Gar nicht so selten – die häufigsten Gehirntumore bei Hunden und Katzen

Dein Tier verhält sich plötzlich anders. Doch sind das wirklich Alterserscheinungen? Auch bei Tieren gibt es Gehirntumore, bei Hunden häufiger als bei Katzen. Je nachdem wie groß der Tumor ist und wo er genau sitzt, führt er zum Ausfall verschiedenster Körperfunktionen.

INHALT
Einteilung von Gehirn-Tumoren Symptome Diagnostik Behandlung und Prognose
Einteilung von Gehirn-Tumoren

Die eigentlichen primären Gehirntumore entstehen direkt im Gehirn. An ihnen erkranken etwa 1,5 Prozent aller Hunde und 0,4 Prozent aller Katzen. Es kommen jedoch noch einmal genauso viele sekundäre Gehirntumore vor. Dies sind entweder Metastasen eines anderswo im Körper sitzenden Tumors oder sie sind aus umliegenden Geweben in das Gehirn vorgedrungen, wie beispielsweise ein Nasentumor. In diesem Artikel werden die bei Hunden und Katzen am häufigsten vorkommenden primären Gehirntumore beschrieben.

Meningiom

Meningiome (auch Meningeome) machen bei Hunden und Katzen über 50 Prozent der primären Gehirntumore aus. Sie kommen eher bei älteren Tieren vor. Meningiome entstehen aus der inneren und mittleren Schicht der Hirnhaut, die das Gehirn umschließt und so vor äußeren Einwirkungen schützt.

Gliom

Gliome machen beim Hund circa ein Drittel der primären Gehirntumore aus, während sie bei der Katze selten sind. Sie kommen ebenfalls eher bei älteren Tieren vor. Gliome entstehen aus verschiedenen Gliazellen (=Stützgerüst des Gehirns um die Nervenzellen). Gliome finden sich vorwiegend im Großhirn und im Thalamus. Der Thalamus ist das „Tor des Bewusstseins“. Hier wird entschieden, welche Sinneseindrücke bewusst wahrgenommen, also an das Großhirn weitergeleitet werden. Das Großhirn ist wiederum der größte Teil und oberste Instanz des Gehirns. Es ist für sämtliches Denken, Bewusstsein, Gedächtnis, Steuerung von Bewegung und die Koordination aller Organfunktionen zuständig.

ZNS-Lymphom

ZNS (=Zentrales Nervensystem)-Lymphome entstehen aus verschiedenen Typen von Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Lymphozyten haben eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr.

Das ZNS-Lymphom ist der zweithäufigste Gehirntumor bei Katzen. Beim Hund kommt er seltener vor. Im Vergleich zu den anderen Gehirntumoren sind eher jüngere Katzen betroffen. Circa 13 Prozent von ihnen sind FeLV-positiv (Felines Leukämievirus, siehe entsprechender Artikel).

Symptome

Die von Gehirntumoren verursachten Symptome sind vielfältig. Sie entstehen durch den Gehirntumor selbst, durch den Druck auf umliegende Strukturen sowie durch Stauung von Gefäßen mit dadurch bedingten Blutungen und Ödemen (=Wassereinlagerungen). Dadurch können folgende Symptome verursacht werden:

  • Epileptische Anfälle (=Krampfanfälle, siehe entsprechender Artikel)
  • Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen
  • Lähmungen
  • Sehstörung bis zu Blindheit
  • Verhaltens- und Wesensveränderungen
  • Orientierungslosigkeit, Starren ins Leere
  • Hydrozephalus (=Wasserkopf)

Diagnostik

Nach einer ausführlichen Anamnese (=Erfragen der Vorgeschichte der Erkrankung) führt dein/e Tierärzt:in eine allgemeine Untersuchung durch, um eventuelle Störungen und Schäden des gesamten Körpers zu beurteilen. Es erfolgt auch eine Blutuntersuchung. Danach führt er/sie eine neurologische Untersuchung durch. Anhand dieser ist es häufig schon möglich, die betroffene Region im Gehirn zu bestimmen. Mithilfe eines MRTs oder CTs (siehe entsprechende Artikel) vom Kopf kann der Gehirntumor dargestellt werden. Teils wird dazu vorher Kontrastmittel (=Substanz zur besseren Darstellung von Strukturen) in die Vene verabreicht. Um herauszufinden, ob es sich um eine Gehirn-Metastase eines anderswo sitzenden Tumors handelt, sollte immer auch ein Röntgenbild des Brust- und Bauchraums angefertigt sowie eventuell eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums durchgeführt werden. Eine definitive Diagnose der Tumorart kann eigentlich nur über eine Biopsie (=Probeentnahme von Gehirnzellen) gestellt werden. Diese wird bei Tieren jedoch nur selten und nur von spezialisierten Neurochirurg:innen durchgeführt. Bei manchen Tumoren ist eine Liquorpunktion (=Entnahme von Gehirnwasser) mit darauffolgender Analyse hilfreich.

Behandlung und Prognose

Welche Behandlungsmöglichkeiten (siehe Artikel Tumore) für einen Gehirntumor bestehen, wird individuell je nach Art, Lage und Ausbreitung des Tumors entschieden.

Bei manchen Gehirntumoren ist die chirurgische Entfernung durch spezialisierte Neurochirurg:innen möglich. Je nach Ausbreitung kann es sein, dass ein Tumor auch nur teilweise entfernt werden kann.  Die Strahlentherapie erreicht allein oder in Kombination mit Chirurgie den größten Erfolg und ist deshalb die generelle Behandlungsmethode der Wahl. Beim ZNS-Lymphom der Katze führt jedoch beispielsweise eine Chemotherapie zu einer raschen Besserung der Symptome. Eine Immuntherapie kann parallel zu anderen Behandlungen durchgeführt werden. Egal wie behandelt wird – es können grundsätzlich Rezidive (=Rückfälle) auftreten.

Trotz Behandlung beträgt die mittlere Überlebenszeit aber bei Gehirntumoren nur zwischen wenigen Wochen und wenigen Jahren. Ziel der Behandlung ist deshalb häufig nur noch eine Verbesserung der Lebensqualität durch Kontrolle der klinischen Symptome und neurologischen Ausfälle. Hierbei kommen Antiepileptika zur Krampflösung und Kortikosteroide zur Behandlung des Gehirnödems zum Einsatz.