Freies Kotwasser tritt mittlerweile häufig bei Pferden auf. Es handelt sich um den Absatz von schwarzbrauner, meist saurer Flüssigkeit mit dem Kot. Die Pferdeäpfel sind dabei normal geformt. Kotwasser kann unabhängig oder zusammen mit dem Kotabsatz abgegeben werden. In schweren Fällen wird es im Schwall ausgeschieden. Es kann permanent bestehen, nur im Winter oder Sommer auftreten oder auch phasenweise, beispielsweise in Stress-Situationen, wie etwa beim Verladen. Kotwasser ist weit mehr als nur ein kosmetisches Problem.
Die genaue Entstehung von Kotwasser ist noch nicht ausreichend erforscht. In den meisten Fällen handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen (=mit vielen Einflussfaktoren). Kotwasser tritt jedoch überwiegend unter modernen Haltungsbedingungen auf. Als hauptauslösender Faktor wird Stress angesehen. Dieser kann durch nicht artgerechte Haltungs- und Fütterungsbedingungen, aber auch durch länger andauernde oder wiederkehrende Schmerzen, wie beispielsweise bei Magengeschwüren (siehe entsprechender Artikel), Blähungen oder Hufrehe (siehe entsprechender Artikel), entstehen.
Als mögliche fütterungsbedingte Auslöser werden angesehen:
Eine weitere Ursache für Kotwasser können Zahnprobleme sein, die mit unzureichender Futterzerkleinerung einhergehen. Dies betrifft insbesondere ältere Pferde.
Betroffene Pferde scheiden eine schwarzbraune Flüssigkeit zusammen mit dem Kot, direkt nach dem Kotabsatz, bei Flatulenz (=Blähungen) oder unabhängig vom Kotabsatz, aus.
Riecht der Kot deines Pferdes trotz vermeintlich normalem Kotabsatz sauer, solltest du trotzdem eine Probe auf Kotwasser machen. Drücke dafür etwas frisch abgesetzten Kot aus. Bei unterschwelligem Kotwasser hat dieser einen deutlich erhöhten Flüssigkeitsgehalt gegenüber normalem Kot.
Durch das herunterlaufende Kotwasser können im verschmutzen Bereich Hautentzündungen sowie Scheideninfektionen entstehen.
Bei deinem Vorbericht von Kotwasser erfragt dein/e Tierärzt:in zuerst die genauen Haltungs- und Fütterungsbedingungen deines Pferdes. Danach führt er/sie eine allgemeine sowie eine rektale Untersuchung (=Tastuntersuchung durch den After) durch. Durchfall sollte ausgeschlossen werden, wobei es auch Mischformen von Durchfall und Kotwasser gibt. Außerdem führt dein/e Tierärzt:in eine Kotuntersuchung durch, bei der unter Anderem der pH-Wert, die Zusammensetzung und die Bakterienflora des Kotes bestimmt werden können. Zudem wird der Kot auf Wurmbefall untersucht. Mithilfe einer Blutuntersuchung werden die Organ- und Entzündungswerte sowie eventuell ausgewählte Spurenelemente und Vitamine kontrolliert. Weiterhin sollten die Zähne deines Pferdes kontrolliert werden, da Zahnprobleme zu unzureichend zerkautem Futter führen können. Mithilfe einer Magenspiegelung können Magengeschwüre (siehe entsprechender Artikel) ausgeschlossen werden.
Für eine erfolgreiche Therapie müssen möglichst alle auslösenden Faktoren beachtet und optimiert werden.
Gegen das Kotwasser kommen Präparate zum Eindicken und zur Normalisierung des pH-Wertes des Kotes zum Einsatz. Diese gibt dein/e Tierärzt:in, wenn nötig, anfangs per Nasenschlundsonde. Bei einer Fehlbesiedlung des Darms (=falsche Darmflora) müssen zusätzlich Antibiotika gegeben werden. Danach muss die Darmflora deines Pferdes wieder gezielt aufgebaut werden. Im Fall eines starken Flüssigkeits- und gegebenenfalls Elektrolytverlustes bekommt dein Pferd entsprechende Infusionen. Enthält der Kot deines Pferdes viel Sand, füttere nach tierärztlicher Anweisung eingeweichte Flohsamenschalen. Diese binden den Sand. Ist das Kotwasser von starken Blähungen begleitet, kannst du deinem Pferd für die ersten Wochen eine Mischung aus Anis, Kümmel und Fenchel als abgekühlten Tee oder als Pulver über das Futter geben.
Um das gestörte Gleichgewicht der Darmbakterien wiederherzustellen und die Darmschleimhaut zu regenerieren, kannst du in tierärztlicher Absprache über ein bis zwei Monate eine sogenannte Darmsanierung durchführen. Dein/deine Tierärzt:in berät dich hierzu gerne.
Weiterhin überprüft dein/e Tierärzt:in die Menge, Zusammensetzung und Qualität des Futters. Raufutter muss von einwandfreier Qualität sein und darf nicht mit Schimmel, Hefen oder Bakterien befallen sein. Unterlasse unbedingt die Fütterung von Heulage oder anderen silierten Futtermitteln. Kraftfutter solltest du für die ersten Monate nicht füttern, genauso wenig wie Ergänzungsfuttermittel, die nicht der Kotwassertherapie dienen. Füttere außerdem keine Präparate mit Milchsäurebakterien oder Bierhefe.
Dein Pferd sollte also vorerst nur Heu, Mineralfutter und gegebenenfalls Elektrolyte bekommen. Biete zusätzlich einen Salzleckstein an.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reduktion von Stress durch Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie durch die reiterliche Nutzung (siehe Prophylaxe).
Intrinsischer (=von innen kommender) Stress kann durch die Gabe von Tryptophan, Magnesium oder beruhigenden Kräutern wie Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel und Kamille reduziert werden.
Die Prognose für eine vollständige und dauerhafte Heilung ist je nach Fall unterschiedlich. Sie hängt stark davon ab, wie gut die zugrundeliegenden Auslöser identifiziert und abgestellt werden können.
Eine artgerechte Haltung und Fütterung sowie das Minimieren von Stress sind die Hauptfaktoren, um das Entstehen von Kotwasser zu verhindern.
Reduziere die oben genannten fütterungsbedingten Auslöser und füttere nur hygienisch einwandfreies Heu, optimalerweise aus frühem ersten Schnitt. Lasse die Zähne deines Pferdes jährlich von deinem/deiner Tierärzt:in kontrollieren und wenn nötig behandeln.
Achte in Gruppenhaltung auf eine ausgeglichene Zusammensetzung der Herde und ausreichend Platz zur Bewegung. Die Eingliederung von neuen Pferden sollte langsam und schrittweise erfolgen. In Boxenhaltung sollte dein Pferd genügend lange Paddock- oder Weidezeiten mit ausreichender Möglichkeit zur freien Bewegung haben. Boxennachbar-Pferde sollten miteinander verträglich sein. Weitere stress-auslösende Situationen können je nach Pferd beispielsweise Turniere, Transporte, tierärztliche Behandlungen, Hufbearbeitung oder auch Überforderung in der täglichen Arbeit sein. Eine langsame und vertrauensvolle Gewöhnung an solche Situationen und eine behutsame, fachkundige Erziehung und Ausbildung sind hier zielführend.
Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.
Viele Tierhalter:innen vergleichen bei einer Tierkrankenversicherung zuerst den Monatsbeitrag. 30 Euro oder 45 Euro? Null Euro oder 250 Euro Selbstbeteiligung? 80 Prozent oder 100 Prozent Kostenübernahme? Diese Fragen sind wichtig, aber sie entscheiden längst nicht darüber, ob eine Tierkrankenversicherung im Ernstfall wirklich die Kosten übernimmt. Denn zwei Tarife können beide mit "100 Prozent Kostenübernahme" werben und sich dennoch in Leistungen unterscheiden, die später mehrere Tausend Euro Unterschied ausmachen können. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick ins Kleingedruckte. In diesem Beitrag zeigen wir dir zehn Leistungen, die viele Tierhalter beim Abschluss übersehen, die im Ernstfall aber einen enormen Unterschied machen können.
Thiamin (=Vitamin B1) wird in sämtlichen Körperzellen zur Energiegewinnung benötigt. Nervenzellen haben einen besonders hohen Energiebedarf und sind auf eine ausreichende Thiamin-Versorgung angewiesen. Bei einem Mangel entstehen Funktionsstörungen, die zu degenerativen Veränderungen im Gehirn führen. Es sind hauptsächlich Katzen betroffen. Beim Hund tritt die Thiaminmangel-Enzephalopathie seltener auf.
Die Infektion mit Angiostrongylus vasorum wurde erstmals im 19. Jahrhundert in Südfrankreich beschrieben, woher der Name „Französischer Herzwurm“ stammt. Er tritt häufig beim Fuchs, seltener beim Hund auf und wird über gefressene Schnecken übertragen. In Deutschland ist der Französische Herzwurm erst in letzter Zeit vermehrt in den Fokus gerückt, da die Folgen einer Infektion gravierend sein können.
Die UV-Strahlung hat in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten unerwartet stark zugenommen. Dies ist vor allem auf den Klimawandel und eine veränderte Bewölkung zurückzuführen. Sonnenbrand ist ein ernst zu nehmendes Thema – nicht nur bei uns Menschen. Denn UV-Strahlung verursacht auch bei Tieren Schäden in der Haut.
Diabetes insipidus ist eine hormonelle Erkrankung, bei der die Nieren übermäßig viel Wasser ausscheiden. Dadurch werden große Mengen an sehr wässrigem Urin produziert, oft mehrere Liter täglich. Der Wasserverlust führt zu großem Durst, so dass betroffene Tiere extrem viel trinken.
Bei der Pyelonephritis (=Nierenbeckenentzündung) handelt es sich um eine bakterielle Entzündung des Nierenbeckens mit Beteiligung des Nierengewebes. Sie entsteht in der Regel durch Bakterien, die über den Harntrakt bis in die Niere aufsteigen. Deshalb wird sie meist von einer Entzündung des Harnleiters und der Harnblase begleitet. In seltenen Fällen gelangen Erreger über die Lymphe oder das Blut in die Nieren und führen so zu einer sogenannten Ausscheidungsnephritis.
Ein Dammriss bezeichnet eine Verletzung des Perineums, dem Bereich zwischen Vulva (=äußerlich sichtbare weibliche Geschlechtsorgane) und After. Er gehört zu den regelmäßig auftretenden Geburtsverletzungen bei der Stute. Ein Dammriss sollte immer chirurgisch behandelt werden, es sei denn er ist sehr klein.
Bei der Strahlfäule handelt es sich um eine Fäulniserkrankung im Hufbereich, die den Strahl und das angrenzende Gewebe betrifft. Bakterien und/oder Pilze siedeln sich dort bei Feuchtigkeit an, zersetzen das Horn und bilden schmierige, übelriechende Beläge. Strahlfäule tritt häufiger an den Hinter- als an den Vorderhufen auf.