Strahlfäule – gute Stallhygiene und Hufpflege sind entscheidend

Bei der Strahlfäule handelt es sich um eine Fäulniserkrankung im Hufbereich, die den Strahl und das angrenzende Gewebe betrifft. Bakterien und/oder Pilze siedeln sich dort bei Feuchtigkeit an, zersetzen das Horn und bilden schmierige, übelriechende Beläge. Strahlfäule tritt häufiger an den Hinter- als an den Vorderhufen auf.

INHALT
Ursachen Verlauf Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursachen

Die Ursache von Strahlfäule sind Fäulnisbakterien und Pilze, die überall im Boden, jedoch vermehrt in Fäkalien vorkommen. Unter dem Huf haben diese Keime durch den Luftabschluss ideale Wachstumsbedingungen und zersetzen das Horn. Der Ammoniak aus Fäkalien greift zusätzlich das Hufhorn an und erleichtert damit das Eindringen der Keime.

Strahlfäule tritt deshalb gehäuft im Winter und bei Boxenhaltung auf. Die Belastung durch Feuchtigkeit sowie Fäkalien ist dann höher im Vergleich zur Weidehaltung im Sommer. Weniger Möglichkeit zur Bewegung vermindert außerdem die Durchblutung und damit Infektionsabwehr der Hufe sowie die Belüftung der Hufsohlen. Pferde mit schlecht gepflegten Hufen haben ebenfalls ein höheres Risiko, an Strahlfäule zu erkranken.

Die Entstehung der Strahlfäule wird außerdem begünstigt durch:

  • Enge Hufe mit einer tiefen mittleren Strahlfurche, beispielsweise bei Trachtenzwang oder Bockhufen
  • Risse oder Taschen am Strahl
  • Schlechter Hornqualität des Strahls, unter anderem durch Mangel an Zink, Kupfer, Biotin oder Selen
  • Beschläge, die den Strahl teilweise oder ganz bedecken, wie beispielsweise Steghufeisen, Ringeisen oder Plattenbeschläge
  • Beschläge, die die Trachten verengen, wie zu enge Beschläge. Auch am Ende zu langer Beschlagperioden werden die Trachten verengt.
  • Dauerhaft getragene Hufschuhe

Vermehrt von Strahlfäule betroffen sind auch Pferde mit Stoffwechselerkrankungen, die zu einer verminderten Leistung des Immunsystems führen und/oder die Durchblutung im Hufbereich herabsetzen. Dies ist beispielsweise beim Equinen Cushing Syndrom (siehe entsprechender Artikel), Equinen Metabolischen Syndrom (EMS, siehe entsprechender Artikel), chronischen Leber- und Nierenproblemen oder auch bei chronischem Stress der Fall.

Verlauf

Besonders betroffen sind die Strahlfurchen, insbesondere wenn es sich um tiefe Furchen handelt, in denen Fäkalien hängenbleiben. Meist breitet sich der Fäulnisprozess von der mittleren Strahlfurche auf das Horn der übrigen Strahlteile aus. Wird das Horn der Ballenfurche (=hinterer Teil der mittleren Strahlfurche) zerstört, nähern sich die Strahlschenkel einander an, wodurch die mittlere Strahlfurche zusammengepresst und damit noch enger und anfälliger wird. Im weiteren Verlauf kann so ein Trachtenzwanghuf entstehen.

Bei längerem Bestehen kann Strahlfäule zu einer Huflederhautentzündung führen. Das Horn hebt sich dann von der Lederhaut ab. Schreitet die Entzündung bis zur Saumlederhaut (=Lederhaut oberhalb vom Kronrand) fort, bilden sich die für Strahlfäule charakteristischen Ringe in der Hufwand. Es handelt sich dabei um schmale Auflagerungen auf der Hornwand, die mit dem Hornwachstum bodenwärts geschoben werden. Sie verlaufen von den Trachtenwänden schräg nach oben zum vorderen Kronrand. Teilweise kreuzen sie sich vorne mit denen der anderen Seite.


Symptome

In den Furchen des zerklüfteten Strahls sammelt sich eine schmierig-faulige, grauweiße bis schwärzliche, übelriechende Masse. Das Horn ist sehr weich bis aufgelöst. Ausgeprägte Strahlfäule kann für dein Pferd schmerzhaft sein und zu Lahmheit führen. Bei längerem Bestehen der Strahlfäule sind die charakteristischen Strahlfäule-Ringe auf der Hufwand zu sehen.

Diagnose

Die Diagnose stellt deine/n Tierärzt:in anhand des typischen Aussehens und des Geruchs. Dabei muss Hufkrebs (siehe entsprechender Artikel) ausgeschlossen werden. Es kommen allerdings auch Mischerkrankungen von Strahlfäule und Hufkrebs vor.

Besteht der Verdacht auf einen Mangel an Zink, Kupfer, Biotin oder Selen, überprüft dein/e Tierärzt:in dies mithilfe einer Blutuntersuchung.

Behandlung

Um Strahlfäule zu behandeln, müssen alle zugrunde liegenden Ursachen beseitigt werden. Dazu gehören neben der Verbesserung der Stallhygiene die Therapie zugrunde liegender Stoffwechselerkrankungen sowie die Korrektur von Huffehlstellungen und von Strahlfäule-fördernden Beschlägen. Wenn möglich solltest du Beschläge zunächst ganz entfernen lassen oder, wenn dies absolut nicht möglich ist, offene Hufeisen wählen. Dein Pferd sollte außerdem viel Bewegungsmöglichkeit auf trockenem Untergrund bekommen.

Dein/e Tierärzt:in entfernt das faulige Hufhorn mit einem Hufmesser. Dabei eröffnet er/sie eventuell vorhandene Taschen und schneidet diese wie auch die Furchen im Horn aus. Danach behandelt er/sie den Strahl und die Strahlfurchen mit desinfizierenden Mitteln. Das Ausschneiden erfolgt zu Beginn in kurzen Abständen. Deshalb sollte dein/e Tierärzt:in bei der Behandlung von Strahlfäule möglichst gut mit deinem/deiner Hufschmied:in beziehungsweise Hufpfleger:in zusammenarbeiten.

Zusätzlich trägst du auf den betroffenen Strahl und die Strahlfurchen bis zur Abheilung regelmäßig das tierärztlich verordnete Desinfektionsmittel auf. Zur besseren Wirkung kannst du einen getränkten Wattebausch in die erkrankten Strahlfurchen eindrücken. Bei hartnäckiger Strahlfäule kommt häufig noch ein Antimykotikum (=pilzabtötendes Mittel) zum Einsatz. Trage auf keinen Fall Holzteer oder andere vermeintlich unterstützende Produkte ohne tierärztliche Absprache auf.

Besteht bei deinem Pferd ein Mangel an Zink, Kupfer, Biotin oder Selen, füttere nach tierärztlicher Verordnung ein entsprechendes Ergänzungsfuttermittel zu. Eventuell kann die Zufütterung von MSM (=Methylsulfonylmethan) sinnvoll sein, um ausreichend Schwefel für die Horn-Neubildung zur Verfügung zu stellen. Dein/e Tierärzt:in berät dich hierzu gerne.

Prognose

Strahlfäule hat bei konsequenter Behandlung eine gute Prognose. Besteht jedoch schon eine Saumlederhautentzündung oder hat sich ein Trachtenzwanghuf gebildet, ist die Therapie langwieriger und die Prognose schlechter.

Prophylaxe

Wichtigster Faktor zur Verhinderung von Strahlfäule ist eine gute Stallhygiene. Tägliches, gründliches Misten und die Verwendung einer ausreichenden Menge saugfähiger Einstreu sind hier Bedingung. Optimal ist die Haltung im Offenstall oder in einer Paddockbox, die deinem Pferd mehr freie Bewegung und weniger Fäkalienkontakt ermöglicht. Schlammige, fäkalverschmutzte Winterausläufe sind unbedingt zu vermeiden.

Achte außerdem auf eine gute Hufpflege. Zu dieser gehört neben der regelmäßigen Hufbearbeitung durch deine/n Hufschmied:in beziehungsweise Hufpfleger:in auch das tägliche Säubern und Pflegen der Hufe. Wenn möglich sollten Pferde, die vermehrt von Strahlfäule betroffenen sind, nicht beschlagen werden.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine tiermedizinische Beratung. Wende dich dazu bitte direkt an deine Tierarztpraxis.