Tierleid in sozialen Medien – sag nein!

Vermeintlich lustige oder niedliche Tierbilder und -videos kursieren massenhaft auf diversen Social Media Plattformen. Doch ist dies für die gezeigten Tiere immer lustig? Für viele Inhalte müssen Tiere leiden. Dies ist jedoch nicht immer für jeden offensichtlich. Wie du Tierleid erkennst und wie du dich im besten Fall verhältst, erfährst du in diesem Artikel.

INHALT
Tierische Social Media Inhalte Erkennen von Stress und Leiden Umgang mit tierschutzwidrigen Social Media Beiträgen
Tierische Social Media Inhalte

Igel mit Hut, Kaninchen im Kostüm, betrunkene, provozierte oder mit Eiswasser übergossene Hunde, geschockte Katzen und Geparden auf dem Sofa sorgen für Klicks und Likes auf Social Media Plattformen. Dafür werden Tiere in Situationen gebracht, die bei ihnen Stress oder Angst auslösen und sie teils sogar in Gefahr bringen. Bei der viral gegangenen „Gurken-Challenge“ wird beispielsweise heimlich eine Salatgurke hinter eine Katze gelegt. Die Katze springt verschreckt weg, da sie die Gurke für eine gefährliche Schlange hält. Viele finden das lustig, die Katze hat jedoch Todesangst. Sogar Tierrettungsaktionen werden teils inszeniert und gefilmt. Es wird also absichtlich ein Tier in Gefahr gebracht, um dieses dann vermeintlich zu retten.

Qualzuchten (siehe entsprechender Artikel), die teils unter schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen leiden, werden unkritisch dargestellt. Übergewicht von Tieren wird über „putzige“ Beiträge verharmlost. Kostüme können zu Überhitzung und zur Störung der Kommunikation von Tieren führen. Aufgezwungene, unnatürliche Haltungen verursachen Stress.

Immer mehr Inhalte drehen sich auch um Wildtiere. Die Bedürfnisse von Wildtieren können jedoch in privater Haltung in den meisten Fällen nicht erfüllt werden. Der Umgang mit ihnen wird so aber über Social Media normalisiert und „beworben“.

Halter:innen sogenannter „Petfluencer“ (=Haustiere mit großer Online-Fangemeinde) machen mit ihren Beiträgen teils ein großes Geschäft. Nicht immer haben jedoch ihre Tiere Spaß an ihrem „Job“, für den sie sich nicht selbstbestimmt entschieden haben. Bilder und Videos sollten immer nur spontanes, natürliches Verhalten eines Tieres zeigen.

Die Welttierschutzgesellschaft e.V. teilt tierschutzrelevante Social Media Inhalte in drei Kategorien ein:

  1. Eindeutiges Tierleid: Missbrauch und Gewalt, hierzu zählen auch die Darstellung von Qualzuchten (siehe entsprechender Artikel) sowie die Haltung von Wildtieren als Haustiere, wie beispielsweise Igel, Faultiere, Otter, Großkatzen oder junge Affen, die vermenschlicht und wie Babys behandelt werden
  2. Tierleidverdacht: Auf einem Bild oder in einem kurzen Video ist der Kontext oft unklar. Ein enger Kontakt zu einem Wildtier kann in einem Privathaushalt oder einem Tierschutzzentrum stattgefunden haben. Eine gefilmte Rettungsaktion kann inszeniert oder sie kann echt sein. Kommen dieselben Tiere und Retter:innen in verschiedenen Settings vor, ist der Fall relativ eindeutig.
  3. Respektloser Umgang mit Tieren: Dies kommt sehr häufig vor und ist nicht dem Tierschutz förderlich. Challenges regen beispielsweise zur Nachahmung an, wodurch noch mehr Tierleid entstehen kann.

Brachyzephaler Hund mit Pullover Stop-Schriftzug
Tiere möchten nicht verkleidet oder angezogen werden – es sei denn, sie frieren. Dieser brachyzephale (=kurzköpfige) Hund gehört außerdem zu den Qualzuchten. Brachyzephalie führt zu schweren gesundheitlichen Problemen.
Erkennen von Stress und Leiden

Sobald ein Tier erstarrt, versucht zu flüchten, Unbehagen, Stress, Angst, Droh-, Aggressions- oder Abwehrverhalten zeigt, leidet es. An den folgenden Zeichen oder Verhaltensweisen erkennst du dieses:

Hund

  • Stressgesicht: geweitete Augen, große Pupillen, Ohren angelegt nach hinten gezogen, Maulwinkel nach hinten gezogen, Stirn-Kopfhaut faltenlos glattgezogen, abgewendeter Blick, als würde der Hund lächeln
  • Rute eingezogen, ducken
  • Andauerndes Gähnen, sich selbst oder die Schnauze belecken, sich kratzen, schütteln, starkes Hecheln
  • Meideverhalten: Rückzug, einen Bogen machen
  • Beschwichtigungsverhalten: Vorderpfote heben, Mensch belecken
  • Übersprungsverhalten: unerwartetes, in der Situation sinnloses Verhalten

Katze

  • Geweitete Pupillen
  • Gesträubtes Fell, Ohren angelegt, Katzenbuckel
  • Schwanzschlagen
  • Abwehrverhalten: Fauchen, Pfotenhieb, beißen
  • Demutsverhalten: geduckte Körperhaltung

Kaninchen

  • Aufgerissene Augen
  • Schnelle, flache Atmung
  • Schockstarre
  • Flach auf den Bauch legen und bei Stehohrkaninchen Ohren zurück anlegen
  • Lautäußerungen: schrilles Quietschen, Fauchen, Zischen, Knurren·       Stampfen
  • Aggressivität

Meerschweinchen

  • Hervortretende, aufgerissene Augen
  • Schnelle, flache Atmung
  • Schockstarre
  • Lautäußerungen: Fiepen, Zirpen (=vogelähnliches Geräusch), leises Brummen
  • Zähneklappern
  • Aggressivität

Hund mit Stressgesicht und aufgesetzten Ohren
Dieser Hund zeigt ein deutliches Stressgesicht. Außerdem kann er durch die aufgesetzten Ohren nicht richtig hören und mit seinen eigenen Ohren nicht kommunizieren.
Umgang mit tierschutzwidrigen Social Media Beiträgen

Das Wichtigste: keine Interaktion, keine Aufmerksamkeit. Je öfter Inhalte angeschaut, geteilt, kommentiert, geliked oder auch gedisliked werden, desto mehr wird die Reichweite des Beitrages erhöht. Siehst du tierschutzwidrige Beiträge, melde diese unverzüglich bei der jeweiligen Plattform, sodass die Plattform diese löschen kann. Unter https://welttierschutz.org/leitfaden-melden/ erfährst du, wie du die Meldung für die jeweilige Social Media Plattform einreichst. Handelt es sich um einen Beitrag aus Deutschland, der tatsächliche Tierquälerei darstellt, sichere das Material, speichere den Link und das Ersteller-Profil und benachrichtige die Polizei oder Veterinärbehörde – denn Tierquälerei ist nach Tierschutzgesetz strafbar.