Gut eingestallt – worauf steht mein Pferd am besten?

In der Pferdehaltung sind wir Besitzer immer wieder aufgefordert, genau zu prüfen, was das Beste für unser Pferd sein könnte. Eine positive Entwicklung in der Pferdehaltung ist sicherlich, dass immer mehr Ställe versuchen eine Haltung anzubieten, die den natürlichen Bedürfnissen der Pferde nach ausreichend freier Bewegung und Herdenkontakt gerecht wird. Eine reine Haltung in der Gruppe wie in einem Offen- oder Aktivstall muss aber nicht für jedes Pferd das Beste sein, insbesondere dann, wenn es sich um Hengste oder alte Pferde mit besonderen Bedürfnissen handelt. Es liegt in unserer Hand, die Entscheidung für die individuell beste Haltungsform zu treffen und die besten Rahmenbedingungen für unser Pferd zu schaffen. Ein Aspekt hierbei ist die Wahl der Einstreu in der Box oder des Liegebereichs unseres Pferdes.

INHALT
Stroh als Einstreu Leinstroh Weichholzpellets Holzspäne Elefantengras Stallmatten Fazit
Stroh als Einstreu

Klassisch werden die meisten Pferde in ihren Boxen, ob Paddockbox, Laufstall oder Offenstall, auf Stroh gebettet. Diese Einstreu dient gleichzeitig als Raufutter und schmeckt den meisten Pferden ausgesprochen gut.

Manchmal muss ein Pferdebesitzer sogar aufpassen, dass sein Liebling nicht zu viel Stroh frisst und womöglich eine Verstopfungskolik davon bekommt. Andere Pferde neigen zu Atemwegsproblemen und Allergien. Dann sollte man die Ställe nicht mit Stroh, sondern eher mit Späne oder Leinstroh einstreuen.

Die Vorteile von Stroh

  • Einfach zu beschaffen
  • Oft eigene Herstellung
  • Relativ günstig
  • Aus heimischen Pflanzen
  • Unkomplizierte Entsorgung
  • Dient als Raufutter

Die Nachteile von Stroh

  • Keine optimale Aufnahme der Feuchtigkeit
  • Häufiges Misten
  • Hohe Mistmenge
  • Bei viel Feuchte besteht Rutschgefahr
  • Viel Platz für die Lagerung
  • Wechselnde Qualität
  • Oft mit Pilzsporen, Schimmelpilzen und Staub belastet, was zu Problemen bei Allergikerpferden führen kann

Leinstroh

Leinstroh besteht zu 100% aus Pflanzenfasern. Zur Herstellung werden Flachsstängel verwendet, welche zerkleinert, gereinigt und entstaubt werden.

Die Vorteile von Leinstroh

  • Staubarm
  • Saugfähiger als Stroh
  • Verrottet schneller als Stroh
  • Geringeres Mistvolumen
  • Weniger Arbeit beim Misten

Die Nachteile von Leinstroh

  • Muss zugekauft werden
  • Teurer als Stroh
  • Raufutter muss zusätzlich angeboten werden

Weichholzpellets

Durch die Herstellung sind die Pellets nahezu keim- und staubfrei und sorgen so für ein gutes Klima im Stall.

Die Vorteile von Weichholzpellets

  • Nachwachsender Rohstoff
  • Allergiker-geeignet
  • Leichtes Abäppeln
  • Verrottet schnell

Die Nachteile von Weichholzpellets

  • Muss zugekauft werden
  • Teurer als Stroh
  • Raufutter muss zusätzlich angeboten werden

petsXL Sunny auf Wolken
Holzspäne

Späne aus Holz sind ebenfalls eine beliebte Einstreu. Besonders zu Allergien oder Koliken neigende Pferde werden gern auf Späne gestellt.

Die Vorteile von Späne

  • Leicht auszumisten
  • Nehmen Gerüche gut auf
  • Aus heimischen Pflanzen
  • Mistproduktion geringer als bei Stroh

Die Nachteile von Späne

  • Schlecht kompostierbar
  • Verunreinigungen durch Holzstücke
  • Feuchtigkeit wird schlechter aufgenommen
  • Muss zugekauft werden
  • Raufutter muss zusätzlich angeboten werden

Elefantengras

Elefantengras oder auch Miscanthus ist eine schnell wachsende Grasart, die ursprünglich aus Afrika und Asien kommt. Der Anbau in Deutschland ist problemlos möglich, deshalb wird Elefantengras gerade zum Geheimtipp als neue Einstreuoption für unsere Pferde. Das Gras ist nicht nur gut für die Böden und dient sogar zur Erholung des Ackers, es sind keine Pflanzenschutzmittel nötig, so dass wir von einem gewissermaßen schadstofffreien Endprodukt ausgehen können, zur großen Freude aller Allergiker.

Die Vorteile von Elefantengras

  • Staubfrei
  • Keine Ammoniak- und Schimmelbildung – die Einstreu ist sehr atemwegsfreundlich
  • Keine Schadstoffe, Pflanzenpilze oder Sporen, daher für Allergiker geeignet
  • Gerüche werden gebunden – es duftet nach Gras
  • Weiche Liegefläche
  • Die Pferde fressen die Einstreu nicht
  • Geringe Mistmenge
  • Unkomplizierte Entsorgung

Die Nachteile von Elefantengras

  • Elefantengras ist (noch) keine heimische Pflanze
  • Die Einstreu muss regelmäßig geglättet werden
  • Muss zugekauft werden
  • Raufutter muss zusätzlich gefüttert werden
  • Teurer als Stroh

Stallmatten

Stallmatten werden meist mit einer der oben beschriebenen Einstreuarten kombiniert, da sie ohne diese Ergänzung Urin und Kot nicht gut genug aufnehmen können. Das ist sehr wichtig, damit unser Pferd nicht ausrutscht.

Die Vorteile von Stallmatten

  • Einstreu kann gespart werden
  • Matten sind gut gepolstert und sehr bequem für die Pferde
  • Ein Überfressen durch Einstreu bleibt aus
  • Pferde stehen nicht tief im Mist, dadurch werden die Hufe und die Haut geschont

Die Nachteile von Stallmatten

  • Ganz ohne Einstreu geht es bei den Matten nicht, denn der Urin muss aufgenommen werden
  • Durch Kot und Urin besteht insgesamt eine hohe Rutschgefahr auf den Matten
  • Achtung vor Schadstoffen im Material, unbedingt den PAK-Wert prüfen! (PAK=Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe werden in Gummiprodukten unter anderem als Stabilisator eingesetzt und stehen im Verdacht krebserregend zu sein)
  • Urin schädigt die Matten im dauerhaften Gebrauch (hoher Verschleiß)
  • Zeitaufwendig in der täglichen Pflege, Matten sollten mehrmals am Tag abgeäppelt werden
  • Raufutter muss zusätzlich gefüttert werden

Fazit

Welche Einstreu die Beste ist, muss am Ende jeder Pferdehalter für sein Pferd selbst herausfinden. Manchmal hat man leider weniger Möglichkeiten, bei der Auswahl der Einstreu mitzubestimmen, weil in einem großen Stall der Besitzer darüber entscheidet. Falls du es jedoch beeinflussen kannst, nutze ruhig die Gelegenheit. Probiere am besten verschiedene Einstreuarten aus und schaue, worauf sich dein Pferd am wohlsten fühlt.