Diabetes insipidus ist eine hormonelle Erkrankung, bei der die Nieren übermäßig viel Wasser ausscheiden. Dadurch werden große Mengen an sehr wässrigem Urin produziert, oft mehrere Liter täglich. Der Wasserverlust führt zu großem Durst, so dass betroffene Tiere extrem viel trinken.
Um die Erkrankung besser zu verstehen, ist hier einmal die Regulation der Wasserausscheidung beim gesunden Tier vereinfacht erklärt. Hauptsächlich verantwortlich für diese Regulation ist das antidiuretische Hormon (ADH), auch Vasopressin genannt. Dieses wird aus der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet, wenn:
ADH bindet an Rezeptoren in den Blutgefäßen und in der Niere. Dadurch kommt es zu einem Zusammenziehen der Blutgefäße und zu einer geringeren Wasserausscheidung durch die Nieren. So steigen der Blutdruck und das Blutvolumen wieder auf ihren Normalwert.
Es werden zwei Arten des Diabetes insipidus unterschieden:
Der zentrale Diabetes insipidus entsteht durch eine verringerte Produktion und/oder Ausschüttung von ADH im Gehirn. Dies kann aufgrund einer Störung im Hypothalamus (=ein Teil des Zwischenhirns, Bildungsort von ADH), in der Neurohypophyse (=Teil der Hirnanhangsdrüse, Speicherort von ADH) oder in den dazwischenliegenden Nervenzellen entstehen. Ursachen dafür können sein:
Beim nephrogenen Diabetes insipidus sprechen die ADH-Rezeptoren in der Niere nicht oder nicht genügend auf ADH an. So scheidet die Niere trotz normaler ADH-Menge zu viel Wasser aus. Dies kann in seltenen Fällen ein angeborener Defekt sein, wird aber meist durch folgende Grunderkrankungen oder Faktoren ausgelöst:
Die typischen Symptome eines Diabetes insipidus sind eine ausgeprägte, oft plötzlich einsetzende Polyurie (=vermehrter Harnabsatz) und Polydipsie (=vermehrte Wasseraufnahme). Da die betroffenen Tiere aufgrund des exzessiven Durstes oft weniger fressen, kann dies zu einem Gewichtsverlust führen. Wird der zentrale Diabetes insipidus durch Kopfverletzungen, Tumoren oder eine Entzündung verursacht, können zusätzlich neurologische Symptome auftreten. Beim nephrogenen Diabetes insipidus sind meist Symptome der Grunderkrankung vorhanden. Besteht kein freier Zugang zu Trinkwasser, kommt es zur Dehydration (=Austrocknung), die ein lebensbedrohliches Ausmaß erreichen kann. Bei ausreichendem Wasserangebot bleibt ein Diabetes insipidus jedoch häufig für längere Zeit unerkannt, da die vermehrte Urinausscheidung durch eine erhöhte Wasseraufnahme ausgeglichen wird.
Fällt dir eine Polyurie und Polydipsie bei deinem Tier auf, solltest du durch Messen der Trinkmenge sicherstellen, dass es sich tatsächlich um Polyurie/Polydipsie und nicht um eine Dysurie (=erschwerter, schmerzhafter Harnabsatz), wie bei einer Blasenentzündung oder um eine Inkontinenz (=unfreiwilligen Verlust von Urin, siehe entsprechender Artikel) handelt.
Die Diagnosestellung erfolgt durch schrittweises Ausschließen der möglichen Ursachen.
Zunächst führt dein/e Tierärzt:in nach deinem Vorbericht von Polyurie/Polydipsie eine allgemeine Untersuchung sowie eine Blut- und Harnuntersuchung durch. So wird der durch Grunderkrankungen erworbene nephrogene Diabetes insipidus aufgedeckt. Außerdem erhält dein/e Tierärzt:in Hinweise auf andere Erkrankungen, die wesentlich häufiger als ein Diabetes insipidus Ursache von Polyurie/Polydipsie sind. Insbesondere ein Diabetes mellitus (=Zuckerkrankheit, siehe entsprechender Artikel) muss ausgeschlossen werden. Je nach Grunderkrankung sind noch weitere Tests oder Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen nötig.
Hat dein/e Tierärzt:in mit diesen Untersuchungen keine Ursache für die Polyurie/Polydipsie gefunden, verbleibt noch der zentrale Diabetes insipidus, der angeborene nephrogene Diabetes insipidus und die psychogene Polydipsie (=zwanghaftes, übermäßiges Trinken im Rahmen einer psychischen Erkrankung).
Um auf einen zentralen Diabetes insipidus zu testen, wird ein Therapieversuch mit einem synthetischen ADH-Analogon durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das dieselbe Wirkung wie das ADH aus dem Gehirn hat. Dieses kann zuhause verabreicht werden. Anschließend wird die Trinkmenge gemessen sowie täglich der Harn untersucht. Liegt ein zentraler Diabetes insipidus vor, kommt es innerhalb von zwei Tagen zu einer deutlichen Abnahme der Trinkmenge und zu einem Anstieg des spezifischen Uringewichts (=Maß für die Konzentration des Urins). Bei nephrogenem Diabetes insipidus und psychogener Polydipsie werden dagegen keine oder nur minimale Veränderungen beobachtet. Da die Trinkmenge aber auch bei anderen Erkrankungen etwas abnehmen kann, sollte der Therapieversuch nach fünf bis sieben Tagen für fünf bis sieben Tage unterbrochen und danach nochmals für fünf bis sieben Tage durchgeführt werden. Nur wenn sich die Trinkmenge auch bei der Wiederholung stark reduziert, kann die Diagnose zentraler Diabetes insipidus gestellt werden. Eine reine ADH-Messung ist nicht aussagekräftig, da die ADH-Ausschüttung rhythmisch erfolgt, weshalb Messwerte nicht sicher interpretiert werden können.
Wurde weiterhin keine Ursache gefunden, erfolgt die Unterscheidung zwischen einem angeborenen nephrogenen Diabetes insipidus und einer psychogenen Polydipsie durch einen Durstversuch. Dieser darf jedoch aufgrund der Gefahr einer Dehydratation nur unter enger Überwachung in der Tierarztpraxis oder -klinik durchgeführt werden. Er beginnt mit einer dreitägigen schrittweisen Reduzierung der Trinkwassermenge. Danach wird das Futter und Wasser komplett entfernt und die Harnblase per Harnkatheter entleert. Der eigentliche Versuch dauert etwa vier bis acht Stunden. Zu Beginn und alle ein bis zwei Stunden wird das Tier dabei klinisch kontrolliert, gewogen, die Harnblase entleert und eine Harn- sowie Blutuntersuchung durchgeführt. Steigt das spezifische Uringewicht während der Durstperiode an, spricht dies für eine psychogene Polydipsie. Beim nephrogenen Diabetes insipidus kommt es zu keinem oder nur zu einem sehr geringen Anstieg des spezifischen Uringewichts.
Beim zentralen Diabetes insipidus wird dauerhaft ein synthetisches ADH-Analogon gegeben. Dein Tier sollte zudem jederzeit Zugang zu Trinkwasser haben. Beim nephrogenen Diabetes insipidus wird die Grunderkrankung behandelt.
Bei idiopathischen, zentralen Diabetes insipidus ist die Prognose bei dauerhafter Behandlung mit einem synthetischen ADH-Analogon gut. Grundsätzlich muss der ständige Zugang zu Wasser gewährleistet sein. Bei allen anderen Formen ist die Prognose abhängig von der Entwicklung der Grunderkrankung.
Aufgrund der Vielzahl von Grunderkrankungen und auslösenden Faktoren ist eine spezielle Vorsorge nicht möglich. Die jährliche Vorsorgeuntersuchung inklusive Blut- und Urinuntersuchung hilft jedoch, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Fällt dir bei deinem Tier eine Polyurie/Polydipsie auf, stelle es zeitnah in deiner Tierarztpraxis vor.
Bei der Pyelonephritis (=Nierenbeckenentzündung) handelt es sich um eine bakterielle Entzündung des Nierenbeckens mit Beteiligung des Nierengewebes. Sie entsteht in der Regel durch Bakterien, die über den Harntrakt bis in die Niere aufsteigen. Deshalb wird sie meist von einer Entzündung des Harnleiters und der Harnblase begleitet. In seltenen Fällen gelangen Erreger über die Lymphe oder das Blut in die Nieren und führen so zu einer sogenannten Ausscheidungsnephritis.
Ein ektopischer Ureter ist eine angeborene Fehlbildung, bei der der Ureter (=Harnleiter) nicht korrekt in die Harnblase mündet, sondern an einer anderen Stelle, wie dem Blasenhals, der Harnröhre, der Vagina oder der Gebärmutter. Betroffene Hunde können den Urinabsatz nicht willentlich kontrollieren und tröpfeln kontinuierlich.
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Dabei treten unkontrollierte elektrische Impulse in den Herzvorhöfen auf. Die Vorhöfe ziehen sich nicht mehr rhythmisch zusammen, die Herzfrequenz steigt und es kommt zum sogenannten Flimmern.
Die dilatative Kardiomyopathie (DCM) ist eine der häufigsten Herzerkrankungen des Hundes. Dabei kommt es zu einer Dilatation (=Erweiterung) der linken oder beider Herzkammern in Verbindung mit einer verminderten Kontraktionskraft der Herzmuskulatur.
Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die auf natürlichem Weg vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Sie stellen ein Gesundheitsrisiko insbesondere für Kinder, ältere und immungeschwächte Menschen dar. Zoonosen können jedoch nicht nur vom Tier auf den Menschen übertragen werden, sondern auch umgekehrt, von Menschen auf Tiere.
Entzündungen des Gehirns und/oder der Hirnhäute kommen häufig vor, insbesondere im Süden Europas. Sie treten jedoch durch den steigenden Reiseverkehr mit Hunden und Katzen sowie den Import von Kleintieren aus Osteuropa auch in Deutschland immer häufiger auf. Krankheitsübertragende Insekten, die sich durch den Klimawandel immer weiter nach Norden ausbreiten, tragen außerdem dazu bei.
Die UV-Strahlung hat in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten unerwartet stark zugenommen. Dies ist vor allem auf den Klimawandel und eine veränderte Bewölkung zurückzuführen. Sonnenbrand ist ein ernst zu nehmendes Thema – nicht nur bei uns Menschen. Denn UV-Strahlung verursacht auch bei Tieren Schäden in der Haut.
Die Infektion mit Angiostrongylus vasorum wurde erstmals im 19. Jahrhundert in Südfrankreich beschrieben, woher der Name „Französischer Herzwurm“ stammt. Er tritt häufig beim Fuchs, seltener beim Hund auf und wird über gefressene Schnecken übertragen. In Deutschland ist der Französische Herzwurm erst in letzter Zeit vermehrt in den Fokus gerückt, da die Folgen einer Infektion gravierend sein können.