Freies Kotwasser – ein Problem der modernen Pferdehaltung

Freies Kotwasser tritt mittlerweile häufig bei Pferden auf. Es handelt sich um den Absatz von schwarzbrauner, meist saurer Flüssigkeit mit dem Kot. Die Pferdeäpfel sind dabei normal geformt. Kotwasser kann unabhängig oder zusammen mit dem Kotabsatz abgegeben werden. In schweren Fällen wird es im Schwall ausgeschieden. Es kann permanent bestehen, nur im Winter oder Sommer auftreten oder auch phasenweise, beispielsweise in Stress-Situationen, wie etwa beim Verladen. Kotwasser ist weit mehr als nur ein kosmetisches Problem.

INHALT
Ursachen Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursachen

Die genaue Entstehung von Kotwasser ist noch nicht ausreichend erforscht. In den meisten Fällen handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen (=mit vielen Einflussfaktoren). Kotwasser tritt jedoch überwiegend unter modernen Haltungsbedingungen auf. Als hauptauslösender Faktor wird Stress angesehen. Dieser kann durch nicht artgerechte Haltungs- und Fütterungsbedingungen, aber auch durch länger andauernde oder wiederkehrende Schmerzen, wie beispielsweise bei Magengeschwüren (siehe entsprechender Artikel), Blähungen oder Hufrehe (siehe entsprechender Artikel), entstehen.

Als mögliche fütterungsbedingte Auslöser werden angesehen:

  • Heulage oder andere silierte Produkte: Die enthaltenen Milchsäurebakterien säuern das Darmmilieu an. Des Weiteren regt die nach dem Öffnen entstehende Nachgärung von silierten Futtermitteln das mikrobielle Wachstum, insbesondere von Hefepilzen, an. Diese können sich im Darm ansiedeln und Gase produzieren, was die Darmperistaltik (=Darmbewegung) stört und Schmerzen verursacht. Die Ansäuerung und Aufblähung führen außerdem zu einer Reizung des Dickdarms, bei der freie Flüssigkeit entsteht.
  • Große Kraftfutterrationen oder Kraftfutter mit schwer verdaulicher Stärke: Dabei kommt es zu einer übermäßigen Vermehrung der Milchsäurebakterien im Dickdarm, wodurch ebenfalls eine Ansäuerung und vermehrte Gasproduktion entsteht. Auch hierbei können Schmerzen, Störung Darmperistaltik und freie Flüssigkeit auftreten.
  • Gehäckseltes Raufutter: Raufutter muss eine Faserlänge von mindestens acht Zentimetern haben, damit es vom Pferd gründlich gekaut werden kann. Viele Futtermittel enthalten Faserlängen im Bereich von ein bis vier Zentimetern. Nicht gründlich zerkaut, gelangen diese in den Dickdarm und verlangsamen hier die Darmpassage. Dies kann die Wasserbindung im Darm beeinflussen.
  • Vermehrte Aufnahme von Sand / Erde: Dies kann durch Grasen auf abgefressenen Weiden oder durch Fressen von sandkontaminiertem Raufutter vorkommen. Sandkörner reizen die Darmschleimhaut und stören die Wasserresorption (=Wasseraufnahme aus dem Futter) des Dickdarms.

Eine weitere Ursache für Kotwasser können Zahnprobleme sein, die mit unzureichender Futterzerkleinerung einhergehen. Dies betrifft insbesondere ältere Pferde.

Symptome

Betroffene Pferde scheiden eine schwarzbraune Flüssigkeit zusammen mit dem Kot, direkt nach dem Kotabsatz, bei Flatulenz (=Blähungen) oder unabhängig vom Kotabsatz, aus.

Riecht der Kot deines Pferdes trotz vermeintlich normalem Kotabsatz sauer, solltest du trotzdem eine Probe auf Kotwasser machen. Drücke dafür etwas frisch abgesetzten Kot aus. Bei unterschwelligem Kotwasser hat dieser einen deutlich erhöhten Flüssigkeitsgehalt gegenüber normalem Kot.

Durch das herunterlaufende Kotwasser können im verschmutzen Bereich Hautentzündungen sowie Scheideninfektionen entstehen.

Diagnose

Bei deinem Vorbericht von Kotwasser erfragt dein/e Tierärzt:in zuerst die genauen Haltungs- und Fütterungsbedingungen deines Pferdes. Danach führt er/sie eine allgemeine sowie eine rektale Untersuchung (=Tastuntersuchung durch den After) durch. Durchfall sollte ausgeschlossen werden, wobei es auch Mischformen von Durchfall und Kotwasser gibt. Außerdem führt dein/e Tierärzt:in eine Kotuntersuchung durch, bei der unter Anderem der pH-Wert, die Zusammensetzung und die Bakterienflora des Kotes bestimmt werden können. Zudem wird der Kot auf Wurmbefall untersucht. Mithilfe einer Blutuntersuchung werden die Organ- und Entzündungswerte sowie eventuell ausgewählte Spurenelemente und Vitamine kontrolliert. Weiterhin sollten die Zähne deines Pferdes kontrolliert werden, da Zahnprobleme zu unzureichend zerkautem Futter führen können. Mithilfe einer Magenspiegelung können Magengeschwüre (siehe entsprechender Artikel) ausgeschlossen werden.

Behandlung

Für eine erfolgreiche Therapie müssen möglichst alle auslösenden Faktoren beachtet und optimiert werden.

Medikamentelle Behandlung

Gegen das Kotwasser kommen Präparate zum Eindicken und zur Normalisierung des pH-Wertes des Kotes zum Einsatz. Diese gibt dein/e Tierärzt:in, wenn nötig, anfangs per Nasenschlundsonde. Bei einer Fehlbesiedlung des Darms (=falsche Darmflora) müssen zusätzlich Antibiotika gegeben werden. Danach muss die Darmflora deines Pferdes wieder gezielt aufgebaut werden. Im Fall eines starken Flüssigkeits- und gegebenenfalls Elektrolytverlustes bekommt dein Pferd entsprechende Infusionen. Enthält der Kot deines Pferdes viel Sand, füttere nach tierärztlicher Anweisung eingeweichte Flohsamenschalen. Diese binden den Sand. Ist das Kotwasser von starken Blähungen begleitet, kannst du deinem Pferd für die ersten Wochen eine Mischung aus Anis, Kümmel und Fenchel als abgekühlten Tee oder als Pulver über das Futter geben.

Um das gestörte Gleichgewicht der Darmbakterien wiederherzustellen und die Darmschleimhaut zu regenerieren, kannst du in tierärztlicher Absprache über ein bis zwei Monate eine sogenannte Darmsanierung durchführen. Dein/deine Tierärzt:in berät dich hierzu gerne.

Anpassung der Fütterung

Weiterhin überprüft dein/e Tierärzt:in die Menge, Zusammensetzung und Qualität des Futters. Raufutter muss von einwandfreier Qualität sein und darf nicht mit Schimmel, Hefen oder Bakterien befallen sein. Unterlasse unbedingt die Fütterung von Heulage oder anderen silierten Futtermitteln. Kraftfutter solltest du für die ersten Monate nicht füttern, genauso wenig wie Ergänzungsfuttermittel, die nicht der Kotwassertherapie dienen. Füttere außerdem keine Präparate mit Milchsäurebakterien oder Bierhefe.

Dein Pferd sollte also vorerst nur Heu, Mineralfutter und gegebenenfalls Elektrolyte bekommen. Biete zusätzlich einen Salzleckstein an.

Stressreduktion

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reduktion von Stress durch Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie durch die reiterliche Nutzung (siehe Prophylaxe).

Intrinsischer (=von innen kommender) Stress kann durch die Gabe von Tryptophan, Magnesium oder beruhigenden Kräutern wie Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel und Kamille reduziert werden.

Prognose

Die Prognose für eine vollständige und dauerhafte Heilung ist je nach Fall unterschiedlich. Sie hängt stark davon ab, wie gut die zugrundeliegenden Auslöser identifiziert und abgestellt werden können.

Prophylaxe

Eine artgerechte Haltung und Fütterung sowie das Minimieren von Stress sind die Hauptfaktoren, um das Entstehen von Kotwasser zu verhindern.

Reduziere die oben genannten fütterungsbedingten Auslöser und füttere nur hygienisch einwandfreies Heu, optimalerweise aus frühem ersten Schnitt. Lasse die Zähne deines Pferdes jährlich von deinem/deiner Tierärzt:in kontrollieren und wenn nötig behandeln.

Achte in Gruppenhaltung auf eine ausgeglichene Zusammensetzung der Herde und ausreichend Platz zur Bewegung. Die Eingliederung von neuen Pferden sollte langsam und schrittweise erfolgen. In Boxenhaltung sollte dein Pferd genügend lange Paddock- oder Weidezeiten mit ausreichender Möglichkeit zur freien Bewegung haben. Boxennachbar-Pferde sollten miteinander verträglich sein. Weitere stress-auslösende Situationen können je nach Pferd beispielsweise Turniere, Transporte, tierärztliche Behandlungen, Hufbearbeitung oder auch Überforderung in der täglichen Arbeit sein. Eine langsame und vertrauensvolle Gewöhnung an solche Situationen und eine behutsame, fachkundige Erziehung und Ausbildung sind hier zielführend.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.