelhafter Ernährung auf. Betroffene Katzen werden antriebsloser, zeigen einen verminderten Appetit und speicheln stärker. Die Symptome verstärken sich zunehmend. Es zeigen sich dann Gang- und Gleichgewichtsstörungen, unkontrollierte Bewegung der Pupillen, epileptische Anfälle sowie Muskelschwäche. Durch Letztere entsteht eine auffällige Haltung, bei der der Kopf Richtung Brust gebeugt ist. Später führt Thiaminmangel zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen sowie schwersten Nervenschäden. Die betroffene Katze kann schließlich ins Koma fallen und an den Folgen des Thiaminmangels versterben.
Nach einer ausführlichen Anamnese (=Erfragen der Vorgeschichte) führt dein/e Tierärzt:in eine allgemeine sowie neurologische Untersuchung durch. Mithilfe einer Blutuntersuchung im Labor kann Thiamin sowie weitere Blutwerte bestimmt und die Verdachtsdiagnose bestätigt werden. Vermutet dein/e Tierärzt:in einen Thiaminmangel, kann er/sie deiner Katze Thiamin verabreichen und beobachten, ob sich die Symptome bessern. Durch diese diagnostische Therapie kann ein Thiaminmangel festgestellt werden, bevor das Laborergebnis vorliegt und deiner Katze gleichzeitig schnell geholfen werden.
Mithilfe eines MRTs (siehe entsprechender Artikel) vom Kopf, können die für einen Thiaminmangel charakteristischen Veränderungen in bestimmten Gehirnabschnitten dargestellt werden.
Die Behandlung besteht aus der Gabe von Thiamin. Bei schwer erkrankten Katzen spritzt dein/e Tierärzt:in dieses bis zum Abklingen der Symptome zwei bis drei Mal pro Tag intramuskulär (=in den Muskel). In der Regel sollte deine Katze nach ein paar Tagen symptomfrei sein. Danach gibst du deiner Katze für weitere drei Wochen Thiamin als Pulver, Tablette oder in flüssiger Form über das Futter.
Bei Hunden wird Thiamin ebenfalls für mehrere Tage bis zum Abklingen der Symptome, aber subkutan (=unter die Haut) gespritzt. In der Regel ist die Therapie damit abgeschlossen.
Ist der Thiaminmangel Folge einer Erkrankung, die zu Fressunlust oder einer verringerten Aufnahme von Thiamin im Darm führt, muss die Grunderkrankung behandelt werden. In schweren Fällen von Fressunlust sind Infusionen und eine Fütterung per Sonde nötig.
Die Prognose ist bei frühzeitiger Therapie gut. Wird ein Thiaminmangel jedoch über eine längere Zeit nicht ausgeglichen, verschlechtert sich die Prognose deutlich. Bestehen schon schwere Nervenschäden und Herzrhythmusstörungen, kommen Todesfälle vor.
Einem Thiaminmangel kannst du mit einer tierartgerechten Fütterung mit ausreichend hohem Thiamingehalt vorbeugen. Achte darauf, dass dein Tier ausreichend frisst. Lagere Dosenfutter eher kühl und nicht zu lange. Achte beim Kauf von Dosenfutter darauf, dass es nicht Sulfit als Konservierungsstoff enthält. Deine Katze sollte nur selten rohe Fischinnereien bekommen. Einige Fischsorten sind jedoch auch im rohen Zustand frei von Thiaminase, wie etwa Barsch, Wels und Butterfisch.
Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.
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